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Digitales | Games: Pokémon: Let’s go!

Was ist klein, gelb und bekommt eine neue Bewertung? Genau! ›Pokémon – Let’s go‹ von DANIEL MEYER.

Ein lautstarkes »Poke-Ahoi« an alle Taschenmonsterfreunde dort draußen und willkommen zum Review von Gamefreaks neuester Kreationen: ›Pokémon – Let’s go‹. Eines schon Mal vorweg: Wie bei allen Remix/Remake-Bewertungen wird‘s auch in dieser nicht ganz ohne Nostalgie – oder andersartig persönliche Faktoren – auskommen können; besonders für solche Spiele, die für viele von uns so eng mit unserer frühen Kindheit verknüpft sind, wie der alltägliche Freibadbesuch in den Sommerferien. Aber lasst uns erst mal anfangen!

Aus alt mach neu

Games: Pokémon: Let's go!Was ist also ›Pokémon – Let’s go‹? Nun, um es kurz zu machen: eine Art Remake des im Jahre 2000 erschienenen Klassikers ›Pokémon: Gelbe Edition‹. Nur eine Art, da es sich in bestimmten Punkten und Gebieten vom ursprünglichen Material unterscheidet, aber dazu mehr in den folgenden Abschnitten.

Die eigentliche Analogie beginnt dabei ganz simpel: Wie schon vor 18 Jahren findet ihr euch zu Anfang des Spiels in einer (zugegeben) wesentlich schöneren HD-Version Alabastias wieder, in der ihr, wie soll es anders sein, kurz vor Beginn eurer Pokémon-Reise steht. Je nach ausgewählter Version lässt euch das Spiel dieses Mal entweder mit der altbekannt-quietschgelben Pokémon-Ikone (›Pokémon – Let’s go Pikachu‹) oder dem pelzigen Evolutionswunder (›Pokémon: Let’s go Evoli‹) starten und folgt dann der gewohnten Kanto-Route, mitsamt aller acht Orden bis hin zur Spitze der Top-Vier. Das schöne dabei ist: Trotz neuer Grafik, die gerade den Pokémon-Modellen ein Gutes tut, hat man sich entschieden, die generelle Struktur der Städte und Gebiete beizubehalten oder wenigstens dem Game Boy-Spiel nachzuempfinden. Gerade anfangs spielt sich ›Pokémon – Let’s go‹? deshalb wie ein riesiges Nostalgiebündel, das einem durch die vielen widerkehrenden Gegner und Rätsel zu jeder Zeit eine gewisse Befriedigung bringen kann. Ich selbst musste jedenfalls schon ein wenig schmunzeln, als ich bemerkte, dass ich nach so langer Zeit noch immer blind durch Team Rockets-Drehspiralenlabyrinth schlittern konnte (ah, die alten Zeiten).

Ein Schritt näher an der richtigen Pokémon-Welt

Erste Änderungen lassen sich dann aber doch relativ schnell finden, manche in guter, manche in eher umstrittener Art. Das Beschaffen neuer Pokémon zum Beispiel unterscheidet sich gleich in mehrfacher Hinsicht vom eigentlichen Vorgängermodell. Wilde Monster erscheinen nun nicht mehr per Zufallskampf in hohen Gräsern, sondern ploppen mit wundervoll animierten 3D-Modellen rund um das Gebiet auf bzw. wandern dann für eine bestimmte Zeit umher – ein tolles Konzept, das auch gern an zukünftige Spiele weitergegeben darf, ist es doch nun endlich der Spieler, der entscheidet, welchem Pokémon er gegenüberstehen möchte, und welchem nicht.  Welchen Seltenheitsgrad die jeweilig erscheinenden Gegner dabei besitzen, definiert ein ebenso neues Modell, das mit der, nun sagen wir, nicht ganz unbekannten, wenn auch frisch-implementierten Fangmethodik zusammenhängt.

Denn ›Pokémon – Let’s go‹ orientiert sich fangtechnisch stark an seinen fast-gleichnamige Mobilversionsvetter ›Pokémon: Go‹. Wo früher wilde Pokémon durch eigene geschwächt und über Anwählen eines Pokeballs automatisch in die Knie gezwungen wurden, erscheint nun lediglich das jeweilige 3D-Modell des zuvor angetroffenen Gegners auf dem Bildschirm, welches dann, mithilfe gezielter Würfe und  (meist ordentlichen) Prisen Glücks, dingfest gemacht werden kann. Leider hatte ich persönlich nicht sonderlich viel Spaß mit dieser Neuerung, obgleich anfänglicher Anreiz und ›Pokémon Go!‹-Vorerfahrung das Gefühl erst nach und nach entstehen ließen. Zu wenig scheint das Konzept durchdacht, technisch umgesetzt und dann gleichzeitig zu sehr in den Vordergrund gestellt worden zu sein, als das ich das Spiel, gerade zum Ende hin, wirklich ernst nehmen konnte.

Games: Pokémon: Let's go!

Pikachu ist mein bester Freund – Ich habe es 120 mal!

Aber lasst mich das ein wenig genauer erklären. Ein etwas größeres Problem hatte ich vor allem mit der immer wieder ausfallenden JoyCon-Unterstützung, die im Normalfall den ausgewählten Ball in die Neigungsrichtung des eigenen Controllers werfen und so das angezielte Pokémon genau treffen sollte. Dummerweise scheint die Bewegungserkennung der kleinen Steuereinheit nicht immer ganz genau zu wissen wann und wo ein betroffener Spieler seine Hand  in die eine oder andere Richtung neigt – es sei denn er holt weitreichend aus und boxt noch ein paar nebenstehende Menschen durch den Raum. Und so kam es nicht selten vor, dass gerade für sich schnell umherbewegende Gegner weitaus mehr Bälle benötigt wurden und mir sicherlich auch mehr Pokémon durch die Lappen gegangen sind, als es vielleicht nötig gewesen wäre – ein kleiner Frustanteil, der aber gerade als immer wieder auftretendes Problem und bei wichtigen Momenten für zusätzlichen Stress sorgte.

