Ein ungebetener Mitbewohner

Kinderbuch | Anushka Ravishankar: Moin und das Monster

Moin hat ein Problem. Unter seinem Bett sitzt ein Monster. Keine besonders angenehme Vorstellung. Vor allem kann er es erst einmal nur hören und nicht sehen. Dazu gibt es eine Monsterregel: Ein Mensch kann ein Monster erst dann sehen, wenn er es zeichnet. Und das bringt weitere und noch viel größere Probleme mit sich, findet ANDREA WANNER heraus.

Lilafarbene Schirft und gezeichnete Augen auf einer SchiefertafelWeil Moin keine Ahnung hat, wie das Monster aussieht, beschreibt es sich. Detailgetreu und mit kreischender Stimme gesungen erfährt der Junge, dass die Augen Funken versprühen, die Ohren als mächtige Hörner daherkommen, auf dem Kinn eine Totenkopfwarze wächst und das es Skier statt Füße hat. Weitere Einzelheiten kommen dazu und Moin malt eifrig – nach Anweisung auf dem größten Papier, das er zur Verfügung hat. Tatsächlich, das Monster nimmt Gestalt an – und erschrickt total, als es sich auf dem Bild sieht. »Iiiieh! Wie ich aussehe. Wie eine Witzfigur. Dabei soll ich den Leuten doch Angst einjagen.« Und das tut diese Karikatur eines Monsters tatsächlich kein bisschen, wie man sich selbst anhand der Zeichnung im Buch überzeugen kann. Aber die wirklich schreckliche Nachricht ist die Monsterregel Nr. 54, die besagt, dass ein Monster für immer bei dem Menschen bleiben muss, der es gezeichnet hat. Und das wollen weder Moin noch das Monster. Aber Monsterregeln sind unumstößlich und so gilt es, sich zu arrangieren.

Das Monster sorgt für Unruhe im Leben von Moin. Es vespert unzählige Bananen, so dass sich seine Eltern Sorgen um seine Gesundheit machen. Es singt und die Eltern melden Moin zu Gesangsunterricht an, weil sie glauben, das sei er. Es bringt die Schule in Aufruhr, weil es, flach wie Papier in Moins Hemdtasche, auch da herumzappelt und grässlich singt.

Wie Moin verzweifelt versucht, mit dieser Situation umzugehen, erzählt die indische Autorin Anushka Ravishankar auf heitere Weise erzählt. Mit viel Tempo, Einfallsreichtum und einer großen Portion Komik entfaltet sich eine Handlung, die immer wieder überraschende Wendungen nimmt. Dabei sorgt ein grotesker, manchmal auch leicht übertriebener Humor dafür, dass Moins verzweifeltes Ringen mit den Umständen nicht nur spannend, sondern vor allem äußerst unterhaltsam und amüsant wirkt. Geschrieben hat sie ihre Erzählung bereits 2012 und 2016 ist sie erstmals bei Baobab erschienen. Nachdem diese Auflage aber längst vergriffen ist, können sich junge Leserinnen und Leser jetzt erneut mit den Monsterregeln auseinandersetzen und überlegen, wie man am besten mit so einem ungebetenen Gast umgeht.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Anushka Ravishankar: Moin und das Monster
Eine Erzählung aus Indien (Moin and the Monster, 2012)
Aus dem Englischen von Barbara Brennwald
Basel: Baobab 2016, 2026
112 Seiten, 19 Euro
Kinderbuch ab 9 Jahren
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