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Dad of God

Digitales | Games: God of War

Es ist eine Weile her, seit wir Kratos, den einzig wahren Gott des Krieges, auf der Erde haben wandeln sehen. Damals, die rasend-wütende Bestie, nur darauf sinnend den nächsten griechischen Gott niederzustrecken, war seine Geschichte voll von Adrenalin, von Wut und Gewalt – und das bis zu seinem vermeintlichen Ende. Nun, sichtlich gealtert und sich in einer neuen (nordischen) Welt wiederfindend, kehrt er in ein neues Abenteuer zurück und stellt sich seiner vielleicht größten Aufgabe: Vater sein – von DANIEL MEYER.  

Es ist ein wundervoller Mix aus graphischer Glanzleistung, musikalischer Untermalung und einem sich immer wieder neu erfindendem Plot, der das neue ›God of War‹ zu etwas Besonderem macht; ein simples Ziel, das sich über das Spielgeschehen hinweg zu einem komplexen Gebilde aus Nachempfindungen nordischer Sagen, Beilegung verworrener Familienstreitereien und der Geschichte eines unsicheren, aber immer bemühten Göttervaters entwickelt.

Aller Anfang ist schwer

Dabei beginnt Kratos‘ Reise (eigentlich) nicht weniger tragisch, als dessen letzte endete: Vom Verlust seiner zweiten Frau geplagt, macht sich der nun weitaus stiller, disziplinierter wirkende Kriegsgott auf, um den letzten Wunsch seiner Geliebten zu erfüllen: ihre Asche zusammen mit ihrem jungen Sohn Atreus über den höchsten Berg der nordischen Welt zu verstreuen. Eine (mit ca. 20 Stunden Spielzeit) durchaus lange Reise beginnt, in der der zu Beginn kühl erscheinende Vater nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit abschließen, sondern ebenso eine für ihn komplett neue Rolle erlernen soll – die eines Elternteils.

Charakter- und Gefühlsentwicklungen sind eines der neuen Aspekte von ›God of War‹ und werden durch einen perfekten Mix aus graphischen Darstellungen und fein zusammengebauten Plotfragmenten zu einem fundamentalen Bestandteil dieses Spiels. Wir erleben einen anfangs herzlos erscheinenden, ratlosen Vater-Kratos, der sich zwar über alle Maßen bemüht, sich jedoch durch sein lebenslanges Kriegerdasein nie wirklich anderen Menschen öffnen konnte. Zur gleichen Zeit sehen wir den nicht weniger hilflosen Atreus, der nun durch den Tod seiner Mutter an seinen, ihm noch so unbekannten, Vater gebunden wird. Gerade diese anfangs sogar etwas grotesk wirkende Zusammensetzung, das langsame Nähern beider Charaktere und Überwinden innerer Konflikte verleiht ›God of War‹ eine neue, weitaus tiefer gehende Note, als man sie von seinen Vorgängern bisher gewohnt war.

Du bist noch jung, das ist dein Fehler!

Designtechnisch lässt sich gut und gern behaupten, dass das Entwicklerstudio SIE Santa Monica Studios erheblich von Naughty Dogs Erfolgstitel ›The Last Of Us‹ inspirierte wurde, ähneln doch nicht nur Grafik- und Kameraführung dem apokalyptischen Zombie-Action-RPGs, sondern auch das gewisse Sidekick-Moment, das sowohl Ellie früher, wie auch jetzt Atreus mit sich bringen. Dabei steht der kleine Gott seinem weiblichen Counterpart jedoch in keiner Weise nach – im Gegenteil: Gerade die Gestiken und wandelnden Verhaltensweisen des »Jungen« (wie ihn Kratos so gern nennt) machen das Spiel erst wirklich authentisch. Je nach Spielverlauf und momentaner Gemütslage scheint sich der manchmal störrische, manchmal gehorsame Jung-Gott dabei anders verhalten zu wollen. In einem Fall handelt er bedacht, in einem anderen übermütig, sodass es öfter vorkommen kann, dass der Sohnemann nach einem verpatzten Angriff aus den Klauen fleischbesessener Monster gerettet werden muss. Glücklicherweise scheint sich das Entwicklerteam hier genug Zeit genommen zu haben, um Atreus‘ KI und dessen verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten perfekt auf den Spieler abzustimmen. Nur selten kommt es vor, dass sich der Junge in unsichtbaren Wänden verhakt, sich merkwürdiger Laufrouten bedient oder gar nicht mehr aufzufinden ist (›Fallout‹, irgendjemand?).

