Wenn das Hotel zum Reiseziel wird

Sachbuch | Ungewöhnliche Hotels

Das Jahr hat begonnen und nach harter und langer Corona-Zeit kommen schnell wieder Gedanken und Planungen für einen Urlaub auf. Aber nicht irgendein Urlaub soll es sein. Das, was der Jonglez Verlag hier an Übernachtungsmöglichkeiten vorstellt, das ist schon mehr als außergewöhnlich. BARBARA WEGMANN hat es sich – erst einmal im Buch – angeschaut.

Ein auf dem Wasser schwimmender Hotelbau50 Hotels in rund 30 Ländern präsentiert dieser Bildband, aber was für Hotels! Auf 256 Seiten unternehmen sie eine außergewöhnliche Entdeckungstour durch einen ganz besonderen Reiseprospekt.

Stellen sie sich vor: sie fliegen nach Kanada. Und dort auf die wunderbare Pazifikinsel Vancouver Island. Dort wiederum wartet in einem ausgedehnten Waldstück hoch über dem Boden eine Kugel auf sie, eine Tannenbaumkugel, eben nur viel größer und davon gleich drei oder vier, und sie heißen zum Beispiel Melody oder Eryn. Die Kugeln bieten Platz für ein bis drei Personen, sie sind gemütlich, mit viel Holz und Atmosphäre eingerichtet, ganz im Yachten-Stil , klein, urig, mit 250 bis 300 Euro pro Nacht sicher nicht preiswert, dafür wird man hier zu einem kleinen Teil des Waldes und das Wunderbarste: Wenn es windig ist, und das wird man sich garantiert wünschen in dieser gebuchten Nacht, dann »bewegen sich die Kugeln nur ganz leicht, mit einem langsamen, sanften Schaukeln«. OK, für die sanitären Einrichtungen muss man schnell sich wieder auf den Erdboden begeben.

Ob es ein Waldhotel in Chile ist, das an ein Märchen über einen Berg erinnern soll, der magische Kräfte besitzt und Wünsche erfüllt, ob es ein hoch oben erbautes Haus in Frankreich ist, einfach oben auf einem Schornstein, ein Haus mit Dach und allem, was dazugehört oben auf einem mächtigen Schornstein, sodass man den Augen nicht trauen mag, es sind in der Tat absolut ungewöhnliche Übernachtungsangebote. »Dank ihrer Lage an der Spitze der Ile de la Nation bietet die Villa einen freien Blick auf die Loiremündung und die felsige Sillon de Bretagne.« Oben vom Schornstein aus …

Übernachtungen in einem Zirkuswagen, in einem Schloss, in einem Zug oder Flugzeug, in schwindelerregenden Höhen oder unter Wasser, in Eis und Schnee oder an den Traumstränden dieser Welt, das mag alles sicher beeindrucken, aber was dann so richtig umhaut, das ist das jeweilige Quartier in Verbindung mit der Umgebung, wobei man letztlich bei vielen Angeboten nicht weiß, was faszinierender ist. Alle Übernachtungsangebote zeichnen sich aus durch entweder paradiesische Lage, durch künstlerisch herausragende Gestaltung oder durch die so völlig überraschende Kombination von Bett und Umgebung. Zum Beispiel in Südafrika am Rande der Zederberge in einer Skysuite, ganz hoch oben. »Weit abseits des Alltags verbringen sie hier die Nacht ohne Dach und Moskitonetz (und glücklicherweise auch ohne Mücken) direkt unter dem Sternenhimmel.« Könnten wir bitte die Diskussion um den Heimflug verschieben…?

Nein, preiswert ist das sicher alles nicht, die Kategorien reichen von erschwinglichen rund 100 Euro pro Nacht, über 100 bis 300 und schließlich über 300 Euro. Dafür allerdings verbringen sie mit absoluter Sicherheit eine Nacht, in der sie am besten auch gar nicht erst an Schlaf denken, es wäre ja geradezu verschenkte Zeit in einem solchen Domizil für eine, zwei oder mehrere Nächte. Quartiere, deren Existenz sie sicher erst zu Hause so richtig realisieren beim Betrachten der Urlaubsfotos. Zu unwirklich, zu irreal sind viele der hier vorgestellten Quartiere. Übrigens: die Märchenzimmer werden jeweils porträtiert mit einem großen Foto und einem Text, der von all dem berichtet, was man über Unterkunft und Umgebung wissen muss, zudem gibt es im Anhang auch Hinweise zu den Webseiten.

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Ungewöhnliche Hotels
Wien: Jonglez Verlag 2022
256 Seiten, 39,95 Euro
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