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Auf Fang

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Auf Fang

Nach den Tagen der Ohnmacht waren die Männer begierig darauf, dem Teufelsfisch nachzusetzen. Eldin ging noch behutsam mit der Schulter um. Die letzten Tage hatte er den linken Arm in einer Schlinge getragen, sein Wurfarm war zum Glück unbehelligt.

Die Wunden der anderen waren ausgeheilt. Scammon war ein geduldiger Commandeur, Zeit spielte keine Rolle, er hatte niemanden gedrängt.

Der Teufelsfisch sei tagelang provozierend unverfroren in der Lagune aufgetaucht, sagte Crockeye zornig.

Er zeige seine Fluke aber wie einen freundlichen Gruß, entgegnete Pirelli, wie eine Geste unter Nachbarn, als fühle er sich zu Hause.

Ein starkes Stück, sagte Bildoon.

Wir verpassen ihm einen Schuß vor den Bug, er wird ihn nicht vergessen, prahlte Thimbleman.

Sie waren gehobener Stimmung und voller Erwartungen. Eldin war entschlossen, die Sprengkopflanze auszuprobieren, er hatte sich aus der Walstation einige Exemplare von dieser noch kaum erprobten Technologie mitgeben lassen, einer Errungenschaft des frühen Kapitalismus, sie kam urwüchsig unter die Leute.

Die Moderne kündige sich an, sagte Gramner und lächelte, sie rede sich ihre Welt schön, und bezeichne sie sich nicht sogar als eine neue Zeit, als eine Zeit des Aufbruchs.

Marketingsprech einer selbstverliebten Epoche, sagte Pirelli verächtlich, der Mensch werde sich Homo sapiens nennen und von einem Anthropozän sprechen, wer könne das ertragen.

Mehr noch, sagte der Ausguck, sie hätten vor, den Mars zu besiedeln.

Weibliche Geschwätzigkeit, höhnte der Rotschopf.

Sei die Erde ihnen nicht genug, fragte LaBelle.

Die Männer lachten.

Sie brächten selbstfahrende Autos auf den Markt, sagte der Ausguck, sie arbeiteten mit ChatGPT, sie kommunizierten digital und erfänden eine Künstliche Intelligenz.

Ihre Kriege führten sie mit Robotwaffen und Drohnen, sagte Crockeye.

Wie könne das jemals gutgehen, fragte Thimbleman, sie richteten die Welt zugrunde, das Klima, in dem das Leben erblühe, werde unter ihren Augen kollabieren.

Keine Chance, null, bekräftigte der Ausguck, aus, vorbei, es war einmal.

Termoth und seine Mannschaft hatten am Strand die Gerätschaften aufgebaut, den Kadaver zu verarbeiten, ihn zu flensen und auszukochen, Termoth aber wäre nicht imstande, eines dieser majestätischen Wesen zu töten, nie im Leben, nein, er habe nicht vor, sich mit in eine Schaluppe zu setzen.

Kaum daß am nächsten Tag die Sonne aufging, lösten die Männer zwei Schaluppen aus der Vertäuung, es wehte eine milde Brise, sie stellten die Masten auf, setzten Segel und ließen sich in die Ojo de Liebre treiben. Weit und breit regte sich nichts, sie stießen auf ein Idyll und vernahmen kein Geräusch außer dem entfernten Gesang des Ozeans.

Hier habe er seine Kinderstube, rief Eldin den Männern in Scammons Schaluppe zu, und obgleich Eldin die Hände trichterförmig um den Mund legte, klang der Satz nur verhalten, als bekunde er trotz allem einen widerwilligen Respekt gegenüber einer allgegenwärtigen Mutter Natur, sie ließen sich tiefer in die Lagune treiben.

Da, rief Eldin und wies auf einen Blas vielleicht dreißig Meter entfernt, sie zogen die Segel ein, ruderten darauf zu und gaben acht, möglichst jedes Geräusch zu vermeiden, der Teufelsfisch hatte ein sensibles Gehör und brächte sich augenblicklich in Sicherheit, und so geschah es dann auch mehrmals, Geduld war vonnöten, der Walfang war ein mühsames Geschäft.

Vermutlich hatte die Fangpause doch zu lange gedauert, und sie mußten sich erst wieder von den geruhsamen Tagen mit dem nächtlichen Lagerfeuer verabschieden, jedenfalls schien es diesmal nichts werden zu wollen mit dem Walfang, zwar trieb Eldin sie noch einmal an, er wollte unbedingt wieder ein Jungtier erlegen, weil er wußte, daß das Muttertier dann eine sichere Beute sein würde, aber auch daraus wurde nichts, Scammon war’s zufrieden, sie steckten am frühen Nachmittag auf.

| WOLF SENFF

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