»Happiness is contagious, too«

Jugendbuch | Björn Lengwenus: Glück

In diesen Tagen geraten Pläne durcheinander: Große, wichtige Dinge können nicht wie geplant durchgeführt werden, Termine werden verschoben, Veranstaltungen abgesagt. Auch im Privaten ist nichts mehr, wie wir uns das noch vor Kurzem vorgestellte hatten. Und tatsächlich habe ich gezögert, die geplante Besprechung von GLÜCK zu verschieben. Auf glücklichere Tage. Hier der Grund, warum ich es doch nicht getan habe. Von ANDREA WANNER

Björn Lengwenus: GlückMein Mann ist Lehrer. Im Moment versorgt er seine Abiturienten mit Hausaufgaben über das Netz. Gestern war es ein Text von Joanna Moorhead aus dem ›Guardian‹ vom 20. März 2020: »›Happiness is contagious, too‹: caring for each other makes us feel better«.

Ausgangspunkt von Moorheads Überlegungen war der am Freitag erschienene ›World Happiness Report 2019‹, der fragt, wo auf der Welt die glücklichsten Menschen leben. Und die Antwort ist eindeutig: Es ist im Norden. Auf den Plätzen eins bis fünf stehen Finnland, Dänemark, Norwegen, Island und die Niederlande (in dieser Reihenfolge) (Deutschland landet übrigens auf Platz 17).

Und Vanessa King, eine englische Psychologin, die über das Glück forscht, sieht in der Corona-Epidemie die Chance, dass aus dem »us« und »them« ein »we« werden könnte, indem Menschen jetzt weltweit zusammenhalten und sich nach Möglichkeit unterstützen. Das Ergebnis wäre: ein mehr an Glück. Und da sind wir (endlich!) beim Buch.

Björn Lengwenus hat die Zielgruppe der jungen Menschen ab 11 Jahren für sein Anleitungsbuch im Auge. Es geht um die Frage, was das Glück eigentlich ist, wie man es findet und wie man dafür sorgt, dass es bei einem bleibt. Das verrät schon der Untertitel. Nein, dafür gibt es keine einfachen Antworten und keine Patentrezepte. So formuliert Lengwenus vieles in Frageform, gibt Raum zum Nachdenken und schafft im Buch Platz für Notizen, Ideen, lädt auf Ausfüllseiten ein, sich selber intensiv damit auseinanderzusetzen.

Das Buch ist so, wie es einen anstrahlt: in einem fröhlichen Frühlingsgrün mit einem lachenden Smiley-GLÜCK-Schriftzug. Es ist voll mit den unterschiedlichsten Themen, untersucht Glück in verschiedenen Kulturen, ist dem Glück mit allen Sinnen auf der Spur. Es gibt Songtexte, Gedichte, Zitate, Rezepte. Vieles erinnert in der Aufmachung an Instagram und Pinterest. Bunt, abwechslungsreich, dabei klug und alles andere als platt: Björn Lengwenus ist schließlich Rektor an einer Hamburger Schule, an der er das Fach GLÜCK unterrichtet.

Man spürt, dass er die Jugendlichen ernst nimmt, ihre Probleme und Fragen nicht einfach abtut. Und er hat tatsächlich viel zu sagen, gerade in Tagen, die wir alle als schwarz und unglücklich erleben. Vielleicht lohnt es sich gerade jetzt darüber nachzudenken, wo das Glück doch noch zu finden ist. Da macht der Vorschlag von Vanessa King wirklich Sinn:

»Trying to do something rather than doing nothing is extremely important for resilience. This is a real opportunity, and we need to recognise it as such. And don’t forget that coronavirus isn’t the only thing that’s contagious: happiness is contagious too, as well as fear. If you go outside, smile at people. Be really friendly. It can and will make a huge difference.«

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Björn Lengwenus: Glück
Was Glück ist, wie man es sucht, findet und behält
Hamburg: Carlsen 2020
160 Seiten, 15 Euro
Jugendbuch ab 11 Jahren
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