»Letters I’ve written …

Jugendbuch | Jenny Han: To all the boys I’ve loved before

… never meaning to send« (The Moody Blues). Das »Briefgeheimnis garantiert in der Verfassung demokratischer Staaten die Unverletzlichkeit von Briefen. Und in manchem Brief steht wirklich ein Geheimnis, das eines bleiben soll. Wenn es ans Licht kommt, herrscht Unruhe. Von ANDREA WANNER

Jenny Han - To all the boys I've loved beforeLiebesbriefe sind etwas sehr Persönliches. Abschieds-Liebesbriefe, in denen noch mal so richtig mit der Person, die man endgültig nicht mehr liebt, abgerechnet wird, sind nicht weniger intim. Aber manchmal schreibt man diese Briefe gar nicht, um sie abzuschicken, sondern eher um mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Genau das tut Lara Jean. Das Liebesleben der 17jährigen ist unspektakulär, bis auf ein paar Küsse ist bisher nichts geschehen. Und die Jungs, in die sie wirklich verliebt war, wissen nichts davon. Alles, was es zu sagen gegeben hätte, steht in den Briefen. Und die schreibt Lara Jean immer erst, wenn schon alles vorbei ist. Dann kommen diese Briefe in ihre Hutschachtel, ein Geschenk ihrer verstorbenen Mutter. Der Alptraum beginnt, als die Briefe von dort verschwinden und auf dem regulären Postweg an die Adressaten geschickt werden, die sie nie hätten lesen dürfen.

Die Situation ist nicht einfach. Ein alleinerziehender Vater mit drei Töchtern, denen die früh verstorbene Mutter an allen Ecken und Enden fehlt. Die beiden älteren halten zusammen und tun alles, um der Jüngsten die Mutter zu ersetzen. Jetzt bricht das fragile Gebilde auseinander, weil Margot, die Älteste, nach Schottland zum Studieren geht. Vorher macht sie noch mit Josh, dem Nachbarjungen Schluss. Das ist für alle unfassbar, denn Josh gehört quasi zur Familie. Noch schlimmer ist allerdings, dass Lara Jean merkt, dass sie immer noch in Josh verliebt ist – obwohl auch ein an ihn adressierter Brief in der Hutschachtel liegt. Sie dachte, sie sei über ihn hinweg, wollte der Schwester nicht in die Quere kommen. Und jetzt?

Während in Lara Jean noch das Gefühlschaos tobt, sie andererseits aber die Rolle der Ältesten übernehmen muss, geschieht das Unfassbare. Die Briefe sind weg – und tauchen bei den Jungs wieder auf. Lara Jean findet das alles nur peinlich und in ihrer Verzweiflung entsteht ein verrückter Plan: Um Josh klar zu machen, dass der Brief nur etwas beschreibt, was längst vorbei ist, lässt sie sich auf eine Scheinbeziehung mit Peter ein. Das soll Josh zeigen, dass sie nichts von ihm will und die Ex von Peter eifersüchtig machen. Das Ganze gerät allerdings ziemlich schnell außer Kontrolle.

Jenny Han, Jahrgang 1980, hat 2009 mit ihrer Sommer-Trilogie den Durchbruch geschafft. Unverbraucht und frisch erzählt sie Storys, die nicht immer hundertprozentig plausibel aber Seite um Seite wundervoll unterhaltend sind. Auch Lara Jeans Erlebnisse sind als Trilogie gestaltet ›To all the boys I’ve loved before‹ wurde jetzt mit ›P.S. I still love you‹ fortgesetzt und findet im Frühjahr 2018 mit ›Always and forever, Lara Jean‹ seinen Abschluss.

Einblicke in die Teenagerpsyche, das Gefühlschaos, mit dem sie selbst nicht immer klarkommt – geschweige denn andere, und Erkenntnisse, dass das Leben sehr viel komplizierter ist als gedacht und man sich einfach manchen Dingen stellen muss, werden amüsant und kurzweilig präsentiert. Auch im Zeitalter von SMS und Mails eine lesenswerte Hommage an die Kunst des Briefschreibens.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Jenny Han: To all the boys I’ve loved before
(To All The Boys I’ve Loved Before, 2014)
Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
München: Hanser 2016
350 Seiten, 16 Euro
Jugendbuch ab 13 Jahren
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