Kommando Erdnuss!

Wenn im Englischen die Rede von einem »Badass« ist, handelt es sich nicht um einen »schlechten Hintern«, wie die wörtliche Übersetzungen suggerieren würde, sondern um einen eindrucksvollen Draufgänger; oder genauer eine Person, die durch extremes Erscheinungsbild und Verhalten beeindruckt. Eben ein typischer 80er Jahre US-Action-Film Held. Ein Kerl wie John Rambo, Sylvester Stallones Paraderolle als rauer Einzelkämpfer im tiefsten Dschungel, der aufräumt mit den Bösewichten. ›Tembo the Badass Elephant‹ hat nicht nur einen ähnlich klingenden Name, er ist ein Rambo in Elefantengestalt. FLORIAN RUSTEBERG macht aus einem Elefanten eine Rezension.

1. coverDie Geschichte beginnt mit einem Angriff der mysteriösen Phantom-Armee auf eine Nation, die auf ihrer Flagge nur eine Erdnuss führt und der Attacke hilflos gegenüber steht. Dem General mit dem imposanten Schnurrbart wird schnell klar, dass er die Hilfe seines alten Kameraden Tembo braucht. Der lebt zurückgezogen mit Frau und Kind auf einer abgelegenen Insel, aber als ihn der Hilferuf erreicht, zögert er nicht, sich Gürtel, Kriegsbemalung und Stirnband anzulegen. So ausstaffiert, galoppiert das rundliche Rüsseltierchen auf einen Trainingsparkour und zeigt, dass es tatsächlich ein richtiger Draufgängerelefant ist. Im vollen Lauf werden alle Hindernisse zerdeppert, aber auch Stampfattacken, Rüssel-Kinnhaken und Wasser mit Hochdruck verspritzen gehören zum Repertoire.

In der Folge macht sich der Spieler daran, Stadt, Land und Leute zu befreien. Dazu warten mehr als ein Dutzend Level darauf, in 2-D Plattformer Manier von Gegnern gesäubert zu werden und vier Endgegner auf ihren Bezwinger. Dabei gilt es mit einer gewissen Gründlichkeit vorzugehen, denn bevor nicht eine bestimmte Anzahl an Phantom-Gegnern niedergestreckt wurde, ist das Vorankommen nicht möglich. Das stellt aber keine weitere Herausforderung dar, anders als so manch andere Passagen im Spielverlauf. Der Schwierigkeitsgrad steigt nämlich schnell auf ein hohes Niveau an und bleibt für junge und ältere Spieler immer fordernd. Allerdings fällt auf, dass die besonders kniffligen Bereiche durch die variierende Distanz der Checkpoints entstehen.Stosszaehne

›Tembo the Badass Elephant‹ hat eine gelungene Optik mit einfachen Animationen, die mit Liebe zum Detail überzeugen. Besonders die große Vielfalt der Level-Gestaltung ist hierbei besonders hervorzuheben. So wechseln sich Bereiche mit gradlinigem Verlauf, mit solchen ab, in denen nur auf- und abgeklettert oder der Elefant, wie ein Flipperball, durch die Gegend geschleudert wird. Dazwischen wiederum gibt es auch den Auftritt des Elefanten im Porzellanladen, immer dann wenn ein Großteil der Strukturen einfach niedergerissen wird. Nie fehlt es dabei auch an der kleinen Portion Witz, die der ganzen Präsentation eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Der Blick auf die Historie des japanischen Spielentwicklers GameFreak offenbart schnell, dass der putzige Grafikstil kein Novum ist, schließlich ist das Studio seit fast 20 Jahre die Heimat von Nintendos ›Pokémon‹-Reihe.

Ohje

Nicht sehr weit haben sich die Spieledesigner von Nintendo entfernt, denn der Auftritt ihres Elefanten ist mit den letzten ›Donkey Kong‹ Spielen gut vergleichbar. Doch so einfach ist es nicht, auch der Publisher Sega steuert etwas seiner DNS bei. ›Tembo the Badass Elephant‹ ist zwar kraftvoll wie der Nintendo-Affe, aber sprintet und rotiert durch die Level wie der Igel Sonic. Allerdings tun diese Vergleiche dem Dickhäuter Unrecht. Sein Abenteuer ist als durchaus eigenständiges Spiel zu sehen und hinterlässt einen guten Eindruck. Ob für zwischendurch oder in einem 6 Stunden Marathon, ›Tembo the Badass Elephant‹ hat für jeden eine (Erd)Nuss zum Knacken.

| FLORIAN RUSTEBERG

Titelangaben
Tembo the Badass Elephant
SEGA und Games Freak
seit Juli 2015 für Microsoft Windows, Playstation 4 und XboxOne erhältlich.
UVP 12,95 €

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