Die Liebe zum Detail

Generell ist es aber nicht nur Atreus‘ Verhalten, das die Detailliebe des Entwicklerstudios zu unterstreichen versucht: Es ist eher die gesamte Welt. Von Fußspuren im Schnee und kleinen Eisbrocken, die beim Umherwandern in eisigen Höhlen herunterbrechen bis hin zu minimalistischen Runenverzierungen, die beim Upgraden bestehender Waffen oder Rüstungen auf die Platten geprägt werden: Fast alles in der nordischen Welt wirkt wie in feinster Handarbeit zusammengesetzt oder zumindest geplant. Und so staunt man nicht weniger, dass selbst längere Bootsfahrten oder Erkundungen voll mit Geschichten nordischer Götter bespickt wurden, nur um den Eindruck zu verleihen »Du bist wirklich hier!«

Mein Kratos, dein Kratos, unser Kratos!

Abseits der graphischen Verbesserung hat sich auch spieletechnisch einiges getan. Wo frühere Teile noch als Ableger der Hack&Slay-Rubrik einzuordnen waren, sollte man bei diesem ›God of War‹ wohl eher von einem Art Action-RPG sprechen. Fern sind die Zeiten, in denen sich Kratos durch schlauchartige Level gemüht und nach und nach ganze Gegnerhorden niedergemetzelt hatte. In diesem Fall bewegen sich Vater und Sohn wesentlich freier. Viele der weitaus größer wirkenden Gebiete sind nun über einen riesigen See, per Boot, zu erreichen und laden zum Erkunden ein. Als Belohnung winken dabei verschiedene Materialen, die, ähnlich zu ›Horizon Zero Dawn‹, zur Herstellung verschiedener Rüstungen, Verbesserung von Waffen oder Aktivierung bestimmter Fähigkeiten genutzt werden können und der persönlichen Individualisierung seines eigenen Kratos dienen. Gesammelte Erfahrungspunkte, welche sich durch Erfüllen kleinerer Nebenquests oder durch das simple Besiegen der Gegner erhalten lassen, können zudem in verschiedene Fähigkeitsbäume investiert werden und sowohl Kratos‘ als auch Atreus‘ Kampfkraft mithilfe neuer Attacken verbessern – kein neues System, das jedoch durch seine Übersichtlichkeit und der bis zum Ende bestehenden Individualisierungsmöglichkeiten einen netten Zusatz darstellt.

Die Kunst des Krieges

Gleichermaßen wird das neue Kampfsystem vielen schon von Spielen wie ›Bloodborn‹ oder ›The Witcher‹ bekannt sein: Die meist Untotengleichen Gegner dürfen über Kombination von Schlagserien, Roll- und Pariermanövern sowie durch Atreus ausgeführte Bogenschüsse zur Strecke gebracht werden und geben dem Spieler durch die ikonisch-brutalen Endsequenzen ein echtes ›God of War‹-Gefühl zurück. Als Neuheit gilt hierbei vor allem Kratos‘ Leviathanaxt, die er, ähnlich zu Thors Hammer, nach einem Wurf zurückbeordern und so permanent zum Wechseln zwischen schweren Axthieben und hitzigen Faustkämpfen nutzen kann. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad bleiben dabei selbst einfache Begegnungen durchaus fordernd und erzwingen gerade bei Gegnern über seinem eigenen Kampflevel uneingeschränkte Konzentration. Highlights bleiben letztendlich jedoch erneut die verschiedenen Endbosskämpfe, die in den meisten Fällen gewohnt-epische Ausmaße erreichen und durch die perfekt verbundene Erzählweise noch enger an die Geschichte angegliedert wurden.

Die Zusammenfassung

›God of War‹ zeigt zum ersten Mal eine komplett neue Seite des wohl bekanntesten Spiele-Kriegsgottes auf Erden und erreicht durch die Kombination aus tiefgreifender Charakterdarstellung und komplexer Geschichtserzählung einen nie dagewesenen Epos. Detailliebe gepaart mit packender Action, authentischen Gefühlsregungen und einem soliden Spielplan machen es zu dem, was es ist – dem wahrscheinlich besten Spiel seiner Reihe.

|DANIEL MEYER

Hat gefallen
  •  authentische und wundervoll animierte Charaktere
  • packende Kampf- und Endsequenzen
  • unvergleichliche Geschichtserzählung, die sowohl optisch als auch akustisch perfekt unterstützt wird
  • semi-Open World bietet tonnenweise Erkundungsgebiete
Hat nicht gefallen
  • zum Teil unverständliche Gadgets: nicht immer wird klar, welches Item wo und wie benutzt werden kann
  • Kampfanimationen können repetitiv werden, kämpft man oft gegen den selben Gegnertyp
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Titelangaben
God of War
Sony Interactive
exklusiv für Playstation 4

 

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