/

»Bwaaraah« – Karnickel, Klempner und der Wahnsinn

Digitales | Games: Mario+Rabbids – Kingdom Battle

Zusammen haben wir mehr Erfolg – das ist zumindest gängige Ansicht in der Popkultur. Im Kino tun sich die Superhelden gleich dutzendweise zusammen, um vierteljährlich ein Actionfeuerwerk abzuliefern. Dem Beispiel folgten auch Nintendo und Ubisoft, als die Entscheidung fiel, deren kindgerechte Sympathieträger gemeinsame Sache machen zu lassen. FLORIAN RUSTEBERG ließ sich in die durchgeknallte Welt von ›Mario+Rabbids – Kingdom Battle‹ einsaugen.

Zugegeben, bei Nintendo hat solch ein Zusammenschluss lange Tradition. In ›Super Smash Brothers‹ verhauen sich nicht nur alle erdenklichen Nintendo Charaktere, sondern auch wenige Gäste anderer Marken wie etwa Sonic oder Snake aus ›Metal Gear Solid‹ mischen mit. Mit ›Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen‹ existieren sogar mehrere direkte Crossover mit dem ehemaligen Erzrivalen Sega und der offiziellen Olympia-Lizenz.

Dennoch war die Verblüffung groß als ›Mario+Rabbids – Kingdom Battle‹ für Nintendos damals noch nicht erschienene Switch-Konsole angekündigt wurde. Die Mischung aus der traditionellen ›Super Mario‹-Welt und den hauptsächlich aus Minispielen bekannten verrückten ›Raymans Raving Rabbids‹ war nicht die naheliegendste Idee. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Nintendo, sonst sehr streng mit dem eigenen geistigen Eigentum, den französischen Partnern von Ubisoft weitestgehend freie Hand ließ.

Schon der Spieleinstieg ist herrlich hanebüchen. Die anarchischen Rabbids landen mit ihrer Zeitreise-Waschmaschine im Kellerlabor einer jungen Erfinderin und stiften Chaos mit dem was sie finden, einem Gerät, das eine Fusion aus zwei Objekten herstellt. Prompt wird alles wieder eingesogen (ja, in die Zeit- und dimensionsreisende Waschmaschine!) und nach einem Abstecher in Marios Pilzkönigreich landen Mario und Peach im entstandenen Schlamassel. In der neuen Welt haben sich Elemente aus dem Keller und der Super Mario Welt vereint und blankes Chaos herrscht.

So macht sich der ehemalige Klempner daran, wieder für Ordnung zu sorgen. Zur Seite stehen ihm ein sprechender Roboter, der als Hauptinformationsgeber des Spiels fungiert, und als erste Mitstreiter sind der Luigi-Rabbid und der Selfie-verrückte Peach-Rabbid dabei. Nun erscheinen noch einige Fantasiewaffen und los geht es. Bekämpft werden müssen im rundenbasierten Kampf diverse Rabbid-Kreationen, mal mit Sprungfedern, mit besonderen Kräften oder einfach nur in groß. Höhepunkte sind Zwischen- und Endgegner, wie etwa die Vermischung mit dem Affen Donkey Kong. Die ergibt einen großen, weißen Rabbid, der leicht dümmlich dreinschaut und wie verrückt nach seinen Bananen giert.

Der Weg zur Rettung ist ein linearer, mit Einzelkämpfen gespickter Pfad. Jedes der Kapitel besteht aus 10 Abschnitten, in denen es ein bis drei Kämpfe zu bestreiten gibt. Die Kampfumgebung geht nahtlos in die normale Umgebung über. Dazwischen bieten kleinere Rätsel ab und an etwas Abwechslung zum sonst monotonen Vorwärtslaufen.

Gekämpft wird nach bewährter Formel, wie sie bereits aus anderen rundenbasierten Strategiespielen bekannt ist: Das Schlachtfeld ist in kleine, gleichmäßige Quadrate aufgeteilt. Die Charaktere haben bestimmte Bewegungsreichweiten, also eine Anzahl Felder, die sie pro Runden gehen können. Gleiches gilt für die Angriffsdistanz. Jede Runde stehen Mario und Konsorten dann vor der Wahl eine ihrer Spezialfähigkeiten zu benutzen, anzugreifen oder sich ein zweites Mal zu bewegen.

In Sicherheit vor feindlichen Schüssen befinden sich die knuffigen Krieger, wenn sie eine Deckung vor sich haben. Bei einem hohen Block ist das ein kompletter Schutz vor Beschuss, bei halbhoher Deckung eine 50:50 Chance getroffen zu werden. Trefferwahrscheinlichkeiten werden im Allgemeinen etwas einfacher gehandhabt als bei der »erwachsenen« Konkurrenz und beschränken sich auf 0%, 50% oder 100%. Vereinfacht bleibt auch die Wahl der Waffen oder Fähigkeiten. Das ist weniger als Minuspunkt zu sehen, denn als Ausrichtung des Spiels.

Neben Kinderhänden liegt ›Mario + Rabbids – Kingdom Battle‹ bestens in den Händen von Gelegenheitsspielern, gerade mit der tragbaren Switch. Ein Match für zwischendurch in der Bahn ist immer drin und auch mal kurz aufschauen ist bei einem rundenbasierten Spiel kein Problem. Ist nach gut 20 Stunden das Ende erreicht, wird neben einigen Herausforderungen und einem mauen Koop-Modus jedoch nichts Weiteres geboten.

