Nichts geht mehr

Lyrik | Martin Jürgens: Nichts geht mehr

Ja, wir als Paar: Kopf in
Den Wolken, versessen
Aufs Leben, die Haare
Immer im Wind.
Alles vorbei und
Fast schon vergessen:
Die Jahre, die guten,
Die Jahre, die scharfen
Die Jahre, die hinter uns sind.

Tu was oder laß es sein,
Ist mir doch ganz egal.
Ich bin mit meim Latein
Am End, TSCHÜß bis

Zum nächsten Mal!

Du rufst, bild ich
Mir ein, von fern:
Nimm Anlauf, los,
Und spring, du Wicht,
So weit du eben
Kannst, und sieh:
Du kannst es nicht,
Liegst da und heulst
Und siehst dich um
Und weit und breit
Kein Reim auf »heulst«.

Tu was oder laß es sein,
Ist mir doch ganz egal.
Ich bin mit meim Latein
Am End, TSCHÜß bis

Zum nächsten Mal!

Kein Glanz in den Augen,
Keine Haare im Wind
Und die Füße wie in Beton,
Und Schluchzen im Hals.
Es gibt kein Pardon
Für ein altes verlassenes Kind.

Tu was oder laß es sein,
Ist mir doch ganz egal.
Ich bin mit meim Latein
Am End, TSCHÜß bis

Zum nächsten Mal!

Nichts geht, und alles bleibt,
So wie es ist. Seit Jahren geht
Nichts mehr, und alles leibt
Nur noch und lebt nicht mehr.
Wir haben das erfahren,
Nahmen’s hin und taten nichts,
Als wir zusammen waren.

Wir tun nichts mehr
Und lassens zu. Es
Ist uns ganz egal.
Ich bin mit meim Latein,
Du bist mit deim Latein
Am End, kein TSCHÜß,

Kein nächstes Mal!

| MARTIN JÜRGENS

Martin Jürgens, geb. 1944, lebt in Berlin; er war dort Hochschullehrer, arbeitete als Regisseur für Theater in Berlin, Münster und Köln, er publizierte diverse literarische und wissenschaftliche Arbeiten und verfaßte Hörspiele für Radio Bremen und den WDR. Viele seiner Lyrik-Beiträge für ›Konkret‹ erschienen unter dem Titel ›Frau Merkel sieht auf ihrem Schuh ein Streifenhörnchen, das sich putzt‹ (2015).

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Auf den Spuren der Rattenbande

Nächster Artikel

Fest gemauert

Neu in »Lyrik«

Liebende mit Promotion

Textfeld | Martin Jürgens:Liebende mit Promotion DEUTSCHLÄNDERIN UND DEUTSCHLÄNDER 1 Sie lieben beide Aznavour, Den frühen Peter Stein Und heute? Immer noch Die Pina Bausch und „In the Mood for Love“. “Zum Weinen schön.” Er nickt. Soviel Konsens Am ersten Abend schon, Nach einer Flasche Chateauneuf. PDF erstellen

Die Hand an der Wand / Fledermaus

Lyrik | Renate Ammon: Die Hand an der Wand / Fledermaus Die Hand an der Wand   Die Hand an der Wand weiß wie das Weiß meiner Augen PDF erstellen

Der Stolz der Erde

Lyrik | Wolfgang Denkel: Gedichte

Der letzte Löffel

Aus dem Vollen schöpfen -
kaum je genossen
Aus dem beinah
Leeren schöpfen
war meine geheime
Wonne, von Kindheit an

Zu Besuch

Lite Ratur | Wolf Senff: Zu Besuch Paul misstraute äußerlichen Abläufen, einer davon war eingeteilte Arbeit, er sträubte sich gegen Vorschriften jeglicher Art, er hatte nie eine Armbanduhr getragen, als man noch Armbanduhren trug. Er hätte als Versager gelten können, doch bei ihm war kein Gedanke daran. Tim hatte ihm die Fahrkarte zugeschickt, das war nun einmal Tim, er erwarte ihn gegen Mittag, sie kamen gut miteinander aus, mehr konnte niemand wünschen. PDF erstellen