Nett sein war gestern!

Sachbuch | Wladislaw Jachtchenko: Schwarze Rhetorik

Wir manipulieren unsere Mitmenschen täglich. Das glauben Sie nicht? Coach Wladislaw Jachtchenko zeigt Ihnen anhand simpler Alltagsbeispiele, wie leicht wir manipuliert werden und selbst manipulieren können, ehe man uns zuvorkommt. Von MONA KAMPE

Jachtchenko ManipulationAls Chef loben wir unseren Mitarbeiter, indem wir vorgeben, er wäre der Einzige, dem wir diese wichtige Aufgabe anvertrauen würden, damit er nicht Nein sagt. Als Kollege sind wir besonders nett, wenn wir einen Gefallen von anderen Kollegen möchten. Als Bewerber polieren wir unseren Lebenslauf mit Buzzwords auf, damit wir überzeugen. Es gibt zahlreiche Beispiele für die Manipulation durch uns oder andere Mitmenschen im Alltag. Es mag erschrecken: Jeder von ist mehr oder weniger manipulativ – die Frage ist nur, wie gut sind wir dabei und wie können wir uns damit durchsetzen.

Ist das nicht unmoralisch? Sollte man nicht lieber andere mit guten Argumenten überzeugen? Im Gegensatz zum Überreden ist die Überzeugung nicht negativ belastet, aber dafür auch weniger transparent. Auch die Manipulation erfolgt verdeckt und hat dadurch den Ruf, hinterhältig zu sein.

Doch ist etwas hinterhältig, wenn niemand zu Schaden kommt, beide Seiten gewinnen oder die Manipulation verdeckt bleibt? Nein, das ist sie nur, wenn man vorsätzlich oder fahrlässig einem Mitmenschen schadet – ähnlich wie bei kriminellen Handlungen.

»Das Ausmaß des Schadens und der Grad des Unrechtbewusstseins bestimmen den moralischen Wert der Handlung.«Demnach kann Manipulation sogar wertvoll sein, wenn sie zudem anderen nutzt und positive Effekte erzielt. Außerdem wirkt sie unmittelbar und ist zielführender als die gute, lange Argumentation, wenn das Gegenüber die geschickten Schachzüge nicht bemerkt.

Die Guten ziehen den Kürzeren – nicht mit der richtigen Trickkiste!

Wie schaffen es nun jedoch, auch weniger manipulative Menschen selbst das letzte Wort zu behalten? Mit den richtigen Werkzeugen und ein wenig Übung überzeugen auch sie restlos. Rhetoriktrainer und Businesscoach Wladislaw Jachtchenko gibt Lesern in seinem im August 2018 erschienenen Buch praktische Skills an die Hand, mit denen sie sich im Alltag vor Manipulation schützen und sich selbst erfolgreich durchsetzen können.

Der erfahrene Sprecher und internationale Rhetorik-Turnier-Sieger greift in seine Trickkiste und zeigt mit Hilfe von alltäglichen, anschaulichen Beispielen, wie Rezipienten mit Scheinargumenten, sicherem Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit, Emotionen und Fragen beim Gegenüber punkten. Bei der ›Schwarzen Rhetorik‹ kommt es auf Wahrnehmung, Formulierung und Inhalt an. Alle diese Kategorien lassen sich mit Manipulationstechniken füllen.

Besonders einprägsam und amüsant sind die Anekdoten des Autors, die neben den vielen Sacherläuterungen und Zitaten die Alltagsbeispiele bestärken und dem Ratgeber eine persönliche, individuelle Note verleihen.

Am Ende macht der selbstständige Trainer und Gründer der ›Argumentorik-Akademie‹ allen Mut, eigene Fallen aufzulisten, in die man bereits getappt ist, um das nächste Mal eine Nasenlänge voraus zu sein. Sein Ansatz ist provokant, in der gegenwärtigen Ellenbogengesellschaft jedoch eine Bereicherung.

| MONA KAMPE

Titelangaben
Wladislaw Jachtchenko: Schwarze Rhetorik – Manipuliere, bevor du manipuliert wirst!
München: Wilhelm Goldmann Verlag 2018
320 Seiten, 10 Euro
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