Wer nicht wagt…

Kinderbuch | Anne Maar: Der Sprung ins Wasser

Den Sprung ins kalte Wasser wagen, bedeutet eine neue Aufgabe bewältigen müssen. Vor solchen Herausforderungen stehen sieben junge Menschen in den Geschichten von Anne Maar. Also, dann los – findet ANDREA WANNER

Anne Maar: Der Sprung ins Wasser
Anne Maars Geschichten sind aus dem Alltag gegriffen und richten sich an Jungs und Mädchen ab 10 Jahren – ähnlich alt wie die Heldinnen und Helden, die sie vorstellt, die sich altersmäßig in jenem Graubereich, der nicht mehr Kind und noch nicht ganz Jugendliche/r ist. Keine einfache Zeit. Das, was einen plagt, wird nicht mehr automatisch von Erwachsenen in Ordnung gebracht. Wie viel Freiheit hat man, braucht man, will man? Auf wen kann man sich verlassen? Anne Maar hat genau hingeschaut.

Ganz alleine –

Manche Situationen ergeben sich plötzlich. So wie die von Isabel, die ein ganzes Wochenende allein zu Hause verbringt. Na ja, die Eltern gehen davon aus, dass da noch die ältere Schwester ist, aber die hat sich zu ihrem Freund verzogen und Isabel Stillschweigen darüber auferlegt. Endlich die Möglichkeit, all das zu tun, was sonst nicht erlaubt ist: stundenlang das Lieblingslied hören, unbegrenzt fernsehen und auch jene Sendungen anschauen, die eigentlich nicht für Kinder in diesem Alter geeignet sind, Süßigkeiten essen – einfach all jene Regeln über Bord werfen, die einem sonst das schöne Leben, das man führen könnte, ruinieren. Aber ist das wirklich so super? Ein leichtes Unwohlsein schleicht sich bei Isabel ein, aus dem nach übermäßigem Genuss on Naschzeugs ein echtes Unwohlsein wird. Wie können diese Tage aussehen, um wirklich so toll zu werden, wie sich Isabel das immer vorgestellt hat?

Charlotte vertraut ihrem Tagebuch an, wie nett sie Lennart findet, wie sie am See mit ihm herumalbert, wie er sie tröstet, wenn sie eine schlechte Note bekommen hat und wie er mit ihr spazieren geht. Aber Charlotte ist zwölf und Lennart schon über 18. Ist das alles so harmlos, wie Charlotte denkt? Oder so gefährlich, wie ihre Mutter argwöhnt, die Charlotte das Alleinsein mit Lennart untersagt?

Oder die Situation auf dem Dreimeterbrett. Ausgerechnet Lea, die sonst so sportlich ist, hat Angst vor Wasser und vor dem Sprung in die Tiefe. Da lässt sich auf wenig Verständnis bei den Mitschülerinnen hoffen, der Spott, der ihr entgegenschlägt, war schließlich auch ihr eigner gegenüber der unsportlichen Paula.

Moritz dagegen möchte Pianist werden. Im Rampenlicht stehen, beklatscht werden – und dann kommt der Abend, an dem er über sich hinauswächst. Und das hat nicht nur mit seinen Klavierkünsten zu tun.

– oder doch nicht?

Einfühlsam spürt Anne Maar in ihren Geschichten den Gefühlen, Wünschen, Ängsten und Träumen ihrer jungen Heldinnen und Helden nach und stellt ihnen Freundinnen und Freunde zur Seite. Vor allem in Krisenmomenten dürfen sie sich darauf verlassen, eben doch nicht alleine zu sein, sondern Leid und Freud mit anderen zu teilen. Das gibt den Geschichten etwas Beruhigendes, Ermutigendes, ohne dass die Lösungen die Probleme außer Acht lassen. So dürfen sie denn jenseits aller naiven Blauäugigkeit gut ausgehen. 2000 erstmals erschienen – aber immer noch lesenswert für die heute Zehn- bis Zwölfjährigen.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Anne Maar: Der Sprung ins Wasser
Berlin: Tulipan 2013
138 Seiten, 9,95 Euro
Ab 10 Jahren

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