»Ich sehe mich als Kamerad für Kinder«

in Comic/Porträt & Interview

Comic | Interview: Dorothée de Monfreid

In Frankreich und Deutschland ist Dorothée de Monfreid inzwischen eine gefeierte Autorin von illustrierten Kinderbüchern; doch die Künstlerin kreiert auch Comics für Erwachsene. Beim diesjährigen Comic-Salon in Erlangen war sie auch mit einer Ausstellung vertreten und war für ihr Buch ›Schläfst du?‹ für den Max-Moritz-Preis für den besten Comic für Kinder nominiert. Zu diesem Anlass hat PHILIP J. DINGELDEY mit de Monfreid gesprochen: über den Unterschied von illustriertem Buch und Comic, über ihre Kinderbücher zu einer Bande bunter Hunde und was sie den Kindern geben will.

TITEL-Kulturmagazin: Dorothée de Monfreid, in den vergangenen 20 Jahren haben Sie über 50 Bilderbücher für Kinder geschaffen. Jetzt sind Sie in Erlangen mit Ihren Werken aus der Reihe ›Eine Bande bunte Hunde‹ mit einer Ausstellung vertreten. Wie fühlt sich so ein Erfolg an, und wie schaffen Sie es, so viel Kunst zu produzieren?
Schläfst DuDorothée de Monfreid: Ich bin sehr gut organisiert und liebe es, Kunst zu produzieren. Außerdem bin ich sehr glücklich darüber, dass meine Arbeit auch in Deutschland so gut aufgenommen wird, und auch mein Verleger, nämlich Reprodukt, eine sehr gute Arbeit mit meinen Büchern leistet, ja, das ist ein sehr gutes Gefühl. Ich habe das Glück, dass das Resultat der gemeinsamen Arbeit gut ist, und das auch gut bei den Lesern ankommt. Besonders glücklich bin ich darüber, dass die Bücher in einem Comic-Verlag erscheinen und eben auch im Rahmen eines Comic-Festivals vorgestellt werden, denn meine beiden Arbeitsfelder – das illustrierte Buch und der Comic – ergänzen sich auf eine für mich sehr wünschenswerte Art miteinander. Es ist eine große Freude zu sehen, dass in hier auch so klappt.

Da Sie Comics und Bilderbücher schaffen, wobei Sie mit Letzterem bekannt geworden sind, und auch beide Genres mischen, wie entscheiden Sie sich dann für welches der beiden Formate und nach welchen Kriterien mischen Sie beide, wenn Sie eine Geschichte erzählen?
Im Grunde bestimme ich das durch den Inhalt der Geschichte. Es gibt Stoffe, die sich eher an Kinder richten, und das determiniert dann die Form des Werkes. Je jünger also das für die Geschichte gedachte Publikum ist, desto eher wird es ein illustriertes Buch werden. Wenn aber Dinge vermittelt werden, die eher in die Erwachsenenwelt gehören, dann werden sie auf andere Art und Weise behandelt oder gemischt. Dann müssen Sie auch auf andere Art und Weise erzählt werden, und das führt dazu, dass die Form eher in Richtung Comic tendiert, um schwierigere Dinge zum Ausdruck zu bringen. Das Ziel ist immer, eine möglichst große Vielzahl von Dingen zum Ausdruck zu bringen mit dem Mittel der Zeichnung. Daraus ergibt sich auch der Genremix.

Reprodukt - Schlaefst Du - Leseprobe

Auf Deutsch sind in Buchform mehrere Bände erschienen, alle zu ihrer Hundebande. Das gelten als drollige und ulkige Geschichten um recht kindische, verrückte, aber charmante Hunde als Protagonisten. Woher kommt ihr Faible für Hunde? Glauben Sie, dass Hundegeschichten für Kinder etwas Besonderes bereithalten? Gibt es eine besondere Verbindung aus Hunden und Kindern? Und könnten Sie auch vorstellen, einmal ein Bilderbuch zu Katzen zu zeichnen?
Ich habe in der Tat auch schon ein Buch mit Katzen gemacht, das ist ein humoristisches Buch, das sich aber an eine erwachsene Leserschaft richtet. Das Buch ist aber auch nicht in Deutschland erschienen und kein Kinderbuch. In der Ausstellung sind auch originale Zeichnungen des Buches zu sehen. Ob das Buch in Deutschland erscheint, ist noch unklar. Jedenfalls wurden zumindest für die Ausstellung die gezeigten Texte übersetzt. Die Katze verwende ich für also Erwachsenengeschichten, denn sie scheint mir in ihrer Ausdruckskraft erwachsener zu sein als der Hund. Ich habe auch schon Hundebücher gemacht, in denen sie auf andere Tiere treffen, etwa auf Schweine.

