/

Zeitreise in die 70er

Musik: Coverband Lead Zeppelin in Würzburg

Lead Zeppelin spielen nicht nur originalgetreu die Musik ihrer Lieblingsband nach – sie sehen auch noch ganz genauso aus. MARC HOINKIS sah sie am 01.02. in der Posthalle

Lead ZeppelinDas Licht geht aus, ›Rock and Roll‹ erklingt, die Menge ist gebannt; Lead Zeppelin beginnen mit einer der schnellsten Nummern ihrer großen Idole und überzeugen vom ersten Ton an. Die vierköpfige Band, bestehend aus Roby Misiejuk (Schlagzeug), Wolfgang Overheid (Gitarre), Bernd Derdau (Bass und Keyboard) und Markus Poschmann (Gesang), hat sich ein Ziel gesetzt: Led Zeppelin wieder aufleben zu lassen. Da Poschman bei diesem Auftritt verhindert war, sprang Pascal Cherouny von den Custard Pies für ihn ein und traf dabei ebenso voll ins Schwarze.

Die vier Fanatiker fangen den Sound von Led Zeppelin originalgetreu ein: Die vom süßlich wimmernden bis zum schrillen Falsett reichende Stimme Plants, das dichte Fundament Jones, die auf seltsame Weise schwerfällig stolpernden und dennoch präzisen Drums Bonhams und die dunkle Gitarren-Hexerei Pages werden bei einem Konzert von Lead Zeppelin noch einmal spürbar.

Aufgrund ihrer Faszination an der Vielseitigkeit der Originale spielen Lead Zeppelin ausschließlich Live Auftritte nach, an diesem Abend beispielsweise die ›Stairway to Heaven‹ Version aus dem Madison Square Garden vom 29 Juli 1973 und die ›Dazed and Confused‹ Version eines Auftritts in London 1969.

Um das Klangbild zu perfektionieren, legen die drei Instrumentalisten viel Wert darauf, auch das gleiche Equipment wie ihre Vorbilder zu benutzen. So spielt Overheid die berühmte Gibson Doubleneck, eine Les Paul Standard und eine Danelectro 59 DC. Außerdem ein Theremin, mit dem er den Mittelteil von ›Whole Lotta Love‹ schmerzlich verzerrt und einen Geigenbogen, der in ›Dazed and Confused‹ zum Einsatz kommt.
Derdau fährt mit zwei Fender Jazz Bässen und einer modernen Version der Hammond Orgel auf, zwischen denen er während des Konzerts, ganz nach Jones Art, hin und her wechselte. Misiejuk tauschte sein altes Schlagzeug gegen ein komplettes Drumset von Ludwig, nebst Pauke und Gong, die er mit den Sticks und Schlägeln, bei Stücken wie ›Moby Dick‹ aber auch mal mit den Händen und Ellenbogen spielt. Dies alles wird von einer authentischen Backline abgerundet.

Das, bis auf die erste Reihe, eher ruhige Publikum starrte wie in Trance auf die Bühne, und verfiel nach jedem Song, also circa alle 15-20 Minuten, in tosenden Applaus. In stilleren Passagen verriet das Getuschel auch den Grund: »Achte mal bei Kashmir auf die Polyrhythmik! Den Song haben die 1975 in London auf 9 Minuten gebracht!« Das Publikum bestand zu einem großen Teil aus ebenso fanatischen Led Zeppelin Fans, für die das Konzert ein purer Genuss gewesen ist.

Die Band spielte Songs aus den ersten sechs Alben und lies dabei kaum einen Wunsch offen: ›Rock and Roll‹, ›Black Dog‹, ›Dazed and Confused, Ramble on‹, ›The Song Remains the Same‹, ›Kashmir‹, ›Moby Dick‹, ›Stairway to Heaven‹, ›Whole Lotta Love‹, ›Immigrant Song‹. Die beinahe endlose Liste an Hits bändigten sie in einem drei stündigen Set, wobei der Sänger anmerkte: »Wir fragen uns vor einem Gig nicht, was wir heute spielen, sondern was wir streichen müssen.«

Die nächsten Gigs bestreiten Lead Zeppelin dann wieder in NRW.

| MARC HOINKIS

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Coming of Age, State of the Art

Nächster Artikel

Coming in and Coming out

Weitere Artikel der Kategorie »Bühne«

»Der mit dem größten Auto hat den Kleinsten«

Bühne | rastetter&wacker: MÄNNER.REIFEN im Sandkorn-Theater Karlsruhe »Frauen werden älter, Männer reifen« – das spricht der Volksmund. Falten machen die Frau älter. Der Mann betont erst durch die grauen Schläfen und das weiße Haar sein Erwachsen-Sein und seine Beständigkeit im Leben. „Denkst’e“, könnte man nach dem Beisein bei einer Kabarett-Show von rastetter & wacker da nur sagen. Von JENNIFER WARZECHA

Drill und Delirium

Bühne | Im Kopf von Bruno Schulz (Schauspiel Köln)   Bildung beginnt mit Muskelmasse: So lautet Lektion Numero eins für den Zuschauer, der Nicola Gründel als Lehrerin Helena Jakubowicz dabei zusieht, wie sie mit lakonischen Kommentaren und drakonischer Härte ihre Kollegen Robert Dölle und Seán McDonagh zu Höchstleistungen an Schwebebalken, Barren, Trampolin und Co. antreibt. Das Ensemble des Schauspiel Köln zeigt sich sportlich. Von JALEH OJAN

Auf die Freundschaft und die moderne Frau

Bühne | M. Delaportes, A. de la Patelliére: Das Abschiedsdinner Pierre (charakterstark und überzeugend: Bernhard Meindl) und Clotilde (feminin und fulminant: Sophie Lochmann) sind ein ganz normales, modernes Paar. Eines, bei dem Clotilde die Hosen anhat … Von JENNIFER WARZECHA

Tribut an den »King of Pop«

Live | Bühne | Show: Thriller live In diesem Jahr wäre Michael Jackson 60 Jahre alt geworden. Mit seinem Musikstil und einzigartigen Tanzchoreografien bleibt er sowieso unvergessen. Zur Erinnerung an einen der einflussreichsten Künstler der Welt würdigt ›THRILLER‹ das Ausnahmetalent und bringt seiner Songs auf die Bühne zurück. ANNA NOAH spricht mit Executive Director Adrian Grant, wie die Show das Originalgefühl seiner Auftritte erneut hervorrufen will.

Zwischen Technokratie und Mystizismus

Bühne | Max Frisch: Homo Faber

Der deutsche Ingenieur als Abgesandter Gottes - einigen Autoren der Tageszeitung Die WELT [sic!] zufolge ist dies das Bild des Technikers, das Konzerne suggerieren, um ihren Delegierten (und damit sich selbst) in technokratischen Zeiten eine Allmacht zuzuschreiben. Passenderweise ist das auch die Synthese aus Max Frischs Roman ›Homo faber‹, wobei der Autor dies stattdessen einen Bericht nennt und hier sowohl eine scheiternde Beziehung, unbeabsichtigten Inzest und den Kampf zwischen Mythos und aufklärerischer Technik dialektisch untersucht. Daran schließen auch die Regisseurin Ulrike Arnold und ihre Co-Regisseurin Eli Wasserscheid an, die im Stadttheater Fürth den Roman auf die Bühne gebracht haben. PHILIP J. DINGELDEY hat sich die Premiere am vergangenen Donnerstag angesehen.