Fast – Faster – FAST RACING NEO!

Digitales | Games: FAST Racing Neo

Wettrennen jenseits der Schallgeschwindigkeit – ›FAST Racing NEO‹ (FRN) bringt selbst Veteranen des beliebten Nintendo-Klassikers ›F-Zero‹ ins Schwitzen. Ob der futuristische Arcade-Racer aus dem Hause Shin‘en Fans des Genres glücklich macht, erfahrt ihr in unserem Test. Von PHILIPP LINKE.

cover_large»3… 2… 1… GOOO!«, schreit eine Stimme, als würde ihr Leben davon abhängen. Das erste Rennen, das ich begann, fühlte sich an wie der freie Fall in einer Achterbahn. Die Umgebung verschwimmt zu einem konzentrischen Streifenmuster mit Weitwinkelblick. Nachdem sich der erste Schock gelegt hat, tastete ich mich von Bande zu Bande vor. Mein erstes Rennen absolviere ich, ohne auch nur einen Gedanken an die Turbotaste zu verschwenden. Das zweite Rennen verläuft deutlich besser und man gewöhnt sich irgendwie doch an die Geschwindigkeit. Sobald man sich mit der Spielemechanik vertraut gemacht hat, bietet FRN den intensivsten Geschwindigkeitsrausch, den mir ein Videospiel jemals bieten konnte.

Farbenfrohes Flitzen

Die Boliden in FRN leuchten permanent in einer von zwei Farben – Blau oder Orange. Mit einem Knopfdruck lässt sich die Farbe jederzeit wechseln. Passend dazu befinden sich farbige Bereiche auf der Fahrbahn. Solltet ihr diese mit der identischen Farbe überqueren, erhaltet ihr einen Schub, andernfalls werdet ihr gebremst. Zur Abwechslung gibt es auch farbige Katapultfelder, die euch in die Luft befördern können. Teilweise ist es notwendig, dass ihr diese Katapulte nutzt, um einen Abgrund oder eine Wasserfläche zu überqueren. Fehler, wie das Verlassen der Strecke oder ein Crash in Hindernisse, werden bei FRN streng bestraft, denn ein paar Sekunden Verzögerung können bereits den Unterschied zwischen dem ersten und letzten Platz ausmachen.

screenshot21Neben dem Farbenspiel könnt ihr euch einen Vorteil durch Boost-Sphären erkämpfen. Diese Kugeln sammelt ihr auf der Strecke ein, wodurch sich eure Boost-Leiste füllt. Bei voller Leiste könnt ihr bis zu vier Mal einen Turbo-Schub einsetzen. Neben dem Plus an Geschwindigkeit lohnt es sich auch, eure Gegner während des Turbos zu rammen und so ins Schleudern zu bringen. Zerstören lassen sich die schwebenden Fahrzeuge jedoch nicht – im Gegensatz zu ›F-Zero‹. Auch seitliches Rammen ist kaum möglich, obwohl sich der Gleiter mit den Schultertasten nach links oder rechts lehnen lässt, um etwa Kurven enger zu fahren.

Insgesamt bietet FRN 16 Strecken, die in vier Cups unterteilt sind. Jeder Cup lässt sich in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen absolvieren. Dazu müsst ihr allerdings erst einmal mindestens den 3. Platz im vorherigen Cup erreicht haben. Während der erste Cup noch machbar ist, hatte ich mit dem zweiten schon deutlich zu kämpfen, sodass ich bisher den dritten Schwierigkeitsgrad noch nicht ausprobieren konnte. Solltet ihr diesen dennoch absolvieren, steht euch der Hero-Mode zur Verfügung. Hier fahrt ihr auf höchstem Schwierigkeitsgrad, allerdings ist eure Boost-Leiste gleichbedeutend mit dem Zustand eures Boliden. Das heißt, bei Kollisionen wird stets ein Teil abgezogen, sodass ihr bei Null die Strecke erneut starten müsst. Als wäre das nicht genug, müsst ihr außerdem auf jeder Strecke Erster werden, um weiter zu kommen.

screenshot23Abgesehen von der klassischen Einzelspieler-Meisterschaft gibt es auch einen Splitscreen- und Online-Multiplayer. Online könnt ihr mit bis zu acht Spielern gleichzeitig im langsamsten Schwierigkeitsgrad gegeneinander antreten. Ihr könnt zwischen Freunden und Global sowie eine von drei zufälligen Strecken auswählen. Sobald die übrigen Spieler beigetreten sind, geht es direkt los. Das Ganze scheint jedoch ein paar Macken zu haben, so ließ sich bei mir eines der Rennen nicht beenden und blieb in der Punkteübersicht hängen. Ein anderes Mal wurde der Bildschirm für kurze Zeit schwarz und danach war mein Wagen mit einem schwarzen Balken überzogen, als hätte man ihn zensiert. Da hilft es nur, das Rennen zu beenden und neue Kontrahenten zu suchen. Im Splitscreen-Modus könnt ihr hingegen aus allen Schwierigkeitsgraden wählen und optional auch CPU-Gegner mitfahren lassen. Bei hohen Geschwindigkeiten wird jedoch der kleinere Bildschirmausschnitt schnell zum Verhängnis, da sich Hindernisse erst etwas später erkennen lassen.

