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Israel: Eine Erfolgsgeschichte?

Gesellschaft | Ari Shavit: Mein gelobtes Land. Triumph und Tragödie Israels

Unsicherheit ist das prägende Gefühl im Israel der heutigen Zeit. Das Land, das als jüdische Insel im islamisch-geprägten Nahen Ostens liegt, sieht sich mit externen, aber auch internen Bedrohungen konfrontiert. Wie es in Zukunft um die Sicherheit des Staates steht, bleibt offen. Um zu ergründen, warum sich sein Heimatland aktuell in einem Zustand der Ungewissheit befindet, hat der Journalist Ari Shavit eine Zeitreise angetreten und den Weg hin zum heutigen Israel nachgezeichnet. Von STEFFEN FRIESE

Mein gelobtes Land von Ari ShavitEnde des 19. Jahrhunderts entwickelte sich mit dem Zionismus Theodor Herzls eine Idee, die die Keimzelle für den jüdischen Staat in Palästina bildete. Um das Judentum zu bewahren und den verfolgten Juden Europas eine neue Heimstätte zu geben, haben die Anführer der Befreiungsbewegung das Heilige Land am Mittelmeer ausgewählt.

Junge Pioniere

Anhand von Interviews sowie Aufzeichnungen und Erinnerungen, die er während seiner Recherchen in Archiven der ersten jüdischen Gemeinden sichtet, beschreibt Shavit das Leben der jungen Generation der Pioniere, die zu Beginn der 1920er-Jahre nach Palästina kamen. Sie waren jung, stark, sozialistisch geprägt und begannen das Land im Tal von Harod urbar zu machen. Eine blühende Subsistenzwirtschaft entstand, der erste Kibbuz war geboren.

Den ersten Siedlern lag es fern, ihr Gebiet mit Gewalt zu erweitern. Sie waren nicht daran interessiert, einen Judenstaat zu errichten, sondern wollten die Idee ihres jüdischen Sozialismus voranbringen. Dass sie dabei in ein Land gekommen waren, das bereits von einem anderen Volk bewohnt wird, haben die Zionisten übersehen. Erst als sich arabische Nationalisten erheben und sich in den 1930er-Jahren die Vernichtung der europäischen Juden abzeichnet, denkt die Bewegung um.

Mit Gewalt zum neuen Staat

In der Zeit um die Gründung des Staates Israel 1948 kommt es im Zuge des Unabhängigkeitskrieges auch es zu einem Bürgerkrieg. Die Anhänger der zionistischen Bewegung nehmen Dörfer und Siedlungen der arabischen Bevölkerung ein, vertreiben sie aus ihrer Heimat, entrechten sie. Shavit erzählt detailliert von dem Beispiel der Stadt Lydda, zu deren Bewohnern viele Juden aus dem umliegenden Land enge Freundschaften pflegten. Auch mit ihr hatten die Soldaten des neuen Staates keine Gnade, angetrieben von der Angst um seine und ihre eigene Existenz.

Vom Triumph zur Tragödie

Das neu geschaffene Israel entwickelte sich zunächst ganz im Sinne seiner zionistischen Begründer. Die Bevölkerung wuchs und das Land trieb unter der Führung des Sozialdemokraten David Ben-Gurion den Wohnungsbau und die Industrialisierung voran. Der Sechs-Tage-Krieg, der Jom-Kippur-Krieg und die Schwäche der regierenden Arbeitspartei änderten allerdings vieles. Mit dem Beginn der Besiedlung der besetzten Palästinensergebiete haftete Israel der Ruch des Kolonialismus an. Deren religiösen Initiatoren haben den zionistischen Gedanken fehlinterpretiert. Eine Tragödie nahm ihren Lauf.

Der Zusammenhalt, der die israelische Gesellschaft ausgezeichnet hatte, nimmt in der Folgezeit ab. Die politischen Lager sind sich uneins, wie der Konflikt mit den Palästinensern gelöst werden soll. Es bildet sich eine Friedensbewegung, die aber keine zufriedenstellende Lösung durchsetzen konnte. Nach der Jahrtausendwende wird deutlich, wie schwach der Staat geworden ist. Die vielen Konflikte im Land machten ihn mürbe, ein ungezügelter Kapitalismus spaltete das Volk in Arm und Reich. Und auch die lange unterschätze Bedrohung durch den Iran und der Teufelskreis im Kampf mit den Palästinensern förderte den wahren Zustand Israels zutage.

Zukunft ungewiss

Um die zukünftigen Herausforderungen zu bestehen – da ist sich Shavit sicher – muss sich der Staat neu definieren. Einen Frieden wird es seiner Meinung nach so schnell nicht geben, trotz allem ging es dem Judentum weltweit noch nie so gut wie heute. Die Juden haben ihren eigenen Staat und sind in den meisten Teilen der Welt frei.

In ›Mein gelobtes Land‹ gelingt es dem renommierten Journalisten, die Stationen seiner Reise und teils sehr persönlichen Begegnungen mit dem großen Ganzen der Geschichte Israels zu verbinden. Der Verlauf der zionistischen Bewegung und des späteren Staates Israel, den Shavit beschreibt, gibt Aufschluss darüber, weshalb sich die Situation für die Juden im Nahen Osten wie aktuell darstellt.

| STEFFEN FRIESE

Titelangaben
Ari Shavit: Mein gelobtes Land. Triumph und Tragödie Israels
München: C. Bertelsmann 2015
592 Seiten. 24,99 Euro

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