Optisch und akustisch ist ›Kingdom Battle‹ eine runde Sache, genau wie von einem Nintendo-Titel erwartet – nur entstammt es dem Hause Ubisoft. Ihnen ist gelungen, den ›Super Mario‹-Stil passend einzufangen und gleichzeitig die hauseigenen Hasen gleichwertig einfließen zu lassen. Speziell die fusionierten Charaktere zeigen eine innige Liebe zum Detail und eine passende Portion Ironie. Die dioramaartige Perspektive tut ihr Übriges zum speziellen Aussehen des Titels.

Technisch gesehen liegt die Auflösung hinter den Möglichkeiten der Hybrid-Konsole zurück und erreicht weder die Auflösung des Switch-Displays im Mobilmodus noch die eines FullHD Fernsehers im stationären Modus. Dank einer starken Kantenglättung fällt das in der realen Nutzung niemandem auf und scheint sogar den plastisch-künstlichen Grafikstil unter die Arme zu greifen. In der mobilen Nutzung bleibt die Benutzeroberfläche in Größe und Gestaltung unverändert, eine Anpassung der Schrift und Icons wäre hier wünschenswert gewesen.

Fazit

›Mario + Rabbids – Kingdom Battle‹ ist ein buntes Aufeinandertreffen zweier kinderfreundlicher Maskottchen-Riegen, das auf den ersten Blick befremdlich wirkt – ja, sogar öffnen die Rabbids der Absurdität Tür und Tor. Dazu wirken die alteingesessenen Nintendo-Charaktere schon fast bieder, bilden aufgrund dessen jedoch einen guten Gegenpol. Spielerisch erfüllt das Spiel seine Prämisse, eine einsteigerfreundliche Alternative zu etablierten, komplexen Rundenstrategiekonkurrenten zu sein, welche auch beruhigt in Kinderhände gelegt werden kann. Kleinen (und großen) Besitzern einer Nintendo Switch kann die verrückte Schlacht um das Pilzkönigreich also vorbehaltlos ans Herz gelegt werden.

|FLORIAN RUSTEBERG

Titelangaben
Mario+Rabbids – Kingdom Battle
Ubisoft
exklusiv erhältlich für Nintendo Switch

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Ein Kleeblatt bringt nicht immer Glück

Nächster Artikel

Hollywood und Bürgerschreck

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Geschichte im Spiel: Wie digitale Regeln unsere Vergangenheit formen

Digitalspielkultur | Interview mit Damien Ney über historische Modelle, Game Studies und die Macht der Spielmechaniken

Wie beeinflussen Regeln, Systeme und Mechaniken historisierender Games unser Bild von Geschichte? Public-History-Experte Damien Ney spricht mit RUDOLF THOMAS INDERST über die Entstehung seiner Studie, zentrale theoretische Modelle und die Herausforderungen einer noch jungen Forschungsrichtung.

Orbital Obliteration, Oida!

Digitales | Games: Dawn of War 2: Retribution ›Dawn of War 2: Retribution‹ ist ein reines Destillat aus Overkill. Angesiedelt im finsteren Universum des Table-Top-Spiels ›Warhammer 40.000‹ kennt der neueste Spross der Reihe Dawn of War nur Eines: Krieg. PETER KLEMENT hat die Kontrolle über einen Schnauzbartträger, einen Haudegen und eine sehr inquisitive Dame übernommen, um die Feinde des Gottimperators in Munition zu begraben.

Never drive alone

Digital | The Crew On the road again. Ab dem 11. November werden die Straßen der Vereinigen Staaten wieder unsicher gemacht. Dieses Mal ist Ubisoft mit ›The Crew‹ am Start. Dröhnende Motoren, quietschende Reifen, Luxuskarossen – das ist, was zählt. Besser, schneller, teurer.  Mit waghalsigen Straßenduellen à la »The Fast & The Furious« soll das Rennspiel neue Maßstäbe setzen und das Genre revolutionieren. Starthilfe bekam Ubisoft vom frisch aufgestellten Team Ivory Tower, dessen Mitglieder bereits an Projekten wie ›Need for Speed‹ und ›Test Drive Unlimited‹ mitgearbeitet haben. Beste Voraussetzungen. Die Idee: Coop-Multiplayer mit rasanten Open-World-Gameplay verbinden. Ob es dem französischen

Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden

Digitales | Games: Death Stranding Etwa drei Jahre ist es her, seitdem Death Stranding vom neu gegründeten Studio Kojima Productions angekündigt wurde. Bis zum Release des Spiels blieben Fragen über Fragen; denn bis auf die schrägen und gruseligen Filmsequenzen, die auf ein postapokalyptisches Setting hindeuteten, blieb vor allem das Gameplay stets geheim. Umso interessanter gestaltete sich der Release des Spiels und umso höher waren die Erwartungen. Von LINH NGUYEN.

Wie im Märchen

Digitale Spiele | Child of Light Es war einmal ein kleines Mädchen mit Namen Aurora. Sie war wunderschön und ihr Haar hatte die Farbe der Morgenröte. So märchenhaft beginnt die Geschichte um Child of Light, dem neuen jRPG aus dem Hause Ubisoft Montreal. Mit der Erzählung über die Welt der kleinen Prinzessin zeigen sich die Entwickler des wahnsinnigen Ego-Shooters Far Cry 3 von einer ganz neuen Seite: traumhafte Musik, künstlerische Grafik, ganz Idylle. Ach ja, nur die Protagonistin wird innerhalb der ersten Minuten ums Leben gebracht. ALEXANDER SCHMELEV, PHILIPP LINKE und EVA HENTER-BESTING begleiteten Aurora in den ersten Spielstunden durch