Jede Menge Glücksportionen

Jugendbuch | Elisabeth Steinkellner: Papierklavier

Was wünscht man sich mit 16? Eine Mutter, die sagt: »Tut mir leid, dass ich manchmal vergesse, wie hart es ist, sechzehn zu sein«? Einen Freund? Mehr Geld? Maia bringt ihre Träume, Wünsche und Gedanken in ihrem Tagebuch zu Papier, in Worten und Zeichnungen. ANDREA WANNER hat sich über diesen klugen Blick auf die Welt gefreut.

Papierklavier - 9783407755797Elisabeth Steinkellner ist keine 16 mehr, sondern schon fast vierzig. Aber der Ton einer Sechzehnjährigen gelingt ihr absolut überzeugend. Was sicher dabei hilft: Sie hat Unterstützung durch die Illustratorin Anna Gusella, die dafür sorgt, dass das Ganze wie ein Tagebuch AUSSIEHT, noch ehe man mit dem Lesen begonnen hat.

Und dann überlegt Maia, wie sie ihr Tagebuch oder Skizzenbuch anreden soll. Jede, die mal Tagebuch geschrieben hat, kennt diese ebenso spannende wie heikle Frage. Maia löst sie perfekt. So wie sie viele Dinge in ihrem jungen Leben ganz gut in den Griff bekommt. Sie übernimmt einen großen Teil der Verantwortung für die beiden jüngeren Schwestern Ruth und Heidi, die dauergestresste Mutter schafft es nicht. Drei Kinder von drei verschiedenen Vätern, von denen keiner auch nur einen Cent zahlt. Das Geld reicht hinten und vorne nicht.

Manchmal greift ihnen Oma Sieglinde unter die Arme, die nicht die richtige Oma aber eine freundliche alte Dame mit einem Flügel in der Wohnung ist. Beziehungsweise war. Oma Sieglinde ist tot, gestorben im Alter von 74 Jahren. Damit ist es vorbei mit Heidis Klavierstunden. Und Maia hat nur noch ihr leeres Buch, ein Geschenk von Oma Sieglinde, um sich an sie zu erinnern und Lösungen für das auszutüfteln, was in ihrem Leben und dem Leben der vierköpfigen Familie geregelt werden muss.

Da steht der Klavierunterricht für Heidi an oberster Stelle. Dafür lohnt sich sogar eine Extraschicht im Saftladen, durchaus wörtlich gemeint verkauft dort Maia alle möglichen Säfte. Dann gibt es noch die Sache mit ihrer Kleidergröße, 42, nur manchmal ein Problem. Und zwei beste Freundinnen: Carla, die eigentlich Engelbert heißt, und der Kategorien wie männlich und weiblich schnuppe sind, und Alex, die mit Maia in die Klasse geht.

Das wird in einem lockeren und witzigen Ton berichtet, der den Ernst der Lage in keiner Weise verharmlost. Wenn es mit dem ganz großen Glück nicht hinhaut, dann muss man es eben in kleinen Mengen sammeln, findet Maia. Und das gelingt ihr wunderbar. Ein absolutes Lieblingsbuch, das zeigt, dass das Leben immer und überall stattfindet, auch wenn eigentlich grad gar nichts zu passieren scheint. Und das verrät, wie eine Sechzehnjährige genau das zu schätzen weiß.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Elisabeth Steinkellner: Papierklavier
Illustriert von Anna Gusella
Weinheim: Beltz & Gelberg 2020
140 Seiten, 14,95 Euro
Jugendbuch ab 15 Jahren
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