Optische und akustische Reizüberflutung

screenshot26Graphisch ist FRN eine Augenweide. Nicht nur sind die Rennstrecken von Eislandschaft über Dschungel bis zum Weltraum sehr abwechslungsreich und detailreich gestaltet, sie bieten auch jede Menge dynamische Elemente wie einschlagende Meteoriten, riesige Roboter, die über die Strecke wandern, oder zufällig auslösende Feuerfontänen. Verschiedene Nachbearbeitungseffekte sorgen für ein noch intensiveres Geschwindigkeitsgefühl, während die Bildrate mit 60 Bildern pro Sekunde stets stabil bleibt. Je höher aber die Geschwindigkeit, desto weniger bekommt man auch von der Umgebung mit – bis zu dem Punkt, an dem man die Strecke praktisch auswendig kennen muss, um den Hindernissen rechtzeitig auszuweichen.

Die Musik lässt sich der Kategorie Drum and Bass bis Electronic Rock zuordnen und erinnert mich stark an die Band ›Pendulum‹. Die modernen Klänge passen sehr gut zu dem futuristischen Thema und die teilweise aggressiven Rhythmen fördern den Geschwindigkeitsrausch. Jede Strecke hat ihren eigenen Song und hinterlässt so ihren ganz individuellen Eindruck.

Fazit

Shin’en versucht mit FRN ganz offensichtlich ›F-Zero‹-Fans zu gefallen. Insbesondere der Hero-Mode bietet einen gnadenlosen Schwierigkeitsgrad und nahezu die gleiche Mechanik wie der beliebte Nintendo-Konkurrent. Tatsächlich hat Shin’en denselben Synchronsprecher für den Kommentator engagiert wie für ›F-Zero GX‹! Ein direkter Vergleich zwischen den beiden Spielen ist dennoch nicht möglich. FRN geht seinen eigenen Weg und das ist gut so, denn es bietet mit seiner Farbwechsel-Mechanik und der modernen Musikgestaltung ein ganz individuelles Erlebnis. Somit können Fans futuristischer Rennspiele – insbesondere zu dem Budgetpreis – bedenkenlos zugreifen. Wem jedoch bereits der 200 ccm-Modus in ›Mario Kart‹ zu hektisch ist, sollte dich den Kauf zweimal überlegen.

| PHILIPP LINKE

Titelangaben
FAST Racing Neo
Nintendo / Shin’en Multimedia
erhältlich seit dem 10.12.2015 für WiiU.

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Wann ist ein Roman ein Roman?

Nächster Artikel

Schollenwelten im Chaos!

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Ambivalente Ideologiekritik

Digitales | Games: Doodle Jump Das iPhone als mobile Spieleplattform hat die Unschuld seiner Kinderzeit längst hinter sich gelassen. Einer der meistgespielten und -beachteten Titel für die eierlegende Wollmilchsau aus dem Hause Apple ist ›Doodle Jump‹. Von außen betrachtet gibt sich das Spiel als ein harmloser Plattformspaß, doch bei genauerer Betrachtung entpuppt es sich als Munition für die kapitalismuskritische Argumentationsflakbatterie. Eine nicht ganz so ernst gemeinte Manöverkritik von RUDOLF INDERST

Bleihaltiges zu Wasser und zu Luft

Digitales | Games: Digitaler Appetithappen Schon letzte Woche flogen die Fetzen, doch das Actiongenre ist bekannt als Quell unendlicher Action-Kost. Daher will RUDOLF INDERST auch diese Woche zwei Titel im Digitalen Appetithappen kurz vorstellen: der Lizenztitel ›Transformers: Dark of the Moon‹ und die Kriegsflugshow ›Air Conflicts: Secret Wars‹.

»How do you like that, motherfucker«

Digitales | Games: Bad Company 2 ›Bad Company 2‹ ist Bruckheimer zum Selberspielen: Explosionen, markige Sprüche und ein Kugelhagel, der so dicht ist, dass einem Hören und Sehen vergehen. PETER KLEMENT hat sich das Maschinengewehr umgeschnallt und in dem Amalgam aus ›Bad Boys‹ und ›Das dreckige Dutzend‹ den Lauf glühen lassen.

Die Ästhetik des Kriegs

Digitales | Games: Battlefield 1 Alle paar Jahre – pünktlich zum Weihnachtsgeschäft – liefern sich Activision und Electronic Arts ein Duell der etwas anderen Art. Auch dieses Jahr wird wieder scharf geschossen, denn einmal mehr wollen sowohl ›Call of Duty‹, als auch ›Battlefield‹ den Thron im Shooter-Olymp besteigen. Während ›Call of Duty‹ in der Vergangenheit stets eine Nasenlänge Vorsprung hatte, fährt EA mit ›Battlefield 1‹ dieses Jahr große Geschütze auf, um der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen. Wie gut das gelingt, weiß SEBASTIAN BLUME.

Einschalten und träumen

Digitales | Interview: Nicole Lange von ICO-Radio Nicole, Denis und Sebastian – diese drei ambitionierten Persönlichkeiten stecken hinter dem Projekt ICO-Radio. Es geht bei diesem Unterfangen, das bei der ludischen Fanbase auf sehr positives Echo stößt, um Musik aus digitalen Spielen – aufbereitet als lockere Podcast-Show. RUDOLF INDERST hat sich mit Mastermind Nicole Lange auf einen Plausch zusammengefunden, um über das Projekt zu sprechen, das auf Ausgabe Nr. 40 zusteuert.