Vier Gedichte

Lyrik | Wolfgang Denkel: Vier Gedichte

Nicht Zeus

Nach langer Zeit der erste
Wind. Keinen Namen
trägt er mir zu. Nur sich
selbst. Er streift meine
empfindsam gewordene
Schläfe, die gezackte
Ader entlang

Wie froh ich bin
kein Zeus zu sein
dem der Blitz aus der Hand herniederfährt
Unwürdige zu bestrafen

 

In einem Raum

Lärmendes, lebenstüchtiges
Lachen im Weinlokal
Und am Seitentisch eine
von den Jahren Gefaltete
die still mit knöchrigen
Fingern Bestecke sortiert

 

Im selben Moment

Die Biene – wenn sie
sticht – sie stirbt
Wie angemessen und
die Welt erhellend
wäre eine ähnliche Unnachgiebigkeit
auch beim Menschen
Sterben, indem man tötet

 

Andacht

Die im Uhrzeigersinn ruckenden
Wasser schießenden Rasensprenger
In meiner Kindheit
waren sie plötzlich da
und ich blickte zu ihnen hinüber
als wohnte ich einem heiligen
Vorgang bei, tief gläubig noch
allem Technischen gegenüber
Wie war es möglich, etwas so
Wunderähnliches zu erfinden
den gießenden Menschen
an Gerechtigkeit weit überbietend

| WOLFGANG DENKEL

Wolfgang Denkel, Jahrgang 1958, lebt nach einem Studium der Germanistik und Philosophie als Schriftsteller, Maler und Bildhauer in Hamburg. Sein Romandebut ›Ja. Nein. Ja‹ erschien 2008 beim Grazer Literaturverlag Droschl, sein erster Lyrikband ›Schulterblatt‹ 2018 bei Hammer + Veilchen. Zurzeit arbeitet Wolfgang Denkel an ›Beschriftungen‹ bzw. Kürzesttexten, von denen wir demnächst Auszüge vorab veröffentlichen.

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1 Gelungen scheint der Prototyp: Gewebe,
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Vorzeigbar und clean und herzig rot wie
Eine reife, übersüße Frucht, wenn dieses
Bild nicht lügt, doch kleiner als das
Hasenherz, das furchtsame, das einer
Kirsche gleicht, so klein wie das, was eine
Schwangere, glaubt sie, nachts unter ihrem
Herzen schlagen fühlt, und von der
WAHREN GRÖSSE unsres Herzens,
Wie sie seit je in Schrift und Bild
Und Ton bemessen und gefeiert
Wird, so weit entfernt wie wir
Vom Sternbild des Orion
In einer Winternacht.