36 Inseln für perfektes Insel-Glück

Sachbuch | Inselglück

Eine weite Reise in die Karibik ist nicht immer notwendig, um auf einer abgelegenen Insel einen Traumurlaub zu verbringen. Auch im europäischen Raum gibt es noch relativ einsame Inseln, die mit Karibik und Co absolut mithalten können. Fantastische Strände, einsame Buchten, idyllische kleine Hotels direkt am Strand: unentdeckte Inselparadiese. 36 davon stellt dieses Buch vor. BARBARA WEGMANN hat sie einmal unter die Lupe genommen.

InselglueckProcida ist nur vier Quadratkilometer groß, im Juli und August etwas überlaufen, aber den Rest des Jahres kehrt wieder Ruhe ein, und die große Beschaulichkeit des Inselchens zwischen Neapel und Ischia macht dann den unwiderstehlichen Reiz des kleinen Fleckens aus: »Fast so, als hätte eine Kinderhand sie entworfen- die fröhlich bunte Hafenstadt Corricella weckt sofort Urlaubsgefühle«. Das stimmt: bunte Häuser, enge Gassen, im wahrsten Sinne malerisch. Zitronen- und Orangenhaine, Schafherden, Schatten spendende Mittelmeer-Eichen. Abends am Hafen »Köstlichkeiten wie Bernsteinmakrelen-Tortellini oder Thunfisch mit Pistazien-Kruste«, dazu ein Blick auf den Golf von Neapel … ob Sie sich das vorstellen können?

Nicht alle der 36 vorgestellten Inseln sind so wirklich unbekannt: Das niederländische Texel, Helgoland, Wangerooge und Ameland in der Nordsee, Fehmarn in der Ostsee oder Jersey und Guernsey im Ärmelkanal, sie gehören doch eher zu den bekannteren Inseln. Aber, wer kennt Saaremaa, die größte Insel Erstlands, Kefalonia oder die Nördlichen Sporaden im östlichen Mittelmeer?

»Unberührt und ursprünglich waren sie, die Sporaden, irgendwie schien die gute alte Zeit stehen geblieben zu sein an diesem Ort. Doch dann kam Abba.« Der Kassenschlager »Mamma Mia!« wurde teilweise auf Skopelos und Skiathos gedreht. Und es ist klar, die Orte, an denen Meryl Streep und Pierce Brosnan wandelten, die wollen sich Viele gern anschauen. Das habe »den Inseln ein wenig ihren Geheimtippcharakter genommen.« Dennoch, gleich nebenan, auf Alonnisos erwartet einen die absolute Stille. Hier, so die Beschreibung, könne man die griechische Karibik in vollen Zügen genießen.

Jede der 36 Inseln ist mit Wort und Bild porträtiert, kein Reiseführer im üblichen Sinne, Text und Bilder werfen kurze Schlaglichter, auf Besonderheiten der Natur, die hinreißende Szenerie in einem malerischen Dorf, verlassene Strände, besondere Restaurants oder ausgefallene Mitbringsel. Dazu Tipps für Unterkünfte und besondere kulinarische Urlaubsmomente. Das meiste versehen mit Links und Web-Adressen. Zu so mancher Insel mag es sicher viel, viel mehr zu sagen geben, aber dieses Buch hat sich das Ziel gesetzt, kurze Porträts von 36 Inseln zu zeichnen, für alle Dinge die zu einem Urlaub gehören Anreize und Appetithäppchen sozusagen zu liefern und das gelingt in bester Weise.

Ob Hvar mit seinen 2.718 Sonnenstunden jährlich oder Mljet, das mit 1000 Einwohnern unendlich weit weg von jeder Partymeile liegt oder die Elafitischen Inseln mit ihren acht größeren und fünf kleineren, sowie zahlreichen winzigen Inselchen, »praktisch vor der Tür von Dubrovnik.«, sie alle gehören zu Kroatien: Wandern, schnorcheln, sonnen, es wartet ein vielseitiges Freizeitangebot in berauschender Natur.

