Route 666

Comic | Thomas Ott/Thomas Jane/Tab Murphy: Dark Country

Von wegen »auf dem Highway ist die Hölle los«: Der Highway ist die Hölle! Wer in Thomas Otts Dark Country unterwegs ist, begibt sich auf einen düsteren, intensiv verdichteten Road Trip ins Verderben. CHRISTIAN NEUBERT hat auf dem Rücksitz Platz genommen und sich vom Drive des Comics mitnehmen lassen.

dark
Der Zürcher Comic-Künstler Thomas Ott ist ein Meister der Schabkarton-Technik. Mit dem Cuttermesser lässt er in Düsternis gehüllte, sehr lebendige Bilder auf einen mit Wachs überzogenem Papierbogen entstehen. Außerdem ist er ein meisterhafter Erzähler schwarzer Stoffe, die – gerne Krimi-Handlungen verfolgend – das Horrorfach streifen. Dass er diese beiden Talente in seinen Comics zusammenführt macht praktisch jede seiner Veröffentlichungen zu besonderen Lese-Erlebnissen.

Sein neu erschienener Band Dark Country ist, obwohl das Szenario ursprünglich für das Medium Comic geschrieben wurde, die Adaption eines Films: Drehbuchautor Tab Murphy hat das zugrunde liegende Storyboard dem Schauspieler Thomas Jane vorgelegt, da dieser neben seinem Filmschaffen den Comicverlag Raw Studio betreibt. Jane war von dem Stoff begeistert – so sehr, dass er damit gleich sein Regiedebüt gab. Den eigentlichen Plan, die Geschichte Comic werden zu lassen, hat er jedoch nicht verworfen: Als sein Film 2008 abgedreht war, trat er mit dem Szenario an Ott heran.

Der Zick-Zack-Kurs, den die Vorlage genommen hat, ist garantiert das Beste, was ihr passieren konnte: Einen besseren Illustrator als Ott kann man sich für das Script nicht vorstellen. Der Zürcher versteht es wie kaum ein Zweiter, ausschließlich mit expressiven Bildern, ohne jegliche Worte, eine mitreißende Atmosphäre zu erzeugen. Dark Country saugt den Leser wie ein Strudel in seine Story. Seine Erzählweise steht dabei dem Film sehr nahe: Blick und Haltung der Figuren, das Fokussieren von Details sowie Bildfolgen, die wie Parallelmontagen funktionieren, transportieren die Handlung nachvollziehbar und glaubhaft.

Lesevergnügen ohne Worte, filmisch erzählt

Es ist wohl besser, im Vorfeld gar nicht viel über die Geschichte loswerden. Nur so viel sei gesagt: Dark Country erzählt von einem frisch vermählten Paar, dass Nachts auf einem verlassenen Highway einen Unfall hat: Durch Unachtsamkeit überfahren die Eheleute einen Mann, der – von der Straße abgekommen – seinen Wagen verlassen hat. Mit der guten Absicht, ihm zu helfen, schaffen sie ihn ins Auto. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Eine schockierende Wendung folgt der nächsten, bis das, was als Romanze beginnt und zum Psychothriller umschlägt, in Horror kulminiert – Horror, der aus Subtilem erwächst, bevor er eiskalt zuschlägt. Ott erwischt einen von innen heraus.

Dark Country macht sich gut im rabenschwarzem Repertoire des Schabkarton-Künstlers, obwohl sich Ott diesmal gar nicht selbst als Autor verantwortlich zeichnet. Die Handlung steht jedoch seinen Short Stories The Millionairs und Washing Days insofern nahe, als dass er hier wie dort narrativ auf die Art von Spannung und Dramatik setzt, die z.B. Filme wie Polanskis Der Mieter oder Nicolas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen auszeichnet. Dabei wird der Comic trotz Kapriolen schlagendem Dramaturgiebogen sehr geradlinig erzählt. Lange liest man nicht an Dark Country; Ott verdichtet die Story zu einem höchst intensiven, aber auch sehr kurzen Lesevergnügen. Der Qualität tut dies natürlich keinen Abbruch.

| CHRISTIAN NEUBERT

Titelangaben
Thomas Ott/Thomas Jane/Tab Murphy: Dark Country
Züruch: Edition Moderne 2013
56 Seiten 19,80 Euro

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