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Prosa

Muschg - Der weisse Freitag

Vom Erklimmen des Unbezwingbaren

in Prosa

Prosa | Adolf Muschg: Der weiße Freitag

Als Goethe sich einer Wanderung zum Gotthard aussetzt, noch dazu im November, liegt das Schicksal des Weltliteraten in den Händen der Natur. Er kämpft sich tapfer durch, erhofft Erleuchtung und Errettung, so wie der zweite Protagonist in Adolf Muschgs ›Der weiße Freitag. Eine Erzählung vom Entgegenkommen‹. Autobiografisch angehaucht begeben zwei Männer sich auf eine Reise ins Innerste, ins Äußerste. Sie konfrontieren sich mit dem Tod und treffen so auf das Leben. VIOLA STOCKER darf sie begleiten. 

Läufer

Kulturwandel

in Prosa/TITEL-Textfeld

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Kulturwandel

Von der Tragweite des Wandels machen sie sich keine Vorstellung, sagt Gramner. Wenn sie überhaupt eine Chance nutzen wollen, die Katastrophe abzuwenden, müssen sie ihr Leben umstellen, sagt er.

Was soll das heißen, daß sie ihr Leben umstellen, Thimbleman, was meint er damit. Manchmal verstehe ich Gramner nicht.

Wie solltest du. Er redet über eine Zukunft, die dir und mir nicht bekannt ist.

Die Moderne, ich weiß. 

Cale

Cale-Raunacht

in Kurzprosa/Prosa

Kurzprosa | Tina Karolina Stauner: Cale-Raunacht

Die Zuhörer im Quasimodo noch in Gesprächslaune. Small Talk und Namedropping. Jemand sagt: »Calexico und Simple Minds haben gerade eine neue CD raus.« Eine Frau, die sich ganz an den Bühnenrand drängt, schreit jemandem nach hinten zu: »Von John Cale haben wir doch auch eine CD, oder?«  

Loeb - Zeitweichen

Fastfood für die Fantasie

in Prosa/Roman

Kurzprosa | François Loeb: Zeitweichen. Fast-Read-Romane

François Loeb ist ein Relikt. Seine Erscheinung erinnert an die eines klassischen Gentleman, nonchalant, gebildet, beredt. Seinen Ruhestand hat sich der weltmännische Unternehmer, Politiker und Autor wohl verdient und darf ihn seinen Lieblingstätigkeiten widmen – ein beneidenswerter Zustand. Es passt zum Image des Bohemien, dass er in einem großen Schweizer Blatt seine Fast-Read-Romane veröffentlichen kann. Die vorliegende Printausgabe widmet er der Zeit. In Zeitweichen begegnet VIOLA STOCKER der Herausforderung, die Zeit nicht unnötig zu vergeuden. 

Hurricane

Wasser, Wind

in Prosa/TITEL-Textfeld

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Wasser, Wind

Manchmal wird es beinahe zu viel, Ausguck.

Die beiden Kadaver von der ersten Fangfahrt sind geflenst, wir liegen den vierten Tag in der Ojo de Liebre, den Schwarzen auf der ›Marin‹ geht die Arbeit aus. Trotzdem ist es auszuhalten, daß keine Arbeit anfällt. Der Ausguck nahm drei Schritt Anlauf und schlug einen Salto. 

Walfang

Angeschlagen

in Prosa/TITEL-Textfeld

Textfeld | Wolf Senff: Angeschlagen

Das Leben gehe an ihnen vorbei, klagen sie, sagte der Ausguck.

Da kannst du von Glück reden, daß du unversehrt bist.

Habe ich mich beschwert?

Nicht daß ich wüßte.

Der Ausguck stand auf und machte einen Handstand, dann lief er zum Wasser. 

Schlafende Erinnerungen

Stimmungen und Empfindungen

in Kurzprosa/Prosa

Kurzprosa | Patrick Modiano: Schlafende Erinnerungen

»Es geht in meinen Büchern überhaupt nicht um mein eigenes Leben. Ich benutze nur Empfindungen, die ich gehabt habe, und Stimmungen, in denen ich gelebt habe«, bekannte Patrick Modiano, Nobelpreisträger des Jahres 2014, in einem seiner wenigen Interviews. Und doch schreibt der inzwischen 73-jährige französische Autor, für dessen umfangreiches Werk Paris mindestens ebenso wichtig ist, wie es Köln einst für Heinrich Böll war, stets sanft an seinem eigenen (Er)-Leben entlang. Von PETER MOHR 

TITEL Textfeld

Litanei

in Prosa/TITEL-Textfeld

Textfeld | Konstantin Arnold: Litanei

Es war gestern und es war spät. Ich weiß nur, dass es ungebrochene, unverheiratete Männer waren. Noch nie verwundet. Mit Kurzhaarschnitten und ehrlicher Arbeit. Dreck unter den Nägeln und den nötigen Kraftausdrücken. Sie hatten an langen bunten Strohhalmen gezogen und vor qualmenden Drinks gesessen. Da waren Nüsse und Aschenbecher so klar wie Kristalle, die das kalte Licht der Röhrenlampen mit etwas mehr Wärme zurück in den Raum schleuderten.  

Hackl - Am Seil

Ein Held namens Duschka

in Prosa

Erzählung | Erich Hackl: Am Seil

»Ihr Tod in der Gaskammer, das wäre auch Lucias, Reginas Schicksal gewesen. Hätte es ihn nicht gegeben, Reinhold Duschka.« Mit diesem lapidar klingenden Satz lässt der Österreicher Erich Hackl seine Erzählung ›Am Seil‹ ausklingen. Zuvor hat er den Leser auf eine beklemmende Zeitreise geschickt, in der es um Leben und Tod, Vertrauen und Verrat geht. Von PETER MOHR 

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