Unterhaltsam, anschaulich bebildert, reizvoll durch viele Tipps und Anmerkungen, lebendig im Layout, das alles lässt Blättern zum Spaß werden und man gewinnt die Erkenntnis: es muss nicht immer Mallorca sein. »Warum also nicht einfach mal das Unbekannte entdecken und ein klein wenig Robinson Crusoe spielen- es wartet das perfekte Inselglück!«

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Inselglück. Unentdeckte Paradiese in Europa
Kunth Verlag
280 Seiten, 24,95 Euro
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Menschliche Dämonen und dämonische Menschen

Nächster Artikel

Brüche

Weitere Artikel der Kategorie »Sachbuch«

Was der Mond mit uns macht

Sachbuch | Christoph Frühwirth: Der Mond und wir

Mein früherer Friseur erzählte einmal von einem Kunden, der stets zu Jahresbeginn zu ihm kam und alle Haarschneidetermine für das komplette Jahr abmachte. Seine Begründung: er richte sich nach dem Mondkalender. Was man zunächst belächeln mag, das sieht man nach der Lektüre dieses sicher nicht alltäglichen Buches bestimmt anders, meint BARBARA WEGMANN

Was wäre die Welt ohne Farbe

Sachbuch | Patrick Baty: Die Farben der Natur

Fast 300 Seiten, über 700 farbige Illustrationen, Farben über Farben und das alles mit System und wissenschaftlichem Hintergrund: Dieses Buch führt ein in eine Welt der »unglaublichen Farbenvielfalt der Natur.« Und in die Anfänge der Farbbestimmung. Das lässt jedes Alltagsgrau schnell vergessen, meint BARBARA WEGMANN

Stille Wasser sind bald nicht mehr tief

Indiebookday 2015 | Gesellschaft | Maude Barlow: Blaue Zukunft. Das Recht auf Wasser und wie wir es schützen können Right Livelihood Award-Preisträgerin Maude Barlow zeichnet in ›Blaue Zukunft. Das Recht auf Wasser und wie wir es schützen können‹ ein düsteres Bild des Blauen Planeten. Ausgerechnet die Ressource, die für die meisten so selbstverständlich ist, dass kaum darüber nachgedacht wird, könnte in manchen Gebieten des Erdballs in den nächsten fünfzig Jahren derart rar werden, dass künftige Konflikte zwischen Staaten nicht mehr nur um Öl und Gebietsgrenzen kreisen, sondern auch um den Zugang zu Wasserquellen. VIOLA STOCKER ließ sich aufklären.

Nur im Kopf gibt es keine Grenzen

Sachbuch | Delphine Papin/Bruno Tertrais: Atlas der Unordnung

Zurzeit machen aktuelle Geschehnisse in gar nicht so weiter Entfernung schmerzhaft klar: Grenzen sind alles andere als festgeschriebene Linien. Territorien, Länder werden verteidigt, abgesichert, überfallen, besetzt, Grenzen werden wachsam beobachtet, zur Not verteidigt, bei Bedarf verschoben, manchmal aber fallen Grenzen auch. BARBARA WEGMANN hat in diesem Buch mit seiner beeindruckenden Informationsfülle geblättert.

Männerphantasien, aktualisiert

Gesellschaft | Klaus Theweleit: Das Lachen der Täter: Breivik u.a. – Psychogramm der Tötungslust ›Das Lachen der Täter‹ ist Klaus Theweleits neuestes Buch zu (nicht nur) seinem alten Thema »Männergewalt« und ein Plädoyer für einen neuen, entschieden weiteren Blick auf Gewalttäter. Ein ausführlicher und äußerst ungemütlicher Brandbrief, der zur Pflichtlektüre für alle werden sollte, die mit Menschen zu tun haben. Von Eltern bis Politikern, von Erziehern bis Kriminalisten, von Bildungs- bis Stadtplanern, egal welchen Geschlechts. Von PIEKE BIERMANN