Viele Beine, viele Zähne

Digitales | Games: Valve: Alien Swarm

Space Marines haben Hochkonjunktur, ob als messianischer Heilsbringer in Hightech-Rüstung (›Halo‹), schnodderiges Alienfutter (›Aliens – Die Rückkehr‹) oder stummer Schrotflintenträger (›DOOM‹ u. ›Quake II‹). In Valves gratis Top-down-shooter bekommt man schnodderige Marines in Hightech-Rüstungen und eine Busladung voller Waffen, die an dem namensgebenden Schwarm ausprobiert werden wollen. PETER KLEMENT ist in den Raumanzug geklettert, um eine unheimliche Begegnung der dritten Art Mores zu lehren.

Alien SwarmJeder, der einschlägige Filme gesehen hat, in denen arme Würstchen diversen Außerirdischen zum Fraß vorgeworfen werden, denkt sich aus der bequemen Sicherheit seiner Couch: »Mir wäre das NIE passiert, ich hätte da erst so fünf oder zehn Handgranaten geworfen!« Aus der bequemen Sicherheit einer Couch sagt sich so etwas leicht, doch schon, wenn man diese Position gegen die leicht unbequemere vor einem Monitor eintauscht, tun sich Abgründe auf.

Slapstick mit Sturmgewehren

›Alien Swarm‹ ist ein Spiel für vier Spieler, in dem jeder eine spezielle Rolle übernimmt, die in Film und Spiel eine stolze Tradition hat: Es gibt den Sarge, den Sanitäter, den Mann mit Maschinengewehr und den Sprengstoffliebhaber/Techniker. In einer idealen Situation bildet sich so ein Viereck, in dem jeder die Schwächen des anderen ausgleicht. Realität und Aliens haben allerdings eine andere Theorie, die eher mit Laurel & Hardy zu tun hat: Die beiden schaffen es selten durch eine Tür, ohne dass Chaos ausbricht. Man mag sich nicht ausdenken, was passieren würde, wenn Sturmgewehre, Granat- und Flammenwerfer der Mischung beigefügt würden.

Oft endet eine Runde gegen den Schwarm nicht an der Gefährlichkeit der Scharen von mordlüsternen Krabbelviechern, sondern an guter, alter Hybris: Jeder will sein Stückchen Ruhm oder das neueste Spielzeug ausprobieren. Daher ist es nicht unüblich, dass sich nach zwei Minuten der erste Marine mit einem Granatwerfer ins Jenseits befördert hat oder dem Flammenwerferträger vor die Mündung gelaufen ist und brennend in den Schwarm stolpert. »Mission failed!«

Es geht zwar auch anders …

Hin und wieder findet man doch kompetente Mitstreiter und dann hat das Ungeziefer nichts zu lachen, denn das Team flitzt aus allen Rohren feuernd durch das Level und verteilt physikalisch interessant Aliens mittels Kugelhagel in der Architektur. So macht kooperatives Spielen Spaß, Lust auf mehr und reaffirmiert den Couch-Marine für die nächste Ausstrahlung von ›Aliens – Die Rückkehr‹.

… aber am Ende wird´s doch nuklear

›Alien Swarm‹ ist eine gelungene Aufbereitung des Top-down-shooters, der gerade ohnehin eine erstaunliche Renaissance erlebt. Obendrein ist es kurzweilig, umsonst und man darf fieses Getier in ballistische Objekte verwandeln, auch wenn es am Ende alientypisch mit einem großen Knall endet. Der geschenkte Gaul hat zwar ungewöhnliche viele Beine, aber die Zähne sind beunruhigend zahlreich und in gutem Zustand.

| PETER KLEMENT

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

»Als ich neun Jahre alt war, wurde ich von einem Gorilla adoptiert«

Nächster Artikel

»Schatz, ich gehe nur kurz Zigaretten holen!«

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Gangs of London

Digitales | Games: Assassin’s Creed: Syndicate Fliegende Fäuste, schwindelerregende Kletterpartien. Karl Marx, Alexander Graham Bell und Kinder entführende Templer. Hurra, ein neues ›Assassins Creed‹ ist da – und bietet Gelegenheit in die Vergangenheit zu reisen. Dieses Mal kraxeln wir auf den Big Ben und meucheln ausbeuterische Kapitalisten im viktorianischen London zu Zeiten der Industrialisierung. Viel Qualm um nichts oder eine gut laufende Dampfmaschine? Von FLORIAN RUSTEBERG.

Schöpferischer Monolog

Digitales | Games: Pneuma – Breath of Life Wenn bei Videospielen Rätsel im Mittelpunkt stehen, dann fehlt es meist auch nicht an einer kleinen Dosis Philosophie. Gespielt wird mit den Erwartungen und Denkweisen des Spielers – im Idealfall. Ob das auch bei Deco Digitals ›Pneuma – Breath of Life‹ zutrifft, versucht FLORIAN RUSTEBERG herauszufinden.

Von blauen Bären und leeren Lobbies

Digitales | Games: Might & Magic: Clash of Heroes ›Clash of Heroes‹ ist eines der besten Puzzle-Taktik-Spiele, die es zurzeit gibt und, ach, je gegeben hat. Es ist vor allem aber auch ein brillantes Beispiel, um zu zeigen, wie sehr ein Multiplayer-Titel von richtigem Support abhängt, um erfolgreich zu sein. Von DENNIS KOGEL

Der Zustand der Game-Kritik

Digitales | Games-Kritik: Digitaler Rückblick Angesichts des latenten Rechtfertigungsdrucks der etablierten, aber wenig arrivierten Spiele-Kritik kann es nicht erstaunen, dass Introspektion und Nabelschau zu ihren Dauerbrennern gehören. Im Zuge der Rezession wurden die Flammen aber erst richtig geschürt Von DENNIS KOGEL und CHRISTOF ZURSCHMITTEN

Erinnerungen an die gamescom 2010

Digitales | Interview: Gamescom 2010 Zwei Wochen nach der gamescom 2010 wirft die ehemalige gamepals.de-Redakteurin und Spiele-Liebhaberin STEFFI MARX einen gemischten Rückblick auf die Entertainment-Messe, die erneut die Rheinmeteropole zum Zentrum der Spielefreunde in Deutschland machte: Welche Spiele begeisterten? Welche sollten wir besser meiden? Diese und mehr Fragen beantwortet uns die Leipzigerin im folgenden Interview.