Wo die Blumen blühen

Kinderbuch | Matías Acosta: Mabelle

Das wunderschön illustrierte Bilderbuch für kleine Leser ab 5 Jahren stellt uns Mabelle vor, ein junges Mädchen, das gerne Rad fährt und etwas außerhalb der Stadt wohnt. Begleitet sie auf ihrer Radtour in die Umgebung. Von BARBARA WEGMANN

Ein Mädchen fährt an einem windigen Tag auf einem Fahrrad durch eine Wiesenlandschaft. Auf der Wiese stehen einge Bäume. Im Hintergrund sind einige Hügel zu sehen.Einen bunten Schal hat sie um den Hals, einen Korb hinten auf ihrem Fahrrad und so fährt sie los, Mabelle, ein junges Mädchen mit Pferdeschwanz, ein Mädchen, das von ihrer Umgebung fasziniert ist. »Am liebsten fährt sie zur Wiese mit den wilden Ringelblumen. Sie wachsen an Orten, wo der Wind häufig weht.« Matías Acosta nimmt uns mit auf eine riesige grüne, weite Wiese, ein Baum steht dort, an den Mabelle ihr Fahrrad angelehnt hat. Und sie selbst kniet auf der Wiese mitten in einer Unzahl an Ringelblumen, leuchtend gelb, fallen sie sofort ins Auge auf dem satten Grün der Wiese. »Mabelle betrachtet sie genau und flüstert ihnen Geheimnisse zu«. Junge Mädchen eben.

Viel Blau am Himmel und noch mehr Grün auf den Wiesen, Feldern und Hügeln, so viele verschiedene Töne beherrschen die ganzseitigen Bilder und lassen einen eintauchen in eine ruhige, einsame und intakte Natur. Das ist Uruguay, ausgedehnte Graslandschaften und weite fruchtbare Steppen kennzeichnen das Land mit rund 3,5 Millionen Einwohnern. Ein kleines Land, in dem diese bezaubernde Geschichte beheimatet ist. »Vor allem die Landschaften des Rio de la Plata werden als eines der größten Gebiete mit gemäßigt feuchten und subhumiden Graslandschaften der Welt betrachtet.« Und Ringelblumen gedeihen hier bestimmt hervorragend. In der Heilkunde übrigens ist die Ringelblume eine sehr bekannte Pflanze, vielleicht habt ihr ja schon einmal die Calendula-Salbe für kleine Wunden kennengelernt. Mit großem Korb voller Blumen fährt Mabelle wieder nach Hause.

Als sie später irgendwann erneut zur Wiese fährt, mag sie ihren Augen nicht trauen, nirgendwo steht auch nur eine Ringelblume, das satte Grün ist vielen Brauntönen gewichen, trockenes Land, keine Blumen, keine grüne Landschaft. Am Bach schaut sie, bei den Bäumen, vergebens, aber da: »Hinter einem Felsen leuchten die goldgelben Blumen.« Aber Mabelle pflückt heute keine Blumen, sie fährt nach Hause mit einem leeren Korb auf ihrem Rad. Dafür weiß sie ja nun genau, wo sie immer ihre Ringelblumen finden wird, um sie zu bewundern, wie sie sich im Wind wiegen.

Dem kleinen Land Uruguay, ein ganz spannendes Land, das an Brasilien, den Ozean und Argentinien grenzt, ist der Klimawandel nicht fremd. Die Klimakrise, so heißt es, sei im Alltag der Menschen spürbar. Im Frühjahr und Mai 2023 hätte es eine ausgeprägte Trockenzeit gegeben, die als längste Trockenperiode in der Geschichte des Landes bezeichnet werde.
Der Autor dieses Buches, er ist in Uruguay geboren, studierte Film und Animationsfilm in Montevideo und sagt über sich selbst: »Ich zeichne zwar häufig, aber noch mehr Zeit verbringe ich mit Nachdenken.« Und so ist es neben all den anschaulichen Illustrationen auch ein Buch zum Nachdenken geworden: Wo sind die Blumen geblieben, werden sie wiederkommen, die Ringelblumen?

Ein Buch, das beim Blättern und Eintauchen in die Geschichte klar macht, wie wertvoll, einzigartig und vor allem schützenswert die Natur ist. Und da reicht es dann auch, wenn man weiß, wo die Blumen blühen und es ist nicht schlimm, wenn der Korb leer bleibt.  

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Matías Acosta: Mabelle. Ein Bilderbuch aus Uruguay
Aus dem Spanischen von Jochen Weber
Basel: Baobab Books, Basel
32 Seiten, 22 Euro
Bilderbuch ab 5 Jahren

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