Kreative Naturfotografie

Sachbuch | Kreative Naturfotografie

Ein fast sechsseitiges Inhaltsverzeichnis, über 400 Seiten insgesamt und sechs Autoren und Autorinnen, das ist schon ein großartiges Buch und der Inhalt, das sei vorweggenommen, er hält, was seine formale Üppigkeit verspricht Von BARBARA WEGMANN

Schilf am Rande eines kleinen WeihersDa sind »begeisterte Naturfotografen«, die zu einer spannenden Reise in ein immer beliebter werdendes Kapitel der Fotografie einladen: Die Naturfotografie. Preise haben sie gewonnen, sie haben ihre Werke ausgestellt und sie schreiben für Fachzeitschriften, haben Bücher herausgebracht. Da trifft Leidenschaft auf Profifotografie. Nach der Lektüre des Buches kommt noch hinzu: die sechs Naturfotografen können Wissen auch bestens vermitteln, sie beziehen den Leser und Lernenden mit ein, gehen Schritt für Schritt vor, erläutern und erklären verständlich, und dokumentieren Gesagtes mit wunderbaren Bildern! Für die Vermittlung aller Kniffe und Tricks, aller Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten, aller Raffinessen und Erkenntnisse leiten die Autoren durch »Wasserwelten«, »Moor und Heide«, unternehmen einen »Waldspaziergang«, verbringen einen »Tag am Meer«, schauen in »weites Land« oder begeben sich in den »Großstadtdschungel«. Aber das Allerwichtigste präsentiert bereits das allererste Kapitel: »Entlang und abseits des Weges«. Das Auge ist sozusagen neben der Kameraausrüstung die Grundlage für alles, denn alles, was das Auge nicht erkennt, sieht und was die Kreativität nicht anregt, das wird sich auf dem Foto auch nicht wiederfinden.

Der Wegesrand habe, so die Autoren, ökonomisch betrachtet nur einen geringen Nutzen. »Sie werden wenig beachtet, doch genau darin liegt ihr großer Wert. Für viele Tier- und Pflanzenarten sind sie ein bedeutender Lebensraum: Rund 1000 Pflanzenarten und ebenso viele Tierarten können im Lebensraum Wegesrand vorkommen.« Für den Anfang schon mal ein gutes Revier, das viele Überraschungen bereithalte. Winzige Blütenpollen fotografiert im Wechselspiel von Licht und Nähe und Schärfe, von Farbe und Schatten. Im Kleinen anfangen zu lernen, um dann im Großen Sicherheit, Erfahrung und Routine zu erwerben und zu haben. Man ist erstaunt, was es für eine Fülle an kleinen Lebewesen und Pflanzen an Wegesrändern gibt, die man ohne Kamera nie beachtet hätte, Sie werden sehen …

Schwieriger wird’s schon beim Thema Wasserwelten. »Die Kombination aus Bewegung, Reflexion, Transparenz und dem vielfältigen Leben, das das Wasser beherbergt, eröffnet unzählige Möglichkeiten für beeindruckende Aufnahmen.« Regen, Wellen, das Plätschern des Wassers, Tiere und ihre Bewegungen auf Gewässern.

Natürlich gibt das Buch auch die technischen Daten zur Kamera, legt aber bewusst den Schwerpunkt auf die künstlerische, auf die kreative Arbeit. »Linien, Formen und Texturen gezielt herauszuarbeiten«, das gehört ebenso dazu wie »Licht und Schatten für besondere Stimmungen zu nutzen«. Ein wunderbares Mittel für ganz besondere Effekte: die Unschärfe. Letztlich ganz neue Perspektiven finden oder »ungewöhnliche Bildkompositionen.« Alles dokumentiert das üppige und auch nicht preiswerte Buch in Wort und Bild absolut verständlich und vor allem: sehr motivierend. Also: Beim nächsten Spaziergang die Kamera nicht vergessen und mit dem Wegesrand einfach einmal beginnen.

