Sut erzählt (4)

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Die Makah jagten den Wal anders als wir, sagte Sut.

Wie könne man den Teufelsfisch anders erlegen, fragte LaBelle verwundert, das interessiere ihn.

Auf hoher See, sagte Mahorner, jage man den Wal anders als wir mit der ›Boston‹ in den Lagunen, sei es das?

Nein, das meine er nicht, hielt Eldin dem rüde entgegen. Er war gereizt, eine Schulter schmerzte, alle Pläne drohten wie ein Kartenhaus einzustürzen, die Männer hatten ja keine Ahnung, doch er würde sich hüten, davon zu sprechen.

Auf hoher See setze man dem Pottwal nach, wir aber jagten den Grauwal, sagte Thimbleman.

Das sei der Unterschied, oder, fragte Bildoon verärgert.

Was denn nun, fragte Pirelli, sie sollten Sut doch erzählen lassen, er komme ja gar nicht zu Wort.

Das müsse Pirelli sagen, mokierte sich Crockeye. Die Stimmung war gereizt.

Sie seien jetzt den siebten Tag untätig und wollten endlich dem Teufelsfisch nach, erinnerte Sut, er verstehe ihen Ärger.

Scammon hocke Tag und Nacht in der Kajüte und arbeite an seinen Aufzeichnungen über Walfang und Robbenjagd, ergänzte Mahorner, auch das sei auf Dauer kein Zustand.

Das Gespräch stockte, und plötzlich klangen schrille Hilferufe wie aus dem Nichts.

Die Männer erschraken.

Wette schien amüsiert.

Hilfe! Hilfe!

Nichts von Bedeutung, sagte Wette, es handle sich um eine namenlose Figur, sagte er, sie sei auf der Flucht und irrlichtere bald hier, bald dort durch Erzählungen, werde aber nirgends aufgenommen und sei bald wieder verschwunden, sogar am Toten Meer sei sie gesehen worden, sie habe dort mit Sergej aus Murmansk Backgammon gespielt, und nein, kein Walfänger, und niemand wisse, woher sie komme und wo sie wieder erscheinen werde, sagte er, man habe sich an sie gewöhnt.

Welch ein Durcheinander, mokierte sich Annika.

Ein Chaos, konstatierte LaBelle.

Drei oder vier Männer applaudierten zaghaft, doch Eldin schnauzte rigide dazwischen: Gebt einmal Ruhe! Laßt Sut von den Makah erzählen! Eldins Auftritte waren gelegentlich so cholerisch.

Sut blickte auf die Lagune hinaus und wartete ab, daß die erhitzten Gemüter zur Ruhe fänden.

Ihr werdet euch wundern, begann er. Die Makah erlegten wenige Wale, vielleicht drei, vielleicht vier, doch das sei der geringste Teil ihrer Jagd.

Drei? Vier? Was habe er geraucht, flüsterte Harmat.

Er solle nicht albern sein, sagte Bildoon, und er wolle das jetzt wissen.

Sie seien überzeugt, daß alle Existenz eine Einheit bilde und das Körperliche sich nicht vom Geistigen trennen lasse.

Was das mit dem Wal zu tun habe, fragte Bildoon, und wie sie das meinten.

Selbstverständlich, versicherte Sut, habe das mit dem Wal zu tun. Die geistige Dimension, so glaubten sie, sei für alles Geschehen ausschlaggebend, und vor Beginn der Jagd, vor Beginn des Tötens gelte es  rituell die Erlaubnis einzuholen, damit die Harmonie nicht beschädigt werde.

Den Zuhörern verschlug es die Sprache. Davon hatten sie nie vernommen. Eine geistige Welt?

Es war still geworden, mucksmäuschenstill, abgesehen einmal vom einschläfernden Rauschen der Brandung.

| WOLF SENFF

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