Gleich und gleich gesellt sich gern?

Kinderbuch | Selim Özdoğan: Die Ameise und der Frosch

Ein Frosch wird beim Sonnenbaden von einer Ameise gestört. Ganz schön lästig, wie er findet. Was sich daraus entwickelt, verblüfft dann aber doch, findet ANDREA WANNER.

Ein großer Frosch und eine kleine Ameise blicken sich durch Gras hindurch an und lächeln sich zu.Quadratisch und stabil kommt das kleine Pappbilderbuch daher, in Sommerfarben: Grün und Blau und ein bisschen sonnengelb. Blau leuchtet der See, an dessen Ufer der Stein liegt, auf dem wiederum der Frosch lümmelt. Grinsend dick und grün, zufrieden mit der Welt. Was soll da die etwas doofe Frage einer Ameise, die vorbeikommt: »Bist du eine Ameise?« Ist er natürlich nicht und antwortet erklärend, er sei schließlich viel größer. Die Ameise zieht ihre eigenen Schlüsse: »Also bist du eine große Ameise.« Der Frosch guckt schon nicht mehr ganz so entspannt, als er die andere Farbe, die er hat, ins Feld führt.

Kein Problem für die Ameise, die ihn kurzerhand zur großen grünen Ameise macht. Auch seine zunehmend genervt angeführten weiteren Merkmale – vier statt sechs Beine, seine Sprungfähigkeit, seine lange Zunge und die Tatsache, dass er schwimmen kann – können das kleine Insekt nicht überzeugen, dass er nicht ihresgleichen ist. Bis es der Amphibie endgültig reicht und sie auf den See hinausschwimmt.

Ende der Geschichte? Von wegen! Selim Özdoğan lässt sich für sein erstes Bilderbuch etwas Besonderes einfallen. Für die kleine Story am mit Rohrkolben bewachsenen Weiher wechselt Clara Sophie Klein in ihren Illustrationen immer wieder die Perspektive, taucht ins Wasser, bis nur noch die Augen das Geschehen beobachten, schaut von oben aus der Fliegenperspektive auf die beiden ungleichen Tiere, zoomt ran und entfernt sich wieder ein Stück.

Özdoğan lässt die beiden unkommentiert miteinander reden und uns zuhören. Kein sehr ergiebiger Dialog, denn näher kommen sie sich zunächst ja nicht. Es sind die trennenden Unterschiede, die zwischen ihnen stehen. Und die die Ameise sehr traurig machen. Dass das nicht sein muss, leuchtet am Ende ein.

Die Lösung ist ebenso liebenswert wie charmant und lässt am Ende beide Kulleraugenwesen trotz ihrer Differenzen glücklich sein. Oder sogar wegen ihrer Gegensätze? Toleranz und Offenheit sind das Wichtigste für Begegnungen. Und Freundschaften. Damit kann man gar nicht früh genug anfangen. Am besten mit so einer wunderbaren Geschichte, die sich schon für ganz kleine Hände, Augen und Ohren eignet.

Die Zeichnung zeigt einen Frosch, der mit seiner langen Zunge nach einer Fliege schnappt, diese aber verfehlt.
Leseprobe; Abb: Südpol-Verlag

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Selim Özdoğan: Die Ameise und der Frosch
Illustriert von Clara Sophie Klein
Grevenbroich: Südpol 2022
22 Seiten, 10 Euro
Bilderbuch ab 1 Jahr
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| Leseprobe

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