Zum anderen wurde das gesamte Trainingskonzept von ›Pokémon – Let’s go‹ auf das Fangen von wilden Pokémon spezialisiert. Anders als in den Originalversionen erhält nun jedes Pokémon in der Truppe des Spielers eine gewisse Anzahl Erfahrungspunkte, nachdem einem ein neues Monster ins Netz gegangen ist. Die Anzahl an Würfe, genutzte Items, sowie genaues Timing beim Werfen bestimmten dabei die Höhe dieser Punkte, welche jedoch meist in der Summe weit über alle in der Nähe ansässigen Trainerkämpfe hinausgehen. Aus diesem Grund sah ich mich in der gesamten Spielzeit eigentlich auch immer nur mit zwei Problemen konfrontiert: Entweder war mein Team ab einem bestimmten Moment zu schwach (ab dem dritten Orden steigt der Levelunterschied ein wenig stärker an), da ich wie gewohnt nur 1-2 Monster der gleichen Art fing – oder das Spiel wurde nach der ein oder anderen Fangsession viel zu einfach und jeder weitere Trainerkampf fühlte sich eher nach einer Methode an, das Spiel weiter zu strecken, als einen wirklich sinnvollen Part darzustellen. Versteht mich an diesem Punkt bitte nicht falsch: Ich mochte ›Pokémon – Let’s go‹. Selbst die Veränderung des Fangsystems in gewisser Hinsicht. Aber gleichzeitig schien das gesamte Konzept nie ganz im Einklang mit der Spielbalance und dem eigentlichen Geiste von Pokémon zu sein (behält man im Gedächtnis, dass frühere Teile einem nahelegen wollten, dass Pokémon-Freunde und einzigartig sein sollten). In diesem Spiel fange ich jedoch lieber mein 130stes Ponita, da aufeinanderfolgende Gewinne sogar noch die Chance auf seltenere Pokémon erhöhen, und freue mich dann darüber, wie mein gesamtes Team, 20 Level über den anderen Trainern zu stehen – irgendwie komisch.

Pokémon: Let's go!

Da war ja noch was!

Nun aber genug gemeckert! Immerhin lassen sich neben dieser etwas größeren Änderungen dann doch noch einige Dinge finden, die viele Pokémons-Fans eher freuen wird. Kampftechnisch, zum Beispiel, wurden die Statuspunkte aller Pokémon sowie die Anzahl an erlernbaren TM’s und Attacken den neueren Spielen angepasst, sodass selbst Veteranen zum Genuss kommen, neue Team- und Angriffskombinationen ausprobieren zu dürfen. Gleichzeitig wirken alle VM’s nun als zusätzliche Eigenschaft unseres Begleiterpokémons und versperren keine Attackenposition mehr. Auf die Pokémonboxen kann inzwischen ebenso mobil zugegriffen werden und einzelne Pokémon lassen sich sogar reiten bzw. als Spürhund für versteckte Items nutzen – alles schöne, kleine Gimmicks, die das Spielgeschehen bereichern. Zudem besteht nun die Möglichkeit eines Koop.-Modus, der einen weiteren (nebensitzenden) Spieler ins Spielgeschehen einbinden kann (und leider von uns während des Tests nicht weiter ausgenutzt werden konnte).

Pokémon: Let's go!

Die Zusammenfassung

Ich mag ›Pokémon – Let’s go‹. Es ist leider kein Spiel für die Ewigkeit, gerade durch die etwas eintönig gestaltete Art des Auflevelns und die daraus resultierenden Spielwiederholungen. Aber mit seinen ca. 30 Spielstunden und dem hohen Nostalgiefaktor kann man es jedem Pokémonfan, gerade solchen, die vielleicht ihre eigenen Kindheitserfahrungen mit ihrem Nachwuchs teilen möchten, nur empfehlen. Es ist eben etwas für zwischendurch, etwas, das mal in den 10 Minuten im Bus ganz lustig sein kann, oder auf längeren Zugfahrten, aber auch gerade deshalb passt ›Pokémon – Let’s go‹ so gut zu einer Konsole wie der Nintendo Switch.

| DANIEL MEYER

Hat gefallen
  • Nostalgiefaktor: Gebiete und Akustik sind fast 1:1 aus den alten Zeiten nachempfunden worden – nur besser!
  • Tolle 3D-Modelle und nette Animationen aller Charakter, kein Random-Encounter mehr!
  • Lösen altbekannter Probleme: Menüorganisation wurde verbessert, TM’s und VM’s neuerer Spiele eingebracht
  • Nette Gimmicks: Pokémonreiten, Interaktion mit Pikachu/Evoli, Kleidung für Pokémon und Trainer
  • ›Pokémon: Go!‹-Charakterankopplung möglich.
Hat nicht gefallen
  • Fangsystem wurde ›Pokémon: Go!‹ angepasst. Per se kein schlechtes Konzept, führt jedoch in diesem Spiel zu grindähnlichen Zuständen und einem zu einfachen Spielegeschehen.
  • Technische Probleme durch Switch-Controller beim Fangen sind leider nicht zu verhindern.
  • An manchen Stellen etwas zu einfach – Kleine Rätsel (Getränk an Wärter geben etc.) wurden komplett aus dem Spiel genommen.
80%

 

Titelangaben
Pokémon: Let’s Go!
Nintendo
erhältlich für die Nintendo Switch

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