/

Im Rausch(en) der Geschwindigkeit

Ausstellung | Kulturbuch | Christoph Naumann: ›Rauschen‹ in Würzburg (BBK Galerie)

Fußgänger und Autobahn. Zwei Formen der Bewegung prallen in der Arbeit des Würzburger Fotografen Christoph Naumann aufeinander. Großformatige Landschaftsbilder zeigen Räume und Orte, denen normalerweise keine Beachtung geschenkt wird. Weil wir sie im Temporausch übersehen – oder zu Fuß nie besuchen würden.

Naumann - Autobahn»Zu Fuß an der Autobahn?« Was zunächst paradox klingen mag, ist das Konzept des Fotografen. In großformatigen Landschaftsbildern beschäftigt er sich intensiv mit Räumen und Orten, denen normalerweise keine Beachtung geschenkt wird. Kaum jemand würde auf die Idee kommen, in diesem unwirtlichen Korridor spazieren zu gehen, um die stark vom Menschen geformte Landschaft zu betrachten. Die Autofahrer wiederum hindern Tempo, Lärmschutz und Bepflanzung daran, mehr als die Fahrbahn oder die weiter entfernten Landschaften wahrzunehmen.

Christoph Naumann hat an verschiedenen Stellen entlang der Autobahn A3 fotografiert, von der österreichischen Grenze bis ins Ruhrgebiet bei Duisburg. Die Bilder zeigen beispielsweise die Situationen am Autobahnkreuz Biebelried, an der neuen Talbrücke bei Heidingsfeld oder an der kilometerlangen Lärmschutzwand bei Kist.

Es sind schweifende Erkundungsgänge, die die Einbettung der Autobahn in die Landschaft und die Beschaffenheit von Zwischenbereichen offenbar machen. In der fotografischen Serie entsteht so ein Wechsel zwischen hermetisch geschlossenen Nahbetrachtungen und weiten Blicken von erhöhten Standpunkten aus. Anlässlich der Ausstellung ist der Fotoband ›Rauschen/Noise‹ erschienen.

Titelangaben
Christoph Naumann: Rauschen/Noise
Stuttgart: Hartmann Books 2017
98 Seiten, 44 Abbildungen, 38 Euro

Ausstellung
Die Ausstellung ›Rauschen‹ wird in der BBK-Galerie im Kulturspeicher Würzburg vom 14. Januar bis 12. Februar gezeigt. Am 13. Januar wird die Ausstellung mit einer Vernissage ab 19.00 Uhr in der BBK-Galerie Würzburg eröffnet.

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Zeitumstellung

Nächster Artikel

Meta! Meta! Meta!

Weitere Artikel der Kategorie »Ausstellung«

Mit dem Apparat die sogenannte Ewigkeit erfassen

Ausstellung | ›Evelyn Hofer, 1922-2009, Retrospektive‹. Museum Villa Stuck, München Endspurt für eine Ausstellung mit Bildern von erratischer Schönheit. Evelyn Hofer, Amerikas berühmteste unbekannte Fotografin, wird noch bis zum 20.09. mit einer großen Retrospektive in der Villa Stuck geehrt. Wer die Ausstellung nicht besuchen kann, dem empfiehlt SABINE MATTHES den begleitenden Bildband

Zwischen Landschaft, Kopf und Maschine

Kunst | Der Mensch: Malerei und Druckgrafiken von Tanja Pohl

Die LAUDA DR. R. WOBSER GMBH & CO. KG in baden-württembergischen Lauda-Königshofen setzt im 30. Jubiläumsjahr ihre erfolgreiche Ausstellungsreihe ›Art After Work‹ in der LAUDA FabrikGalerie fort. Zur zweiten Ausstellungseröffnung des Jahres präsentiert die renommierte Künstlerin Tanja Pohl ihre aktuellen Arbeiten, die sich mit dem spannungsreichen Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Technik auseinandersetzen. Von MARC PESCHKE

Party ohne Gastgeber

Comic | Rundgang übers Comicfestival München Über den interessantesten Aspekt des Comicfestivals München, das übers Vatertagswochenende in der Alten Kongresshalle stattfand, können nur Mutmaßungen angestellt werden: Gleichzeitig ging die erste Münchner German Comic Con über die Bühne, und es stellt sich die Frage: Welche Wechselwirkungen gab es zwischen beiden Veranstaltungen? ANDREAS ALT hatte zunächst vor, sich auch beim Con in Freimann umzusehen, entschied sich dann aber, beim Comicfestival zu bleiben.

Der Schrei einer neuen Nation

Ausstellung | Nigerian Modernism (London)

Im Zuge nationaler Unabhängigkeit muss sich auch die Kunst befreien und neu erfinden. Die Ausstellung »Nigerian Modernism« in der Londoner Tate zeigt, wie sich traditionelle indigene Kunstformen, Religionen und Perspektiven mit europäischen Techniken zu einem modernen Stil synthetisieren. Von SABINE MATTHES

Ein Hoffnungsträger der deutschen Kunst

Ausstellung | Paris im Sinn – Hommage an den Hamburger Franz Nölken Wie August Macke und Franz Marc gehörte der Hamburger Maler Franz Nölken nach 1905 zu den Hoffnungsträgern der deutschen Kunst, aber alle drei Künstler fielen im Ersten Weltkrieg und konnten ihr Werk nicht vollenden. Während aber die beiden Mitglieder des ›Blauen Reiters‹ mit ihren farbintensiven expressionistischen Bildern hierzulande zu den populärsten Künstlern überhaupt gehören, war das Nölken nicht vergönnt, sondern er ist bis heute eher ein Geheimtipp von Kennern geblieben. PETER ENGEL hat sich die wichtige Ausstellung zum Werk Franz Nölkens im Barlach-Haus in Hamburg angesehen.