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Im Schlosspark entspannt Comics lesen

Comic Spezial | Comic Salon Erlangen 2018

Ausnahmezustand beim 18. Internationalen Comic Salon in Erlangen. Die Kongresshalle, in der er seit langer Zeit stattfindet, war in diesem Jahr wegen Generalsanierung geschlossen. Das Herzstück des Festivals, die Comicmesse, musste in Zelte verlegt werden, und die Fans befürchteten schon das Schlimmste. Am Ende stellte sich heraus, dass der diesjährige Salon ein beispielloser Erfolg war. ANDREAS ALT hat ihn vier Tage lang besucht und schildert seine Eindrücke.

Rituale sind beim Internationalen Comic Salon sehr wichtig. Viele Besucher fahren regelmäßig alle zwei Jahre hin, übernachten immer im selben Hotel, besuchen die gleichen Messestände, reden mit denselben Leuten und so weiter. So ist vielleicht verständlich, dass die Nachricht, in diesem Jahr werde beim Salon manches anders sein, in der Szene nicht Neugier und Vorfreude, sondern eher Bedenken, Enttäuschung und sogar Gemoser auslöste: »Wie bitte, die Messe findet nicht im Kongresszentrum, sondern in drei Zelten statt? Die Börse ist nicht in den Gängen des Einkaufszentrums Neuer Markt?« Manche sahen darin sogar einen unfreundlichen Akt gegenüber den vielen treuen Comicfans, die immer wieder nach Erlangen kommen.

CSE18 KongresszentrumWas den Verfasser dieses Berichts betrifft: Auch er ist von solchen Anwandlungen nicht ganz frei. Sein Auto stellte er wie immer in der Nähe des Kongresszentrums ab, das sich am südlichen Rand des Zentrums befindet, und ging dann zu Fuß durch die Nürnberger Straße Richtung Innenstadt. Außer einem Spalier von Comic-Salon-Fahnen war zunächst von der Veranstaltung nicht viel zu bemerken.

Das Zelt B, das als erstes in den Blick geriet, wirkte bedenklich klein. Und hätte man nicht schon das Palais Stutterheim passieren müssen? Diese Unsicherheit und das leichte Unbehagen verflogen aber bald. Beim Betreten des Zelts A stellte sich gleich ein quasi heimatliches Gefühl ein, denn die Messestände und das übrige Mobiliar waren direkt aus der Heinrich-Lades-Halle hierher versetzt worden. Und die gleichen Leute wie beim Salon 2016 traf man auch sofort wieder.

Erstmals sahen sich Erlanger Bürger auf dem Salon um

Noch positiver war der Eindruck im Zelt C. Hier waren die Hochschulen, an denen Comiczeichnen gelehrt wird (das sogenannte Junge Forum), sowie Kleinstverlage und Einzelkünstler untergebracht. In der Kongresshalle hatten die Hochschulen früher nicht so attraktive Standorte auf der Galerie; die Kleinaussteller waren sogar oft in abgelegene Gänge verbannt. Hier im Zelt hatten sie nun zwar nicht unbedingt mehr Platz, aber alle die gleichen Bedingungen. Da der Eintritt in Zelt C frei war, war der Publikumsandrang größer als erwartet. Es kamen auch etliche Erlanger Bürger hierher, die bisher den Salon nie besucht hatten und sich die Sache auch mal ansehen wollten. Weiterer Pluspunkt: Die Kleinaussteller hatten hier sogar ein eigenes Podium, das unter Federführung der Comic Solidarity bespielt wurde; die Veranstaltungen waren, wie zu hören war, durchgehend interessant und lebendig.

In Zelt B herrschte dagegen gelinde Enttäuschung. Hier waren überwiegend unbekanntere und meist wenig zugkräftige Aussteller versammelt. Der Besuch des Zeltes war entsprechend verhalten. Hauptorganisator Bodo Birk sagte dazu aber, den Ausschlag für die Verteilung der Aussteller auf Zelt A und B habe gegeben, wie lange der Standaufbau dauerte. Zelt B musste schnell aufgestellt werden, ins Zelt A kamen nach seinen Worten die Verlage, die dazu länger brauchten. Ein Sprecher des Manga-Verlags Kaze sagte aber, er akzeptiere die schlechteren Bedingungen, da es sich um eine einmalige Ausnahme handele. 2020 soll der Comic Salon wieder in die Kongresshalle zurückkehren. Unzufrieden waren auch die Aussteller im Foyer des Erlanger Schlosses zwischen Zelt A und Zelt C. Dieser Ausstellungsbereich sei von vielen Besuchern gar nicht wahrgenommen worden; es handelte sich erkennbar um eine Notlösung, da der Platz in Zelt C nicht ausreichte.

