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Don´t worry, be happy!

Kulturbuch | Maike van den Boom: Wo geht´s denn hier zum Glück?

Die Deutschen mögen wohl Weltmeister in Fleiß, Effizienz und Genauigkeit sein, nur an manch anderen Talenten scheint es ihnen zu mangeln. ›Wo geht´s denn hier zum Glück‹ fragt sich Maike van den Boom auf ihrer neunmonatigen Forschungsreise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt. In ihrem Reisegepäck bringt sie jede Menge Antworten mit – und die meisten sind sehr einfach! Von INGEBORG JAISER

GlueckWas ist Glück? »Pura vida«, meint man in Costa Rica. Eine enge Beziehung zur Natur, sagen die Norweger. Ein »Maßhalten in allen Dingen« empfehlen die Finnen. Solidarität, Gemeinschaftssinn und ein grundsätzliches Vertrauen in andere Menschen, das ist der dänische Weg. Und die Schweizer schließlich schwören auf Zurückhaltung und Langsamkeit. Nur die Deutschen scheinen nicht zum Glücklichsein zu taugen, geben die ewigen Nörgler, Unzufriedenen, Bekümmerten ab. In den verschiedenen Rankings der glücklichsten Länder dieser Welt kommt Deutschland nie über Platz 26 hinaus. Was ist dran an der sprichwörtlichen »German Angst«?

Forschungsreise zum Glück

Maike van den Boom, eine in Heidelberg geborene Halbholländerin, studierte Kunsttherapeutin, praktizierende Rednerin und Motivations-Coach, liest eines Morgens in der Zeitung einen OECD-Bericht zur Lebenszufriedenheit (und die schlechte Positionierung Deutschlands), konsultiert darauf die ›World Database of Happiness‹ (ja, die gibt es wirklich!) und macht sich auf die Reise zu den 13 glücklichsten Ländern dieser Welt. Mit einem orangenen Rollkoffer, einer neuen Kameraausrüstung, einem Stativ und Mikrophon. Neun Wochen lang tourt sie als One-Woman-Show durch die Welt, interviewt Einheimische, Glücksforscher, Korrespondenten und Auslandsdeutsche. Der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther wird genauso befragt wie der Finanzchef von Porsche Panama oder eine minderjährige, alleinerziehende Mutter aus Costa Rica. Ihre reiche Ausbeute verarbeitet Maike van den Boom zu Filmen, Videos, Vorträgen, diversen Websites und Blogs – und nicht zuletzt zu einem Buch, das der brennenden Frage nachgeht: »Wo geht´s denn hier zum Glück?«

German Angst

So verschieden die Ansichten und die regionalen Grundgegebenheiten auch sind, so sehr scheinen doch grundlegende Haltungen eine Rolle zu spielen: Bescheidenheit, Dankbarkeit, Gelassenheit und eine Freude an den kleinen Dingen. Das Streben nach Reichtum und Erfolg steht dem Verlangen nach Glück oft eher hinderlich entgegen. Zu diesem Schluss kommt Maike van den Boom schon nach wenigen Interviews. Ihre Erkenntnisse während der weltumspannenden Forschungsreise sind zwar grob nach Ländern aufgesplittet, springen jedoch beliebig hin und her, vermengen verwandte Erfahrungen aus unterschiedlichen Kontinenten, stellen erstaunliche Querverweise her und finden doch einen Konsens zwischen wissenschaftlichen Ergebnissen und den profanen Aussagen der »einfachen Menschen von der Straße«.

Jammern hilft nicht

Wer sich zudem Maike van den Booms Videos auf ›YouTube‹ anschaut, erkennt schnell, dass diese Frau offenbar genauso schreibt, wie sie redet oder agiert: Mitreißend, enthusiastisch, authentisch. Dennoch wirkt ihr gebetsmühlenhaftes Heraufbeschwören der deutschen Griesgrämigkeit und Verkrampftheit auf Dauer doch ziemlich ermüdend und abgedroschen. Auch wenn ihr aufschlussreiches, oft amüsantes Lesebuch so manche positive Anregung bietet, um einfach mal den Blickwinkel (und vielleicht sogar die Lebenseinstellung) zu ändern. Denn selbst wenn 50% unseres maximal erreichbaren Glücksniveaus durch die Gene bestimmt werden und 10% durch Lebensumstände wie Aussehen, Reichtum, Intelligenz, liegen die restlichen 40% doch komplett in der eigenen Verantwortung.

| INGEBORG JAISER

Titelangaben
Maike van den Boom: Wo geht´s denn hier zum Glück?
Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können
Frankfurt: Krüger, 2015
351 Seiten, 18,99 Euro
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