Erkennungsmerkmale

Kinderbuch | Julianne Moore: Streuselnase Erdbeerkopf

Zitrone oder Buttermilch helfen angeblich gegen die kleinen, harmlosen Pigmentflecken, die vor allem bei heller Haut durch Sonnenlicht entstehen. Und Sommersprossen treten gern gemeinsam mit roten Haaren auf. Eigentlich sehr hübsch, aber wer möchte schon Streuselnase oder Erdbeerkopf gerufen werden, fragt sich auch ANDREA WANNER.

Ein Mädchen in grünen Hosen mit langen roten Haaren und Sommersprossen, reckt lachend ihre Arme in die Luft.Solche Äußerlichkeiten eignen sich wunderbar zum Hänseln. »Du siehst aus wie eine Giraffe … nur kleiner mit Sommersprossen« heißt es da von Gleichaltrigen. Oder »Fast wie Schmutzflecken«. Das ist gemein und verletzend und die Siebenjährige versucht, die Dinger loszuwerden. Und weil nichts hilft, beschließt sie selbst zu verschwinden. Nicht ganz richtig, aber mit einer Mütze, die außer Mund und Augen nichts freilässt. Niemand ärgert sie mehr, niemand weiß, wer unter der Mütze steckt. Aber ob das die Lösung ist?

Hinter der halb-autobiografischen Geschichte über ein Mädchen, das lernt, sich so zu akzeptieren, wie es ist, steckt die amerikanische Schauspielerin Julianne Moore. Ihr gelingt es zu zeigen, dass »Streuselnase Erdbeerkopf« auch ganz nett gemeint sein kann, eine kleine Neckerei, die die anderen nicht böse meinen. Sie mögen sie trotzdem, wollen mit ihr spielen und mit ihr befreundet sein. Kleine Anmerkung am Rande: In den USA wurde das Buch an allen Schulen verboten, die vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium betrieben werden, da es »möglicherweise mit der Gender-Ideologie oder der Gleichstellungsideologie« in Verbindung stehe. Über manche Dinge kann man nur den Kopf schütteln.

Mit vielen kleinen Punkten, die sich nicht nur auf Armen, Beinen und dem Gesicht finden, sondern auch auf der Duschhaube oder dem Sofa begleiten die Illustrationen von LeUyen Pham diese kluge Geschichte, die zeigt, wie man mit sich selbst glücklich werden kann, wenn man sich so nimmt, wie man ist. Die Figuren im Comicstil toben über die Seiten und irgendwann ist die liebenswerte Kleine keine Randerscheinung mehr, sondern mittendrin. Das macht Mut und auch ein Blick in die Zukunft am Ende zeigt, dass sie glücklich bleibt. Mit Sommersprossen.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Julianne Moore: Streuselnase Erdbeerkopf
(Freckleface Strawberry, 2007)
Aus dem Englischen von Ruth Keen
Mit Illustrationen von LeUyen Pham
Berlin: Schaltzeit Verlag 2025
40 Seiten, 18 Euro
Bilderbuch ab 4 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Sut erzählt (3)

Nächster Artikel

Literarische Kammermusik

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Ziemlich viele Besserwisser

Kinderbuch | Marc-Uwe-Kling: Das Klugscheißerchen

Es könnte nerven, wenn es nicht so witzig wäre: Bei Familie Theufel weiß immer eine*r alles besser als alle anderen. Die Rollen wechseln – bis überraschend jemand Neues auftaucht. ANDREA WANNER hatte ihren Spaß.

Killekille

Vorlesebuch | Jutta Bauer: Emma lacht

Emma ist ein überaus munterer kleiner Bär. Und wenn Emma lacht, dann muss man einfach mitlachen, findet ANDREA WANNER

Stark sein

Kinderbuch | Helga Gutowski: Graukatze Stark sein wollen, ist leicht. Man kann davon träumen, wie man Schwierigkeiten mit eindrucksvollen Muskeln und flotten Sprüchen im Handumdrehen aus der Welt schafft. Die Realität sieht anders aus. Wie man die Stärke entwickelt, die in die Wirklichkeit passt, erzählt Helga Gutowski in ihrem zweiten Kinderbuch ›Graukatze‹. Von MAGALI HEISSLER

Tierisch ungerecht

Kinderbuch | Annejan Mieras: Hanno und der Notfall

Manchmal spielt einem das Leben übel mit. Gerade wenn man klein ist, kann man sich gegen manche Ungerechtigkeiten nicht zur Wehr setzen. Die Erwachsenen sind einfach stärker. Und dann behaupten sie auch noch, es sei ein Notfall. Durchaus nachvollziehbar, oder? ANDREA WANNER war neugierig.

Erntezeit

Kinderbuch | Tang Wei: Im Garten von Oma Apo

Oma Apo wohnt in China, im obersten Stock eines großen Hauses. Das Besondere aber findet sich nicht in ihrer Wohnung, sondern noch höher: auf dem Dach des Hochhauses. Von ANDREA WANNER