Dass ich Hunde für Kinderbücher auswähle, liegt vielleicht daran, dass meine Tochter einen Hund hatte, aber der Vorzug ist, dass mir Hunde kindlicher in ihrem Agieren erscheinen. Katzen scheinen etwas Erwachseneres auszudrücken, als Hunde es tun. Die Gruppe der Hunde hat für Kinderbücher den großen Vorteil, dass man innerhalb einer Tierart bleibt, aber eine große Vielzahl von Ausprägungen hat. Es kommen große und kleine, dicke und dünne, schlaue und dumme Hunde in den Geschichten vor. Ich kann also mit einer Vielzahl an Protagonisten arbeiten, ohne das Tierfeld wechseln zu müssen. Das macht den Reiz der Arbeit mit der Bande verrückter Hunde aus. Die Hunde sollen sich auch nicht weiterentwickeln, sondern nur in unterschiedlichen, neuen Situationen miteinander interagieren.

Schlaefst Du - Leseprobe

Ihr Buch ›Schläfst du?‹ handelt von den acht Hunden, die in zwei Stockbetten schlafen, bis auf Nono, der nicht schlafen kann, weil Popow schnarcht, bis nach und nach alle aufwachen und letztendlich wildes Geschehen herrscht. Das sich entwickelnde Geschehen wurde schon mit dem Werk von zahlreichen Komikern verglichen. Sind Sie ein Komiker oder Komödiant für Kinder?
Gerade dieses Buch steht dem Schauspielerischen, Komödianten zumindest sehr nahe, denn das Buch funktioniert ja auch wie eine Theaterbühne. Es gibt also keine Änderung des Dekors und des Ortes, in dem diese Geschichte spielt, also das Schlafzimmer mit den beiden Stockbetttürmen. Nur die Figuren bewegen sich darin, was sehr schauspielnah ist. Und ich identifiziere mich auch mit den Charakteren der Protagonisten sehr stark, so wie es ein Schauspieler tut. Insofern ist ein Vergleich, wenn ich humorvolle und lustige Geschichten erzähle, sicherlich nicht falsch.

Was für eine Geschichte wollen Sie also den Kindern erzählen? Wollen Sie über das Mittel der humoristischen Zeichnung und Geschichte ihnen etwas beibringen, oder einfach nur unterhalten und zum Lachen bringen?
Ich will für Kinder nicht belehrend sein. Ich sehe mich eher als Kamerad für die Kinder, die auch das Leben miteinander teilen und sich auf einer Ebene begegnen. Belehrend sein ist in keinster Weise der Anlass für die Geschichten, sondern das Teilen eines gemeinsamen Lebens.

Derzeit ist Ihr Buch ›Das größte Geschenk der Welt‹, das natürlich auch zur Hundereihe gehört, in deutscher Sprache in Vorbereitung, bei Reprodukt. Worum geht es darin?
Das Buch spielt in der Vorweihnachtszeit, und die Hunde sind alle ganz aufgeregt und malen sich aus, was sie wohl für Geschenke bekommen werden. Und einer dieser Hunde wünscht sich das größte Geschenk der Welt. Irgendwann schlafen sie ein und wachen erst am nächsten Morgen wieder auf, und der Hund, der das größte Geschenk wollte, findet aber nichts unter seinem Weihnachtsbaum. Schließlich stellt sich heraus, nein, draußen vor dem Haus steht ein riesiges Geschenk. Aber was für ein Geschenk da eingepackt ist, das sage ich nicht, weil man das Ende nicht vorher verrät.

| Interview: PHILIP J. DINGELDEY
| Simultanübersetzung aus dem Französischen: ULRICH PRÖFROCK

Titelangaben
Dorothée de Monfreid: Schläfst du?
Berlin: Reprodukt 2017
24 Seiten, 14 Euro
Bilderbuch ab 3 Jahren
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