Front-Begradigung

Lyrik | Peter Engel: Zwei Gedichte

Frontbegradigung

Der Zickzack meiner Tätigkeiten,
die Schübe meines Tuns, Ausschläge
von Aktivität, von Wirksamkeit:
Das alles auf den Prüfstand
und mit fragenden Blicken,
Zurücknahmen und Beschränkungen.

Mit weniger Kraft arbeiten
an mehr Unterlassungen,
die Entschiedenheit schärfen,
auf den tickenden Zeitfaktor
hören, sein leiseres Geräusch
wird mit den Tagen noch leiser.

Den Stier bei den Hörnern

Das Ausweichen liegt mir besonders,
das Aufschieben auf die lange Bank,
das Zuwarten und Verzögern,
während mit Karacho was
zukommt auf mich und volle Fahrt
aufnimmt, um mich zu überrennen.

Da steht schon das Horn in der Luft,
nähert sich wie ein Blitz aus nicht
heiterem Himmel, und das Maul schäumt,
nur noch Sekunden vorm Aufprall,
es bleibt allein das Gedankenspiel,
sich mitten hinein zu schwingen.

Der Stoß bleibt tatsächlich aus,
keinerlei Blut an der Brust,
das Herz jagend, aber nicht durchbohrt,
die Gefahr vielleicht vorüber,
noch nicht wieder im Gleichgewicht,
aber wie gerettet im Kopf.

| PETER ENGEL

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Brunetti – ein interessanter Mann

Nächster Artikel

Schwermut

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Ein Totentänzchen geschafft

Lyrik | Peter Rühmkorf: Paradiesvogelschiß Paradiesvogelschiß heißt der letzte Gedichtband Peter Rühmkorfs. Kurz nach der Publikation ist der Achtundsiebzigjährige im Juni gestorben. Als seine lyrische Abschiedsvorstellung war das Buch wohl auch gedacht. Neben letzten Gedichten enthält es vornehmlich gereimte und ungereimte Selbstgespräche und Merkverse, Sentenzen und Aphorismen aus dem Nachlass zu Lebzeiten des Dichters von ihm selbst seiner Werkstatt entnommen. Von WOLFRAM SCHÜTTE

Satyrspiele oder Die Jagd ins Bockshorn

Lyrik | Marco Tschirpke: Gedichte – Band 1 Marco Tschirpke, der uns als satirischer Musikkabarettist bekannt ist, hat mit seinen Soloprogrammen unter anderem den Deutschen Kabarettpreis 2007 erhalten. Seit kurzem gibt es die ›Gedichte Band 1‹ (2012) im Verlag André Thiele – ein ambitioniertes Projekt. Und nun hat Tschirpke nachgelegt: Seine Gedichte sind als Hörbuch erschienen – ›Schiffe tuten auf dem Meer‹ – und werden von keinem anderen als Harry Rowohlt gelesen. HUBERT HOLZMANN hat in die CD reingehört und nebenbei im Gedichtband geblättert.

Das Glück liegt in blauen Kleidern

Lyrik | Sophie Reyer: Fünf Gedichte

dein Geruch schläft
neben mir rahmen
laufende Streifen den
Horizont ein: Sonnenflut die
Gelenke der Erinnerungen
ineinander geschoben sind wir
wieder Kind:

Wirklichkeiten

Im Dämmerlicht

Textfeld | Christian Saalberg: Zwei Gedichte IM WEISSEN HOF vor der Treppe zum Schloß stößt man auf eine hohle Gestalt, einen Mann, der Das ewige Leben verschenkt.

Geschlechtertrennung

Lyrik | Vierzeiler der Woche – von Michael Ebmeyer Das Fräulein steht am Meere das Männlein steht im Wald da kommen in die Quere die zwei sich nicht so bald