Ein etwas anderes Kochbuch

Comic | Christophe Blain: In der Küche mit Alain Passard

Christophe Blaines Comic ›In der Küche mit Alain Passard‹ porträtiert das Wirken des französischen Sternekochs in seinem Pariser Restaurant – und lädt mit 15 Rezepten zum Nachkochen ein. Der Band erschien schon 2014 in deutscher Übersetzung bei Reprodukt. Ist er heute noch bekömmlich? Von SEBASTIAN HEUSER

Ein Mann mit Kochschürze steht an einem Tisch, auf dem einige Kochutensilien sind.Alain Passard gehört zu den erfolgreichsten französischen Köchen. Er betreibt das Restaurant Arpège in Paris – und drei Gemüsegärten, um möglichst frische und unbehandelte Produkte für sein Lokal zu bekommen. Es hat drei Sternen im Guide Michelin.

Christophe Alain liefert mit ›In der Küche mit Alain Passard‹ einen Comic über das kulinarische Gesamtkunstwerk des Gemüseenthusiasten. Der preisgekrönte Comicautor schaute mehr als drei Jahre in die Kochtöpfe des französischen Spitzenlokals und zeichnet ein Bild davon, wie Alain als akribischer Arbeiter mit viel Liebe zum Detail ans Werk geht.

In Frankreich sind Comics ein wichtiger kultureller Bestandteil. Viele der im Buchhandel ausliegenden Comics bringen den Lesern aktuelle politische Geschehnisse näher. Diese werden teilweise satirisch verarbeitet, zusätzlich gibt es historische Publikationen und natürlich die klassischen Comics der frankobelgischen Unterhaltungsindustrie wie ›Spirou und Fantasio‹.
Kochkultur

Im Gegensatz zu Deutschland genießt die nationale und regionale Küche im Hexagon – so nennt man in Frankreich das Land um Paris – einen enorm hohen Stellenwert. Der Berliner Verlag Reprodukt hat sich des außergewöhnlichen Unterhaltungs-Cuvées angenommen und das Werk ins Deutsche übersetzen lassen – zum Glück. Es gewährt einen spannenden Blick hinter die glitzernde Fassade der Haute Cuisine und zeigt, wie akribisch der Spitzenkoch an seinen Gerichten arbeitet und mit welcher Leidenschaft er dabei vorgeht.

Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise durch das Restaurant: vom ersten Besuch und dem ersten Treffen mit Alain über seine Hingabe für Gemüse, seine klare Linie und die Betonung des Eigengeschmacks der zu verarbeitenden Lebensmittel.

Ein Koch in verschiedenen Dialogszenen.
Abb. Reprodukt
Neben 15 meist einfachen Rezepten erfährt man, wie und vor allem an wem Alain seine neuen Gerichte testet und wie er seine Mitarbeiter motiviert, sich zu entfalten, an sich selbst zu wachsen und das Beste aus sich herauszuholen. Denn eines wird beim Durchblättern des Comics auch den Leuten klar, die nicht in der Sterneküche gearbeitet haben: Als Chefkoch mit diesem Standing benötigt man Mitarbeiter, die die Ambitionen haben, auf einem ähnlich hohen Niveau zu performen und zu kochen, um die Gerichte im eigenen Sinne weiterzuentwickeln. Die Zutaten auf dem Teller verändern sich im Laufe der Jahreszeiten, sodass die Gerichte nicht mehr dieselben sind, wenn man das Restaurant zu einer anderen Jahreszeit betritt.

Mehr als ein Appetithäppchen

Der Comic macht Hunger, und die einfachen Rezepte animieren direkt zum Nachkochen. Die Rezepte werden mit ihren Entstehungsgeschichten präsentiert und wer möchte, kann beim Ausprobieren der Gerichte auch andere Varianten testen.

Am Ende der Lektüre erfährt man noch einiges über das Arbeitspensum in der Spitzen-Gastronomie, wie Alain damit umgeht und wie er seinen Urlaub verbringt. Wie das ist? Lassen Sie sich überraschen.

| SEBASTIAN HEUSER

Titelangaben
Christophe Blain: In der Küche mit Alain Passard
Aus dem Französischen von Ullrich Pröfrock
Berlin: Reprodukt 2014
96 Seiten, 20 Euro
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

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