Der Schlosspark war bei durchgehend schönem Wetter ein Genuss

Sehr genossen wurde der Schlosspark zwischen Zelt A und Zelt C. Zwar war hier nur eine kleine Ausstellung aufgebaut: ›Micky und Donalds neue Gesichter – Große Meister in Entenhausen‹. Aber es gab auch einen Getränkestand und viele Parkbänke und Plastikstühle, und der Park wurde an allen Tagen intensiv und von Tausenden Leuten für Erholung, persönliche Gespräche, Fotoaktionen, ungestörtes Comiclesen oder auch mal einen Mittagsschlaf genutzt. Das durchgehend schöne Wetter kam dem sehr entgegen.

CSE18 - Pause im ParkIn gewissem Sinn war der Schlosspark der heimliche Mittelpunkt des gesamten Festivals. Von hier waren auch die Wege zu den meisten Veranstaltungsorten nicht weit: zum Kollegienhaus der Uni und zur Orangerie, wo viele der Vorträge und Diskussionen stattfanden, zu den Ausstellungsräumen in Palais Stutterheim, Stadtmuseum, Ladengalerie Hauptstraße oder der Neuen Galerie des Kunstvereins, auch zum Kulturzentrum E-Werk und zu den Lamm-Lichtspielen. Es bot sich an, sich zwischendurch in den Park zu setzen, um innezuhalten und sich zu überlegen, welche Location man als nächste aufsuchen wollte. In den Anfangsjahren des Comic Salons hatte der Park schon einmal eine große Rolle gespielt. Damals fand der Hauptteil des Festivals nebenan im Markgrafentheater statt; es gab damals sogar eine kleine Tradition: ein Fußballspiel mit Comicgrößen und Nachwuchshoffnungen – wie es das auch bei den Hofer Filmtagen gibt. Diese Tradition wurde aber nicht noch einmal aufgenommen.

Ausstellungen hatten deutlich weniger Platz als gewohnt

CSE18 MesseständeBei den Comic-Ausstellungen musste man jedoch sehr wohl Abstriche machen. Einen so großen Ausstellungsbereich wie im Theatersaal der Kongresshalle gibt es offenbar sonst in der Stadt nirgends. Auch die Ausstellungen zu Stargast Jeff Lemire und Flix im Redoutensaal wirkten beengt – fand gerade eine Führung statt, so konnte man sie nur eingeschränkt durchschreiten. Eine großzügige Inszenierung der Themen war nicht möglich. Und so war es auch in den übrigen Ausstellungsräumen in der Innenstadt. Das Stadtmuseum beherbergte jedoch auch in den vergangenen Jahren schon Ausstellungen, und zwar jeweils in ähnlichem Rahmen wie jetzt die über Comic-Journalismus (›Zeich(n)en der Zeit‹).

Auch im E-Werk, wo am Samstag die Comicbörse eröffnet wurde, herrschte drangvolle Enge. Manche Messestände waren in dunklen Ecken aufgestellt. Dass sich die Börse über mehrere Etagen hinzog, war für die Kaufwilligen nicht ganz leicht zu erkennen. Über Besuchermangel wurde aber offenbar nicht geklagt. Allerdings mussten ein paar Comicfans, die speziell die Börse besuchen wollten, vom Einkaufszentrum Neuer Markt zum E-Werk gelotst werden; sie hatten sich über die veränderten räumlichen Gegebenheiten des Salons nicht informiert.

Sehr gelobt wurde dagegen der Kinder-Salon im Botanischen Garten, ebenfalls ein Novum. Hier waren zwei Lesezelte und eine Ausstellung aufgebaut. Kindern ab sechs Jahren wurde aber vor allem angeboten, bei einer Mitmach-Rallye unter Anleitung eines kindgerecht gestalteten Comichefts durch die Anlage mitzumachen. Sie konnten dabei exotische Pflanzen und Tiere kennenlernen, Experimente durchführen und Rätsel lösen. Aber auch ohne Rallye ist der Botanische Garten eine Wunderwelt – und nicht nur für Kinder.

