Wunder an Weihnachten

Kinerbuch | Jutta Nymphius: Hotel Wunderbar

 
Ein Hotel, in dem Zimmer leerstehen, ein einsamer kleiner Junge und ein Tannenbaum aus Plastik: noch ist von Weihnachten nicht viel zu spüren. Das wird sich ändern, hofft ANDREA WANNER

Hotel WunderbarJutta Nymphius stellt ihrer Weihnachtsgeschichte ein Zitat voran: »Ich weiß, was Weihnachten ist. Weihnachten ist ein Tannenbaum, aber ein echter. So einer mit klebrigen Nadeln, die gut riechen. Auf gar keinen Fall ist Weihnachten ein Plastikbaum zum Aufklappen!«
 
Das findet Mika auch. Genau so einen richtigen Weihnachtsbaum hatten sie früher, als Mama noch lebte. Seine Mutter, die aus Marokko stammte, und für die Gastfreundschaft das Wichtigste war. Die das Essen mit Tomatenrosen dekorieren konnte und überhaupt dafür sorgte, dass alles gut und richtig war.

Jetzt ist sie tot, sein Vater verkriecht sich von morgens bis abends im Büro und Weihnachten wird mit einem Plastiktannenbaum gefeiert. Mika ist deprimiert und niedergeschlagen, das traurige Weihnachtsfest liegt bereits hinter ihm und von der Wärme und dem Glanz früherer Jahre war wieder nichts zu spüren gewesen.
 
Und dann ist da plötzlich ein kleiner Hund mit schwarzen Löckchen und kleinem Stummelschwänzchen, den Mika total goldig findet – obwohl er dadurch auf ihn aufmerksam wurde, dass er ihm ans Bein pinkelte. Es ist Januar, die Weihnachtsdeko hat er gemeinsam mit Henry und Fanny, den beiden Hotelmitarbeitenden gerade abmontiert. Weihnachten ist vorbei – und fängt doch für Mika gerade erst an. Denn Silvester, der kleine Hund, ist nicht allein. Sein Begleiter ist der riesige Teddy, ein Obdachloser.

Da hat Mika eine wunderbare Idee: er könnte Teddy und Silvester doch in dem Hotelanbau unterbringen, der im Winter immer leer steht. Von der Idee zur Tat ist es nur ein kleiner Schritt, der für Mika allerdings mit einigen organisatorischen Hindernissen verbunden ist. Dafür ist Teddy der weltbeste Hase-und-Jäger-Spieler, der anders als Papa endlich Zeit dafür hat.
 
Was Mika noch nicht ahnt: Das ist erst der Anfang. Der Anfang von Gastfreundschaft und Hilfe, der Anfang von richtig viel Stress und der Anfang von einem echten Weihnachten.
 
Jutta Nymphius ließ sich für Ihre Geschichte von einer wahren Begebenheit inspirieren. 2009 wurde Benjamin Ahmed Abderrahman zum Brüsseler des Jahres ernannt. Zu diesem Zeitpunkt betrieb er sein Hotel »Mozart« bereits seit 16 Jahren. Und so lange kümmerte er sich Winter für Winter um Obdachlose und ermöglichte ihnen eine warme Unterkunft in den kalten Nächten.

Jutta Nymphius hat ihm von ihrem Buchprojekt berichtet und er lieferte mit seiner Botschaft an alle den Schlusssatz des Buches (dem nur noch eine Anleitung für das Hase-und-Jäger-Spiel folgt): »Das Gute lässt sich nicht bezahlen und macht dennoch reich.«
 
Schön, so viel Gutes und Großzügigkeit in eine warmherzige Weihnachtsgeschichte zu verpacken, die im Januar spielt. Denn eigentlich sollten Weihnachten und Gutes nicht auf einen Tag im Jahr beschränkt werden. Auch wenn das ›Hotel Wunderbar‹ von außen wie ein Adventskalender aussieht. In der Tat: jede neue Seite bietet wie jedes Türchen am Adventskalender eine neue Überraschung. Gutes kommt dabei nicht von alleine. Dafür braucht es Zivilcourage und Mut. Mika zeigt, dass er beides hat. Und dass aus Gutem noch mehr Gutes werden kann.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Jutta Nymphius: Hotel Wunderbar
Mit Illustrationen von Stephan Pricken
München: Tulipan 2016
144 Seiten, 13 Euro
Kinderbuch ab 9 Jahren
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