Wunschtraum

Kinderbuch | Ann Rand: Edward und das Pferd

Edward wünscht sich ein Pferd. Damit ist er vermutlich nicht allein, was die Erfüllung des Wunsches aber sehr schwierig macht: Edward lebt in New York im 21. Stock eines Hochhauses. »Also keine Chance?«, fragt sich ANDREA WANNER.

Ein Junge balanciert auf dem Rücken eines Pferdes und hält eine Blume in seiner HandDer Klassiker der amerikanischen Architektin, Autorin und Malerin Ann Rand und des schwedischen Designers und Illustrators Olle Eksell ist schon über 60 Jahre alt – und kommt so frisch und originell daher, wie man das von einem Titel heute erwarten darf. Der poppige Druck in Sonderfarben lässt das kleine Buch von außen leuchten, innen strahlen kräftiges Rot, Rosa und Grün: Gute Laune pur! Da sollte das mit Edwards Wunsch doch auch irgendwie klappen.

Naheliegendere Haustiere wie Hund und Katzen sind verboten, ein großes Schild im Eingangsbereich des Hauses weist unmissverständlich darauf hin. Daher die Idee mit dem Pferd, denn von Pferden ist nicht die Rede. Edward spart sein Taschengeld, aber die Eltern wenden ein, dass ein Pferd gar nicht mitten in der Stadt leben wolle. Der Junge ist total unglücklich, damit scheint der Traum geplatzt. Aber dann berichtet der Feuerwehrmann Michael von einem wahren Wundertier: einem Pferd namens Smitty, das nicht nur seinen eigenen Lebensunterhalt verdient, sondern auch das Stadtleben mag. Edward macht sich unverzüglich auf die Suche nach dem großen weißen Pferd mit einem Umhang, »der glänzt wie frisch gefallener Schnee«.

Manche Geschichten werden nicht alt. Sie erzählen von Wünschen und Sehnsüchten, die vielleicht auf den ersten Blick albern und unerfüllbar wirken und bei genauerem Hinsehen vielleicht doch nicht so unrealistisch sind. Verfolgt Edward ein Phantom oder gibt es die unvorstellbare Lösung seines Problems wirklich? Mit viel Witz und Einfühlungsvermögen begleitet das Duo den Weg des jungen Helden, der bei seiner Suche auf viel Interessantes stößt. Sie spüren nach, wo das Sehnen liegt und wo es auf Grenzen stößt. Und wie passend: am Ende hat die Hausverwaltung natürlich das Verbotsschild um ein Pferd erweitert. Edward kann’s egal sein: Sein Traum ist längst in Erfüllung gegangen!

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Ann Rand: Edward und das Pferd
(Edward and the Horse, 1961). Aus dem Englischen übersetzt von Marietheres Wagner
Illustriert von Olle Eksell
Zürich: Midas 2022
40 Seiten, 18 Euro
Kinderbuch ab 8 Jahren

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Ohnmacht

Nächster Artikel

Überleben in Kanadas Wäldern

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Von Anfang an

Kinderbuch | Marianna Coppo: … aber wo ist die Geschichte

Wie beginnen Geschichten? Ganz einfach: mit einer weißen Seite. Da ist noch nichts, rein gar nichts. Und dann muss etwas passieren, sonst wird es keine Geschichte. Über das, was dieses »Etwas« ist, kann man geteilter Meinung sein. ANDREA WANNER fand die Geschichte über die Entstehung einer Geschichte hinreißend.

Wahr oder gelogen?

Kinderbuch | Christine Nöstlinger: Jeden Morgen um 10 Jeden Tag nimmt ein Hund die Fähre von La Maddalena nach Palau. Ganz alleine. Jeden Morgen um 10. Und jeden Abend fährt er zurück nach Maddalena. Ein Rätsel, das die Leute beschäftigt. Was sucht er dort? ANDREA WANNER war ebenfalls neugierig.

Eine Baum-Lektion

Kinderbuch | Charles Berbérian: Groß werden

Das preisgekrönte Buch über einen ganz besonderen Spaziergang hat es bereits geschafft: das mit dem Großwerden. Ein großformatiges Buch mit großen Bildern und einem Thema, das kleine Knirpse bestimmt interessiert, wenn man sie bei der Lektüre begleitet. Von BARBARA WEGMANN

Wenn’s weiß wird

Kinderbuch | Dan Tavis: Winter nervt!

»Für alle kleinen und großen Wintermuffel« sei das Buch, heißt es. Da wird sich sicher auch der eine oder andere Erwachsene angesprochen fühlen, der das Bilderbuch dem Nachwuchs vorliest. Dabei ist der Winter doch so toll, es ist nur eine Frage der Perspektive, wie so oft im Leben. Von BARBARA WEGMANN

Zweckentfremdet

Kinderbuch | Saša Stanišić: Panda-Pand

Pandas ernähren sich von – klar: Bambus! Neunundneunzig Prozent ihrer Nahrung bestehen daraus. Bambus gibt es zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Aber dann gibt es das eine Frühstück, wo sich etwas ändert. Von ANDREA WANNER