Eine spannende Reise

Sachbuch | Caitlin Keegan: Mein Traum Tagebuch

Wer kennt es nicht: Man wacht morgens auf, weiß noch ganz genau, dass man gerade eben etwas geträumt hat, schließt für einen Moment die Augen, will die Szene zurückholen und doch ist alles weg, versinkt im endenden Schlaf auf Nimmerwiedersehen. Aber: es gibt da eine Art Training, um sich wieder an seine Träume zu erinnern. BARBARA WEGMANN verrät das Rezept.

mein traumtagebuchDies ist kein wissenschaftliches Buch über Träumen, Träume und Deutungen, kein Buch, das den Schlaf-Experten ersetzen soll und kann, oder gar ein medizinischer Ratgeber ist. Es ist dennoch ein wunderschönes kleines Buch zum Verschenken oder: Vielleicht sollte man es sich sogar selbst schenken, vorausgesetzt, man ist neugierig auf das, was nachts so alles in unserem Kopf vor sich geht. Was erzählen und sagen die Dinge, die wir träumen über uns? Hollywood ist dagegen oft nichts!

»Während wir schlafen, wechselt unsere Hirnchemie von der Ebene der rationalen Funktionen in Bereiche, aus denen unsere Urinstinkte, die visuelle Verarbeitung, Empathie und Intuition stammen. Das Ergebnis ist eine Collage aus Gefühlen und Bildern, die unsere Träume formen.«

Circa 40 Seiten sind es, die etwas über das Träumen erzählen, das Symbol-Lexikon, das von Affe, All und Alligator bis hin zu Zombie, Zoo und Zoo uns die Symbolik erklärt. Dabei liegt Vieles nahe und hat ja auch im Alltag seine Symbolik: träume ich von einem Käfig, fühle ich mich eingeschränkt, träume ich von einer Menschenmenge, fühle ich mich anonym, sehe ich mich als Riese im Traum fühle ich mich besonders wichtig, Mäuse umgekehrt bedeuten Ängste und Sorgen, das Gefühl von Belanglosigkeit. Dass aber eine Motte im Traum die Suche nach einer größeren Erkenntnis bedeutet, das allerdings sähe ich etwas anders. Auch, dass Kühe Großzügigkeit symbolisieren und eine Bäckerin im Traum Planung, Timing und gute Chemie verspricht, da kommt man nicht unbedingt von alleine drauf.

Eine spannende Reise also, dieses Traumsymbolik-Alphabet. Schnell wird man auf Suche nach weiterführender Schlaf-Lektüre gehen, aber das ist keine Kritik an dem wirklich ausgesprochen hübsch verpackten Büchlein, im Gegenteil, eher ein Kompliment, denn es regt an, noch viel mehr über dieses so unbekannte Terrain zu erfahren.
Die restlichen Seiten des Büchleins sind blank, leer und laden ein, beschrieben zu werden.

»Regelmäßig ein Traum-Tagebuch zu führen kann dir dabei helfen, deine Intuition zu stärken und nicht nur tiefgründige Wahrheiten über deine Beziehung zur Welt und den Menschen darin aufzudecken, sondern auch über deine Beziehung zu dir selbst.«

Eine Anleitung, wie man dieses Traum Tagebuch führen sollte, gibt es. Und diese Anleitung enthält Dinge, die nicht nur für gesunde Träume bedeutend sind: »Vor dem Schlafengehen solltest du dich mindestens eine Stunde lang von allen elektronischen Geräten fernhalten… Meditiere mindestens drei Minuten, um deinen Geist zu entspannen.«

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Caitlin Keegan: Mein Traum Tagebuch
München: Knesebeck Verlag 2020
160 Seiten, 16 Euro
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

WHY SHOULD I LOVE MYSELF

Nächster Artikel

Bücher, Bücher überall!

Weitere Artikel der Kategorie »Sachbuch«

Urlaub in Erinnerungen

Sachbuch | Heute so schön wie Damals. Legendäre Urlaubsorte in Europa

Eine Reise aus dem Prospekt zu buchen, das ist einfach, das kann jeder. Ein Appartement, eine Pension, ein Hotel reservieren an Orten, in die man schon seit Jahren fährt, auch nicht gerade originell. Aber Urlaub dort zu verbringen, wo es unsere Eltern und Großeltern und Urgroßeltern schon hinzog, das kann ein echtes Abenteuer werden. Dieser Bildband beweist es auf sehr attraktive Weise, meint BARBARA WEGMANN

Aus dem Schatzkästlein der Hochstapler

Sachbuch | Walther Kindt: Irrtümer und andere Defizite in der Linguistik Wie man mit Irrtümern und Defiziten Privilegien einheimst: Walther Kindt hat für sein Fach, die Linguistik, untersucht, welche Irrtümer und andere Defizite in den vergangenen Jahren in Umlauf waren und immer noch sind. Damit benennt er Fragen, die weit über die Linguistik hinausreichen, findet unser Autor THOMAS ROTHSCHILD

Wider die Tyrannei des einzigen Blickpunkts

Kulturbuch | Daniel Tammet: Die Poesie der Primzahlen Savants, autistische Menschen mit einer sogenannten Inselbegabung, waren lange Zeit nur Objekt der wissenschaftlichen Begierde. Erst in den 80er Jahren erregten sie die amüsiert-gerührte Neugier von Normalbegabten durch Oliver Sacks‘ »Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte« und Barry Levinsons »Rain Man«. Ihre Tauglichkeit als Popfiguren wurde ab 2005 getestet, als die TV-Serie »Numbers« ein mathematisches Superhirn mit den typischen weißen Flecken auf der sozial-emotionalen Landkarte als sexy (männlich) Rätsellöser für die heile Law-and-Order-Welt rekrutierte. Und seit Stieg Larssons Lisbeth Salander scheint Autismus regelrecht zum Glamourfaktor mutiert: genialisch-unheimlich plus sexy (weiblich)

Let her rock!

Kulturbuch | Vivienne Westwood, Ian Kelly: Vivienne Westwood Wenn einem eine strenge Dame auf einem Buchcover wach entgegenblickt, ist oft schwere Kost angesagt. Nicht so in Vivienne Westwoods Autobiographie, die sie zusammen mit Ian Kelly verfasst hat. Für ›Vivienne Westwood‹ hat Ian Kelly zwei Jahre mit der First Lady des britischen Designs verbracht und aufgeschrieben, was Archiv, Presse, Freunde und Familie von Vivienne Westwood beizutragen hatten. Westwoods eigene Kommentare runden eine Biographie ab, bei der eine rundum kampfeslustige alte Dame erst einen Zwischenbericht zu ihrem Leben geben möchte. VIOLA STOCKER ist beeindruckt.

Weißer Fleck! Und weg!

Sachbuch | Eleonore Lappin-Eppel: Ungarisch-Jüdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Österreich 1944/45 In Österreich, diesem vielfach rätselhaften Land, in dem das Verschweigen, Verdrängen und Vergessen schon seit jeher bis in die schwindelnden Höhen der absoluten Perfektion getrieben wurde, haben die Geschichtsbücher, insbesondere die, welche die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts darstellen, immer noch ein paar weiße Flecken, wenngleich sich deren Zahl seit den Tagen von Waldheims Pferd deutlich verringert hat. Von MANFRED WIENINGER