/

heidelberg-nord, abendlauf

TITEL-Textfeld | Şafak Sarıçiçek: heidelberg-nord, abendlauf

der zeiger weist auf
vier uhr früh
die stadt liegt
betrunken zu beiden seiten
des neckars
schwarzer wasserleibesfülle
einsame lastwagen
tuckern

vom abend gehetzt
rinnen dir feine
schweißtropfen in die
augen und
halb blind starrst
du in die weite des
alls gesprenkelte
unfassbare weite
unfassbare schwärze
fragst dich wie viele
paare hinaufschauen
in diesem moment
kinderaugen nach oben blicken
in zerbombten städten unweit
euphrat und tigris
wunderst dich wegen
der orte wo den himmel
keine menschenaugen streifen
sondern polarlichter
der orte wo stille wälder
dem himmel lauschen
affenbrotbäume im schlafe liegen
wo der abendhimmel
menschenfremd gespannt über der erde
und
überwältigt
atmest du
den abend ein

siehst
das apothekenlicht
ein fernes ufer
blinkt
des morgens
kühlem
dämmern
entgegen
atmest du
den abend aus.

| Şafak Sarıçiçek

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Lost Tracks And Inspiration: An Interview With Long Arm

Nächster Artikel

Fantasie, Witz und Mut: Einblicke in das Leben einer Jüngsten

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Little Indie-Core Ride

Musik | Energie und Zauberformeln in Songs und Poetry »…two made one by music, bodied edge gone up into air, aura, atmosphere the garment we wore. We were on a ship’s deck dancing, drawn in a dream…« (›On Antiphon Island‹, Mackey)

Lyrik und Barbarei

Lyrik | Paul Celan: Gedichte Adorno und Celan zur Lyrik nach dem Holocaust. Von PHILIP J. DINGELDEY

Drei Gedichte

Lyrik | Peter Engel: Drei Gedichte

Kiellegung eines Einfalls

Wenn er noch ganz formlos ist
und gerade erst geschlüpft,
gibt ihm ein tragendes Wort
den Grundstein, auf den setzen sich
weitere als Unterbau und Gerüst.

So arbeitet sich der Einfall
aus dem Ungefähren heraus
und nimmt seine Fassung an,
wird nach und nach deutlicher
und entwirft sich Sprachhaus.

Drei Gedichte

Lyrik | Peter Engel: Drei Gedichte

Leben im Februar

Schon am Vormittag mit Lampenlicht,
um den Tag aufzuhellen
und den Stift sicher zu führen,
Düsternis fällt in die Zeilen
und läßt sich nicht wegschreiben.

Ein unentschlossener Himmel
in der Mittagszeit und manchmal
fast eine Ahnung von Frühling,
festgemacht an einfallenden
Strahlen, die das Zimmer ausleuchten.

Die Sucht, die nie verging

Menschen | Neue Gedichte zum 85. Geburtstag des Schriftstellers Cees Nooteboom

Der poetische Weltenbummler Cees Nooteboom hat noch einmal eine neue Inspirationsoase gefunden. »Es ist kalt und nicht so angenehm, aber sehr schön, und die Nordsee ist sehr wild. Das war eine wunderbare Atmosphäre«, bekannte der niederländische Autor über die westfriesische Insel Schiermonnikoog. Dort und in seiner Zweitheimat Menorca sind die Verse des neuen Gedichtbandes ›Mönchsauge‹ entstanden. Ein Porträt von PETER MOHR