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Markus Botzek/Frank Brehe/ Silke Hüttche/ Thomas Scheffel/ Sebastian Vogel/ Sandra Westermann: Kreative Naturfotografie
Naturmotive künstlerisch gestalten und stimmungsvoll fotografieren
Bonn: Dpunkt.verlag 202
408 Seiten, 44,90 Euro
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Eine Andere Art des Zuhörens

Nächster Artikel

Mallorcas Westen: Zwischen Meer und Bergen in der Nachsaison

Weitere Artikel der Kategorie »Sachbuch«

Die ungeliebte Tochter

Menschen | Kerstin Holzer: Monascella – Monika Mann und ihr Leben auf Capri

Sie trug einen berühmten Namen und eine große Bürde. Monika Mann ist die Außenseiterin der legendären, faszinierenden Künstlerfamilie. Doch Sonderlinge sind spannend - in der Literatur wie im Leben, findet Kerstin Holzer, die ein zutiefst einfühlsames und bewegendes Porträt der Tochter von Thomas Mann geschrieben hat. Die Autorin begibt sich in ›Monascella – Monika Mann und ihr Leben auf Capri‹ auf die Spuren einer Frau, die auf der italienischen Insel ihre Selbstbefreiung und die Liebe erfuhr und zur Schriftstellerin reifte. Von DIETER KALTWASSER

Der lange Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit

Sachbuch | W. Benz: Die Ukraine / K. Raabe, K. Mishchenko: Aus dem Nebel des Krieges

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat ein über einen großen Zeitraum hinweg von den Ländern des Westens nur sporadisch bemerktes Land in das Zentrum internationaler Aufmerksamkeit gerückt und die Welt in Unruhe und teilweise chaotische Turbulenzen versetzt. DIETER KALTWASSER über zwei neue Bücher, die Geschichte und Gegenwart der Ukraine beleuchten.

Maritimes Kaleidoskop

Sachbuch | Chris Dixon, Jeremy K. Spencer Meer: Das ultimative Handbuch

Egal, wo man anfängt oder aufhört, egal welches Kapitel man in diesem Buch aufschlägt, es wird immer der Einstieg in ein spannendes Buch sein. Es ist eines jener Bücher, die einer Pralinenschachtel ähneln, wehe man fängt einmal an … dann mag man nicht mehr aufhören. So erging es BARBARA WEGMANN

Im Zeitalter fundamentaler Ökonomisierung

Gesellschaft | M. Metz, G. Seeßlen: Geld frisst Kunst. Kunst frisst Geld Beim Lesen dieser umfassenden Darstellung von Kunst in der Gegenwart kommt immer wieder die Frage auf, ob die geschilderten Phänomene nicht der Kunst ebenso wie dem Fußball zu eigen sind oder der Schauspielerei. Überhaupt fällt auf, dass Markus Metz und Georg Seeßlen einzelne Kunstwerke nur im Ausnahmefall erwähnen. Es geht in neoliberalen Zeiten um das neue Besondere von Kunst, das in der Ökonomie der Kunst bzw. in der Aneignung der Kunst durch Ökonomie sichtbar wird – ein Frontalangriff, der sie fundamental veränderte. Von WOLF SENFF

Fressführer 2015

Kulturbuch | Deutschland Guide Michelin / Gault Millau Österreich / A la Carte 2015
Alle Jahre im Spätherbst kommen die aktuellen Restaurantführer in die Buchhandlungen, und es werden, neben den »Klassikern« Michelin und Gault Millau, immer mehr. Dabei geraten sie in eine Zwickmühle: Entweder sie ähneln sich bis zur Ununterscheidbarkeit, oder sie bemühen den subjektiven Geschmack – dann freilich gibt es wenig Ursache, ihnen zu vertrauen. Denn einen eigenen Geschmack hat auch der Benutzer, findet THOMAS ROTHSCHILD