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London zu Gast in Hamburg

Ausstellung | David Hockney – Die Tate zu Gast

Er ist einer der erfolgreichsten Gegenwartskünstler überhaupt, seine Werke erzielen schwindelerregende Höchstpreise – und populär ist er außerdem noch: Dem britischen Maler David Hockney, gefeiert und gepriesen in aller Welt, gilt eine große Ausstellung im Hamburger Bucerius Kunst Forum. Von PETER ENGEL

Mit rund 100 Werken, von der kleinen Skizze bis zu gewaltigen Panoramen, ist es die bisher umfangreichste Präsentation des Künstlers in Deutschland. Einige seiner Hauptwerke, die durchweg aus den reichen Beständen der Londoner Tate Gallery stammen, sind in dieser Überblicksschau versammelt. Der 1937 in Bradford/Yorkshire geborene Hockney, der heute zumeist in Kalifornien lebt, ist nicht zuletzt durch seine Swimmingpool-Bilder weltweit bekannt geworden.

Die Werkübersicht aus mehr als 60 Jahren repräsentiert den Entwicklungsgang des Malers von den ersten Arbeiten als Londoner Kunststudent bis hin zu dem gewaltigen Panorama ›The Studio‹ aus dem Jahr 2017, eine fast drei Meter hohe und mehr als achteinhalb Meter lange »fotografische Zeichnung auf Papier«, wie es im Katalog über das erstmals in Hamburg überhaupt gezeigte Bild heißt. Dieser Rundumblick im Atelier des Malers versammelt ausschnitthaft einige seiner Hauptmotive, der Künstler selbst steht etwas ungelenk inmitten seiner – in diesem Fall – sehr bunten Bildwelt.

Bemerkenswert auch Hockneys technische Vielseitigkeit, die von Gemälden in Öl und Acryl über Gouachen und Zeichnungen mit Kreide, Buntstift und Graphit bis hin zu Radierungen, Lithographien und Siebdrucken reicht. Innerhalb dieser Genres zeigte er sich im Laufe seines langen Künstlerlebens immer von erstaunlicher Experimentierfreude.

David Hockney: The Third Love Painting, 1960, Tate, © David Hockney, Foto: Tate
David Hockney: The Third Love
Painting, 1960, Tate,
© David Hockney, Foto: Tate

Hockney hat in der britischen Kunstwelt von früh an für Aufsehen gesorgt, was nicht zuletzt mit dem freimütigen Bekenntnis zu einer Homosexualität zusammenhing. Sie nimmt denn auch motivisch in seinem Schaffen eine nicht zu übersehende Rolle ein, schon seine ersten Werke mit Titeln wie ›Doll Boy‹ oder ›The Third Love Painting‹ spielen darauf an.

Ein früher Höhepunkt in Hockneys Schaffen ist seine 16teilige Radierfolge ›A Rake’s Progress‹ aus den Jahren 1961 bis 1963, die der Künstler nach seinem ersten USA-Aufenthalt schuf. Er ließ sich dabei von den gleichnamigen satirischen Kupferstichen des Malers William Hogarth inspirieren und verarbeitete in den subtilen Drucken seine Erfahrungen, auch erotischer Art, in New York.

David Hockney: My Parents, 1977, Tate, © David Hockney, Foto: Tate
David Hockney: My Parents, 1977, Tate,
© David Hockney, Foto: Tate

Als ein besonders beliebtes Bild des Malers in der Tate Gallery gilt sein ebenfalls in Hamburg präsentiertes großes Gemälde ›Mr and Mrs Clark and Percy‹ von 1970/71, ein Beispiel für Hockneys ungewöhnlich realitätsnahe Porträtkunst bei der Darstellung eines Paares in einem edlen Wohnambiente. Ähnlich eindrucksvoll das Bild seiner Eltern aus dem Jahr 1977, das auch für die Coverabbildung des Katalogs gewählt wurde. Überhaupt ist der Maler ein bedeutender Porträtist, wie unter anderem seine Lithographien zeigen, die etwa den Filmregisseur Willy Wilder oder den Graphiksammler Felix Man vergegenwärtigen.

In seiner späteren Schaffenszeit hat sich Hockney insbesondere an Picasso abgearbeitet, der ihn schon früh beeindruckt hatte. Kombinationen von Profil- und en-face-Ansichten eines Kopfes wie etwa auf dem Bild ›An Image of Ken‹ von 1985 erinnern stark an das Vorbild des Spaniers, ebenso die farbintensiven Bilder, die auf einen unfreiwilligen Aufenthalt des Malers in dem mexikanischen Hotel Acatlan zurückgehen. Auch rein abstrakte Formfindungen mit kubistischen Elementen aus den 90er Jahren dokumentieren den Picasso-Einfluss.

Am Ende des Bilderparcours wird der Besucher der Ausstellung, etwas erschlagen von den großen Bildformaten und starken Farben, zu stilleren Werken zurückkehren wollen, beispielsweise den kunstvollen und hintersinnigen Selbstbildnissen Hockneys.

| PETER ENGEL
| Titelfoto: David Hockney: My Parents, 1977, Tate, © David Hockney, Foto: Tate

Ausstellungsangaben
David Hockney – Die Tate zu Gast
Bis zum 10. Mai 2020
Bucerius Kunst Forum, Hamburg
Alter Wall 12, 20457 Hamburg

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