//

Die Sucht – Das Malen

Ausstellung | Elisabeth Dering. Werke (1950-1970) im Schloss Aschaffenburg

Die 1921 in Husum geborene Malerin Elisabeth Dering entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer der prägenden Künstlerpersönlichkeiten der Aschaffenburger Kunstszene. Zu ihrem 90. Geburtstag widmet ihr das Schlossmuseum der Stadt Aschaffenburg die Sonderausstellung Die Sucht, das Malen – Elisabeth Dering. Werke (1950-1970). Von JÖRG FUCHS

Elisabeth DeringDer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den ersten »Aschaffenburger Jahren« der Malerin, einer Urenkelin Theodor Storms. Ihre vom Spätexpressionismus beeinflussten Werke, die in dieser Zeit entstanden sind – einige davon werden zum ersten Mal ausgestellt – spiegeln den Zeitgeist der von Umbruch und Neubeginn geprägten Nachkriegsjahre wider. In diese Zeit fallen auch Arbeiten anderer wichtiger Aschaffenburger Künstler wie beispielsweise von Anton Bruder, Walter Roos und Siegfried Rischar, die ebenfalls in der Ausstellung präsentiert werden.

Die Konzentration auf diese Epoche erläutert die Ausstellungsmacherin Julia Hasenstab: »Es ist uns wichtig, dem Besucher nicht nur ein Gefühl für die Kunst Elisabeth Derings zu vermitteln. Auch die Situation der bildenden Künstler in der Nachkriegszeit soll dargestellt werden.«

In diesem Zusammenhang werden in der Ausstellung typische Fragen jener Zeit angesprochen: Einerseits finden kulturpolitische Erwägungen platz, welche Art von Kunst nach ihrem Missbrauch für die Propaganda im Dritten Reich überhaupt noch ›erlaubt‹ sei und, ob Kunst generell politisch sein müsse.

Im Gegensatz dazu stehen die ganz alltäglichen Probleme der Bildenden Kunst in einer vom Krieg versehrten Stadt: Wo stellt man aus, wenn es keine dafür vorgesehenen Räumlichkeiten gibt? Fragen, die jeder der Künstler – so auch Elisabeth Dering – für sich allein beantworten musste.

Neben ihrem Œvre standen für Elisabeth Dering stets kultureller Austausch und die Weitergabe ihrer Liebe zur Kunst im Vordergrund. Daher würdigt die Ausstellung auch die Galerie Dering, die sich seit 1963 als Galerie, Ausstellungsraum und vor allem als wichtiger Treffpunkt für Künstler, wie auch für Kunst- und Kulturinteressierte etabliert hat.

Abbildung: ›Bildnis Beate‹, 1948. Privatbesitz. Museen der Stadt Aschaffenburg (Ines Otschik).

| JÖRG FUCHS
| Abbildung: ›Bildnis Beate‹, 1948. Privatbesitz. Museen der Stadt Aschaffenburg (Ines Otschik).

Titelangaben
Elisabeth Dering. Werke (1950-1970)
22. Oktober 2011 bis 22. Januar 2012
Schlossmuseum der Stadt Aschaffenburg

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Scheiße, das ist ja wie in den verdammten 80ern!

Nächster Artikel

Why do all good things come to an end?

Weitere Artikel der Kategorie »Ausstellung«

Ein außerordentlicher Landschaftsmaler

Ausstellung | Heinrich Reinhold in Hamburg Seine Ölskizzen vom Felsennest Olevano unweit Roms und seine Bilder vom Watzmann-Massiv gehören zum Schönsten, was die deutsche Landschaftsmalerei hervorgebracht hat. Der viel zu früh verstorbene Heinrich Reinhold (1788-1825) ist von mitlebenden Künstlern wie Ludwig Richter oder Julius Schnorr von Carolsfeld in den höchsten Tönen gepriesen worden und galt ihnen als der begabteste ihrer Zunft. Von PETER ENGEL

Sprache als Ereignis

Ausstellung | ›Sprache als Ereignis‹ im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf

Bücher können in jeglicher Hinsicht Phantasien freisetzen, wenn man sich nur vom Text treiben und inspirieren lässt und beim Lesen genau hinhorcht und hinschaut. Von PETRA KAMMANN

Der andere Janssen

Ausstellung | Hamburger Kunsthalle: Der andere Janssen Um den genialischen und leicht verlotterten Zeichner Horst Janssen ist in gewissen Hamburger Kreisen geradezu eine Art Kult getrieben worden. Den wenigsten dürfte dabei bewusst gewesen sein, dass es in der Hansestadt einen anderen Janssen gegeben hatte, der von der Kunstgeschichtsschreibung längst sanktioniert worden war und dessen ungewöhnliches Selbstbildnis ein Glanzstück der örtlichen Kunsthalle ist. Diese Selbstdarstellung von Victor Emil Janssen (1807-1845) ist denn auch nicht zufällig für den Umschlag des voluminösen Katalogs zur Ausstellung ›Hamburger Schule‹ gewählt worden, er ziert auch das Plakat der Schau und ist ein Leitbild der ganzen Unternehmung.

Farben, die blühen

Ausstellung | Heilbronn: Hal Busse in der Kunsthalle Vogelmann

Heilbronn überrascht immer wieder! Denn die Stadt am Neckar, umgeben von Weinbergen und geprägt von einer reichen Geschichte als Reichs- und Handelsstadt, hat sich in den vergangenen Jahren mit spannender Dynamik neu erfunden. Und auch aktuell gibt es für MARC PESCHKE einen guten Grund, Heilbronn mal wieder zu besuchen. Denn mit der Ausstellung ›KOSMOS BUSSE. HAL BUSSE‹ widmet die renommierte Kunsthalle Vogelmann einer Künstlerin nun eine umfassende Retrospektive, deren Werk von internationaler Bedeutung ist – und zugleich eng mit Heilbronn verbunden bleibt. Bis zum 29. März ist die Schau im zentral gelegenen Museumsbau zu erleben.

»Superstar« der Renaissance

Ausstellung | Raffael: Wirkung eines Genies

Die Hamburger Kunsthalle zeigt bis Oktober eine Ausstellung über die Wirkung Raffaels (1483–1520), der zu den herausragenden Künstlern der Renaissance zählt. PETER ENGEL hat die Ausstellung gesehen.