Ein Haufen Sampler und eine Menge Dope

Musik | Knxwledge: Buttrskotch

Ein erwachsenes Kind, ein Haufen Sampler und eine Menge Dope. Das ist die Mischung, die diese kleine kreative Explosion erschaffen hat. Und tatsächlich klingt es ein wenig, als hätte ein kleiner Junge seine Spielzeugkiste ausgeschüttet. MARC HOINKIS hat es sich angehört.

Das Album im Überblick

ButtrskotchMit elf Tracks auf knapp elfeinhalb Minuten kommt diese EP, 2012 bei Leaving Records auf 7“ erschienen, eher wie eine Ideensammlung daher. Das vermeintliche Durcheinander von
›Buttrskotch‹ weist jedoch erkennbare Gemeinsamkeiten und Sinnzusammenhänge auf, die ein mögliches Konzept dahinter dechiffrieren. Diese Collage aus Fragmenten und Schnipseln bietet stilistisch eine Menge von souligen oldschoolbeats bis zu jazzigem, beinahe surrealem laid-back LoFi Hip-Hop. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Beats. Gesang, beziehungsweise Rap kommt nur selten in Form von repetitiven Samples vor.

Viel zu entdecken

Die stilistische Buchstabierung der Songtitel gilt für alle Tracks auf diesem Album; während Titel wie ›todaitsyew‹, ›ovrstood‹, oder ›j∆M.FRºZE‹ noch Wörter erahnen lassen, fallen Titel wie ›asHºK∆‹ oder ›toffbroshn‹ eher kryptisch aus. Ein Trend, der sich nicht nur durch die Karriere von Knxwledge, sondern auch anderer, ähnlicher Künstler zieht.
Ein weiteres Stilmittel ist die Fragmenthaftigkeit, die sich in der bruchhaften Art und Weise des Beginns, beziehungsweise des Endes der einzelnen Tracks zeigt. Sie erklingen ebenso plötzlich wie sie enden. Allerdings weisen einzelne Stücke, beispielsweise ›WunDai‹ und ›Wintrshun‹, geschickt eingesetzte Übergänge auf, die diesen Bruch etwas verwischen.

Der allgegenwärtige LoFi Charakter der Tracks ist eine weitere Gemeinsamkeit. Im Grunde bezeichnet dieser Begriff die Klanggestaltung. In diesem Falle ist sie gezielt »schlecht« verarbeitet, um einen Retro-Effekt zu erzeugen. Dies wird durch niedrige Aufnahmequalität (der einzelnen Samples) und Rauschen erzeugt.

Eine andere Gemeinsamkeit ist der unterschiedlich stark ausgeprägte laid-back Charakter. Vorallem die Drums und Percussion, aber auch vereinzelte andere Instrumente bewegen sich oft leicht hinter, beziehungsweise vor dem straighten Beat. Diese vermeintliche Unruhe erzeugt jedoch eher eine lässige Klangatmosphäre und interessante Rhythmen.
Außerdem scheinen zwischen einzelnen Stücken Sinnzusammenhänge zu bestehen. Ein Beispiel dafür sind die aufeinanderfolgenden Tracks ›Wintrshun‹ und ›toffbrushn‹: Während ›Wintrshun‹ durch geringe hohe Frequenzen eher hintergründig, deep und smooth wirkt, klingt ›toffbrushn‹ viel präsenter, der helle Sound hebt sich dabei. Hier ist eine präzise Gegenteiligkeit zu erkennen.

Allerdings beruhen beide Tracks auf einem Swap Echo, weisen also wiederum in der Basis eine Gemeinsamkeit auf.

Ein vielschichtiges Album

Die Tracks auf diesem Album klingen oft repetitiv und generell einfach gehalten. Jedoch ist das wahre Ausmaß an Komplexität im Detail zu erkennen. Durch die vielen kleinen, beinahe nebensächlichen musikalischen Aktionen, die sich oft im Hintergrund und zwischen den Zählzeiten abspielen, bekommt jeder einzelne Track auf diesem Album seinen eigenen Charakter eines hypnotischen Getümmels von Geräuschen und Sounds.

Die Beats bestehen aus zahlreichen klanglichen Ebenen, die sich überlagern und ab-, beziehungsweise auflösen und so, trotz abgehackter Albumstruktur, einen gewissen Flow in das Ganze bringen. Dabei ist jeder für sich einzigartig und unverkennbar. Knxwledge beweist auf dem Album ›Buttrskotch‹, dass weniger manchmal mehr ist.

| MARC HOINKIS

Titelangaben
Knxwledge: Buttrskotch​
Leaving Records ‎– LR023
Vinyl, 7″, 33⅓rpm, Mini-Album, 2016

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