Erzählerisches Chaos

Jugendbuch | Johannes Groschupf: Das Lächeln des Panthers

Ein junges Mädchen, ein altes Hotel und ein dunkles Geheimnis, das klingt nach guter Krimi-Unterhaltung, perfekt für gemütliche Stunden auf der Couch. Noch dazu von Johannes Groschupf, da sollte man auf das Beste gefasst sein. Leider hat er in sein jüngstes Buch Das Lächeln des Panthers viel zu viel hineingepackt und erzählerisches Chaos angerichtet. Von MAGALI HEISSLER

laechelndespanthersKurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag bekommt Katinka eine schlimme Nachricht. Ihr Vater ist schwer krank geworden. Statt sich im schottischen Internat im Kreis ihrer Freundinnen auf das Abitur vorzubereiten, muss sie nach Berlin zurück. Dort steht es schlimm, nicht nur um ihren Vater. Das Familienhotel, alt und geschichtsträchtig, steht vor dem Ruin.

Katinka ist fest entschlossen, die Sache in Ordnung zu bringen. Sie rechnet durchaus mit Widerständen, schließlich hat sie einen klaren Kopf. Mit den seltsamen Personen, die sogleich ihren Weg kreuzen, hat sie allerdings nicht gerechnet, noch weniger, dass so manche davon sehr gefährlich sind für sie. Wie groß die Gefahr wirklich ist, erkennt sie erst, als es fast zu spät ist.

Viel Atmosphäre

Groschupfs Roman hat zwei Hauptfiguren, Katinka und das alte Hotel. Katinka steht gleich mit den ersten Sätzen quicklebendig da. Rugbyspielerin, kräftig, schnell, die Wind und Wetter liebt. Lebhaft im Kreis ihrer Freundinnen, ist sie doch liebebedürftig und ein wenig zurückhaltend. Man erfährt bald, warum das so ist, die Beziehungen innerhalb der Familie stehen nicht zum Besten. Aber Katinka ist eine, die nicht schnell aufgibt und trotz ihrer Jugend mit den Beinen fest auf dem Boden steht. Dass sie ihre Träume hat, macht sie nur noch liebenswerter.

Das Hotel ist etwas, das sie zum Träumen bringt. Es geht nicht ihr allein so, auch die Leserin verfällt schnell dem Charme aus Nostalgie, denkerischem Vintage-Look und eingestreuten Anspielungen auf Geheimnisse aus der Vergangenheit. Groschupf kann unwiderstehlich Atmosphäre schaffen. Ähnliches gilt auch für Spaziergänge in den Straßen hinter dem Kurfürstendamm, dem Zoo, um den Adenauerplatz. Der Roman ist in dieser Hinsicht ein Berlin-Roman. Wie mit dem alten Hotel lebt hier noch einmal eine Tradition auf. Wie das Hotel ist sie allerdings längst tot und das verhindert letztlich echte Authentizität. Auf Dauer bleibt es eine Aufzählung von ehemals markanten Adressen. Nostalgisch-traurig. Vorbei.

Überfüllt

Dass die Geschichte trotz aller Bemühungen nicht überzeugend ist, liegt daran, dass sie mit Handlung, Ideen, Figuren überfüllt ist und dass die Bestandteile nicht recht zueinander passen. Vieles verbleibt in bloßen Beschreibungen, lebendig wird es nicht. Figuren agieren exzentrisch im Übermaß, Handlungsfäden verlieren sich irgendwo in den Hotelfluren. Das Beziehungsgeflecht ist bei genauerem Hinsehen recht absurd, eine ganze Generation scheint zu fehlen. Eine Neunzigjährige etwa ist eher eine Urgroßmutter als eine Großmutter für eine Siebzehnjährige. Manche Auftritte sind fernsehtauglich, allerdings nur dann, wenn man Filme der 1960er Jahre zugrunde legt.

Viele Details sind einfach nur seltsam, ein Rolls Royce z.B. oder die sorgfältig eingeführten Spinnenfinger einer Figur. Keine rechte Legitimation hat der Panther des Titels, er dient nur zur übertriebenen Ausschmückung sowie dem reflexartigen Herbeten des Rilke-Gedichts. Wäre es bei den Versen von Klehr im Vorsatz geblieben, hätte es mehr als gereicht für eine wirklich gute Geschichte.

Ein Teil der wesentlichen Handlung ist nur absurd. Auch Jugendliche werden sich fragen, warum in bestimmten Situationen nicht die Polizei gerufen wurde oder warum die Minderjährigkeit Katinkas nicht thematisiert wird, die ja bestimmte Vorgänge unmöglich machen würde.

Die angedeutete Liebesgeschichte bleibt mehr als blass. Auch dabei wurde zugunsten beliebiger Showeffekte derart Potential verschenkt, dass man sich fragt, warum sie überhaupt eingeführt wurde.

Politisch korrekt ins Aus

Die Lösung des Geheimnisses schließlich ist von einer Art und auf eine Art gestaltet, dass man unweigerlich den Verdacht hat, dass der Autor die Geschichte schnell zu Ende bringen wollte. Es ist schade darum, sie ist vielversprechend. Leider verfällt er zum einen dem typisch deutschen Fehler, auch noch die Nationalsozialisten herbeizubeschwören einschließlich eines Schurken, der vor allem deswegen schurkisch ist, weil sein Vater Angehöriger der SA war – wie erwähnt fehlt fast eine Generation hier. Politisch korrekt macht keine guten, sondern nur banale Geschichten.

Zum anderen gipfelt es in einem lächerlichen Showdown, der nicht einmal spannend ist. Der dazugehörige Prolog wirkt aufgesetzt.

Keine gute Idee war es, das Problem der Raubkunst mitaufzunehmen. Was diese nun genau mit der Geschichte zu tun, soll nicht verraten werden. Dass eine der beschriebenen Methoden rundum lächerlich ist, schon. Wer es nicht glaubt, probiere selbst, freihändig und allein eine Wand zu mauern.
Ärgerlich schließlich ist der Umgang vor allem mit dem Thema Familie. Das ist kitschig abgehandelt, auch sprachlich. Da laufen dann die Tränen in kleinen warmen Rinnsalen und man fühlt süßen Schmerz, mehr so innerlich.
Lassen wir das und warten geduldig auf den nächsten Groschupf. Fehltritte kommen in den besten Familien vor.

| MAGALI HEISSLER

Titelangaben
Johannes Groschupf: Das Lächeln des Panthers
Hamburg: Oetinger Taschenbuch 2015
215 Seiten. 12,99 Euro
Jugendbuch ab 15 Jahren
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