Ein »merk-würdiges« Sammelsurium

Sachbuch | Mathias Plüss: Gut zu wissen

Nr. 182 ist schon krass. Das gilt erst recht für Nr. 202. Und Nr. 401? Die ist eher kurios. Doch wovon ist hier überhaupt die Rede? Es handelt sich um die Nummern, mit denen der Wissenschaftsjournalist Mathias Plüss seine gesammelten Fakten versehen hat. Er trägt seit vielen Jahren kurioses, erstaunliches und aufschlussreiches Wissen zusammen und präsentiert einen Teil dieser Sammlung nun in gedruckter Form. MARTIN GEISER ist in das Reich der Fakten eingetaucht.

Von Aal bis Zyklus – alles drin, alles kurz

Zeichnung eines Mannes, dessen Kopf aufgeklappt ist. Der Buchtitel fliegt aus seinem Kopf heraus.Das Konzept von «Gut zu wissen»: Erstens präsentiert Plüss alles wild durcheinander. Forschungsergebnisse zum menschlichen Verhalten folgen auf sprachliche Besonderheiten, und Gesundheitsfakten treffen auf Kuriositäten aus dem Tierreich.

Es fehlen weder Informationen zu Bananen, Banknoten und Bankräubern, noch zum Römischen Reich. Zweitens ist jedes Faktum kurzgefasst – meist bloss in ein paar Zeilen, manchmal sogar in nur einem Satz.

So viel Wissen – so wenig Konsequenzen

Plüss‘ Faktensammlung zu „erforschen“ bereitet einerseits grosses Vergnügen. Leserinnen und Leser treffen auf Überraschendes und Erstaunliches. Auf Wichtiges, Unglaubliches, Belustigendes und Verwunderliches. Doch der Autor listet auch Bedenkenswertes und Bedenkliches auf. Fakten, die man einigermassen schockiert zur Kenntnis nimmt und sich fragt: Warum zeitigt dieses Wissen bisher kaum Folgen?

Niemand scheint sich dafür zu interessieren, dass jeder fünfte deutsche Jugendliche noch nie etwas vom Klimawandel gehört hat (Nr. 751). Insgesamt bietet «Gut zu wissen» eine ausgeglichene Mischung aus Unterhaltung und Denkanstoss.

Lust auf ein kleines Quiz?

Doch zurück auf die eingangs erwähnte Nr. 182: Hier erfahren wir, dass der Palast des türkischen Präsidenten Erdoğan 1100 Zimmer besitzt und von über 1000 Polizisten bewacht wird. Offenbar eine Frage der Prioritäten. Wie dem auch sei, die Reise durch die wilde Welt der Fakten geht unerbittlich weiter.

Aus Plüss‘ Sammlung lassen sich auch prima Quizfragen zusammenstellen. Zum Beispiel aus den Nummern – 202, 401 sowie 423 und 858:

Hätten Sie es gewusst?
1) Wie viele Prozent der Weltbevölkerung atmen übers Jahr eine Feinstaubmenge ein, die über dem von der WHO festgelegten Grenzwert für eine unbedenklich Belastung liegt?
A: 70% – B: 80% – C: 90% – D: 99,999%
2) Wie groß ist (ungefähr) der Anteil der Menschen in den USA, die an Schutzengel glauben?
A: ein Viertel B: die Hälfte C: zwei Drittel D: vier Fünftel
3) Wie viele Zacken haben die Deckel von Bierflaschen?
A: 17 – B: 19 – C: 21 – D: 23
4) Wie viele Strophen hat die Griechische Nationalhymne?
A: 4 – B: 10 – C: 21 – D: 158

Die Lösungen stehen am Ende des Textes.

Die Würze in der Kürze?

Ist Plüss‘ Büchlein nun eine beliebige Ansammlung von Fakten, die man aufgrund des fehlenden Hintergrunds schnell wieder vergisst? Oder kann man daraus etwas mitnehmen? Beides trifft wohl zu: Einerseits erschweren die fehlende Einordnung und wohl auch das wilde Durcheinander das Einprägen des Gelesenen. Andererseits sind die »Plüss-Punkte« in der Regel so interessant, dass sie dadurch doch im Gedächtnis haften bleiben – zumindest bei Menschen, die ein Faible für ausgefallene Fakten haben.

Vorteilhaft fürs Merken und Behalten ist es, ›Gut zu wissen‹ nicht am Stück durchzulesen. Besser legt man es nach ein paar Seiten kurz ab, um den Kopf zu lüften. Ideal also für unterwegs oder vor dem Zubettgehen. Eine andere Strategie: Fakten, die man gerne vertiefen möchte, selbständig nachschlagen. In jedem Fall bleibt aber die Erkenntnis, dass dem menschlichen Forscherdrang und Wissensdurst kaum Grenzen zu setzen sind. Und dass uns dank des vorliegenden Buchs davon ein kleiner (unterhaltsamer) Teil erreicht.

| MARTIN GEISER

Titelangaben
Mathias Plüss: Gut zu wissen
984 Antworten auf Fragen , die niemand gestellt hat.
Basel: Echtzeit Verlag 2025 (2. Auflage)
272 Seiten, ca. 32 Euro/CHF

Hier noch die Lösungen: | 1:D, 2:C, 3:C und 4:D

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