Persönlicher Eindruck: Es gab diesmal keine deutlich erkennbaren besucherschwachen Tage oder Phasen. Und am letzten Tag blieben erstaunlich viele Besucher und Aussteller bis zum Ende. Das kann allerdings ein wenig täuschen, da der Schlossplatz immer belebt ist. Der Salon teilte sich hier den Platz im Übrigen mit dem Wochenmarkt, der natürlich auch eine Menge Publikum hatte. Die Cafés waren überwiegend voll besetzt. Als ein Journalist aber anregte, die Erlanger Gastronomie solle an den Kosten des Salons beteiligt werden, da sie von den Besuchern mit profitiere, erwiderte Birk, die Cafés seien hier immer voll.

Trotz konservativer Schätzung deutlich mehr Besucher

CSE18 MesseständeNach vier von den allermeisten Salon-Gästen angenehm verlebten Tagen wurde Bilanz gezogen. Und Organisator Birk rückte als erstes mit einer erstaunlichen Zahl heraus: diesmal rund 30.000 Besucher. Die Veranstalter können nur schätzen, denn nicht alles kostet Eintritt, nicht überall wird das hereinströmende Publikum gezählt, und mitunter – etwa im Schlosspark – wäre auch schwer abzugrenzen, wer Salon-Besucher war und wer nicht. Diese Schätzung wird sehr konservativ angesetzt, damit nicht Birk in zwei Jahren womöglich einen Besuchereinbruch erklären muss, den es so gar nicht gegeben hat. Aber solange man zurückdenken kann, wurde zuvor immer mit der Zahl 25.000 gearbeitet. Der Salon hatte also ganz offensichtlich einen deutlichen Besucherzuwachs. Und er hat teilweise auch ein weniger comicaffines Publikum erschlossen, was von allen Beteiligten ausdrücklich begrüßt wurde. Es gibt im deutschsprachigen Raum schließlich noch immer große Bevölkerungsgruppen, denen sich die Faszination des Mediums Comic nicht vermittelt hat.

An diesem Abschlussgespräch nahmen Carlsen-Redakteurin Sabine Witkowski, Avant-Verleger Johann Ulrich und Jeff Chi von der Comic Solidarity teil. Sie hatten kaum Beschwerden über oder Kritikpunkte zum Festival. Da sich zudem alle einig waren, dass der Besuchererfolg nicht zuletzt auf die zentralere Lage der Veranstaltung in der Stadt und die kurzen Wege zurückzuführen sei, trat die Runde in Überlegungen ein, welche Schlüsse für den nächsten Comic Salon daraus gezogen werden können. Zuvor war bereits klargestellt worden, dass der Zelt-Salon eine einmalige Ausnahme sei (der auch 20 bis 25 Prozent höhere Kosten mit sich brachte) und dass die Kongresshalle in zwei Jahren wieder zur Verfügung stehe.

Zwischen den Extremen sind viele Formen des Salons denkbar

Es war klar, dass sich Birk nun nicht doch für eine Lösung rund um Schlossplatz und Schlosspark aussprechen würde. Welche finanziellen Mittel 2020 für den Salon bereitgestellt werden, und wie die Stadt generell entscheiden wird, ist heute noch gar nicht absehbar. Aber er berichtete, Oberbürgermeister Florian Janik sei von Bürgern »30 bis 40 Mal« auf den nun wesentlich sichtbareren Comic Salon angesprochen worden. Und viel war davon die Rede, was sich noch optimieren ließe, wenn er wieder in ähnlichem Rahmen wie in diesem Jahr ablaufen würde.

Birk sagte letztlich, organisatorisch seien Veranstaltungsräume im Zentrum wieder möglich, nur zentrale Säle für die Comicmesse gebe es nicht; da bleibe nur die Heinrich-Lades-Halle. Aber ein Salon genau wie früher sei das eine Extrem, ein Salon mit Schwerpunkt im Stadtzentrum das andere – dazwischen seien aber viele Formen denkbar. Man darf also auf den Comic Salon 2020 gespannt sein.

| ANDREAS ALT
| TITELFOTO: Internationaler Comic-Salon Erlangen – GEORG PÖHLEIN 2018

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Die Veranstaltungsorte des Salons 2018

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