Schweden-Country und Musikgoldgräber

Musik | Toms Plattencheck

Der Schwede Lars Bygdén fand seine musikalische Heimat über die Umwege Psychedelic und Southern Rock. Bereits Ende der 90er Jahre entdeckte er seine – damals noch eher ungewöhnliche – Liebe zu Americana zwischen Willie Nelson und Merle Haggard. Von TOM ASAM

Lars-Bygdén-LB-Cover_1000px

Mit seiner (in der Namensgebung vermutlich von Gram Parsons Song 1000 Dollar Wedding inspirierten) Band The 1000 $ Playboys wurde er gefeiert und als Alt-Country-Innovator in seiner Heimat gewürdigt. Die Playboys zerbrachen an den hohen Erwartungen, Bygdén machte erfolgreich solo weiter. Sein nunmehr drittes Studioalbum trägt den schlichten Titel LB und weiß durch opulente Arrangements und bittersüße Stimmungen zu überzeugen. Pedal Steel, Piano und Bass klingen wunderbar warm, Lars Stimme brilliert – und dann schauen auch noch großartige Gäste vorbei. Christian Kjellvander hilft beim opener The Hole aus, Nashville-Lady Sharon Vaughn bezaubert den Hörer mit ihrer Stimme auf zwei Songs. Besonders schön: Maria, bei dem tatsächlich Erinnerungen an Gram Parsons und Townes van Zandt aufkommen. An Bygdén´s Psychedelic-Phase erinnert schließlich die gelungene Coverversion von Syd Barrett´s Dark Globe. Tolles Album!

analogaInzwischen dürfte es sich herumgesprochen haben, dass Chef-Compiler und Plattendigger Samy Ben Redjeb und sein Analog Africa Label absolute Garanten sind für die Freilegung afrikanischer Musik-Nuggets aus vergangenen Sonnentagen in der Plattenindustrie des Mutterkontinents der Musik. Die 2010 erschienene erste Fuhre von Angola Soundtrack konnte in der Kategorie Black Music den Preis der Deutschen Schallplattenkritik einheimsen. Die nun erschienene Fortsetzung Angola Soundtrack 2 trägt den Untertitel Hypnosis, Distortions & other sonic innovations 1969-1978 und deutet an, was hier abgeht: 21 Tracks voller Leidenschaft und Energie,in denen regionale Rhythmen auf musikalische Einflüsse von den Kapverden, dem Kongo sowie aus der Karibik zusammenkommen. Über die soziokulturellen Hintergründe, die zur besonderen Situation im Angola der 60er führten, gibt wie gewohnt ein reichhaltiges Booklet Aufschluss. Der Chef Samy Ben Redjeb warnt in den Liner Notes völlig zurecht: »Listening to these tracks may cause addiction and provoke heavy rotation.«

| TOM ASAM

Titelangaben
Lars Bygdén: LB – Westpark Music / Indigo
V/A: Angola Soundtrack 2 – Analog Afrika / Groove Attack

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Kleines Mädchen mit Riesenproblemen

Nächster Artikel

»Fucking LA«

Weitere Artikel der Kategorie »Platte«

Post Dænce Floor Grooves: An Interview With Slam

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world Slam are a band who need no introduction. With a name inspired by a legendary Phuture track the DJ/production duo of Stuart McMillan and Orde Meikle have, over the years, been responsible for some of the most vital techno and house to find its way to these ears. Their DJ sets in clubs such as Glasgow institutions Sub Club and The Arches have become the stuff of legend, while tracks like Positive Education, Stepback, Azure and Vapour are the highlight of any night spent on the dance

Das Tier im Manne rockt nicht im Mainstream

Musik | Toms Plattencheck Der Blick auf Bands jenseits der vermeintlichen Musiker-Oasen lohnt sich immer wieder. Gute Musik kommt schließlich nicht nur aus New York, Portland, Berlin oder London. Das Tier im Mann wütet auch anderswo. TOM ASAM hat sich umgehört.

Hallo, hier spricht …

Hörbuch | Edgar Wallace: Die Romanfabrik

Edgar Wallace! Vom Buchdeckel aus blickt er seiner Leserschaft direkt in die Augen: nahezu kahlköpfig, ein wenig schelmisch. Edgar Wallace, gebürtiger Brite, wurde durch seine zahlreichen, auflagenstarken und in unzählige Sprachen übersetzten Krimis einem großen Kreis bekannt. Von STEFAN HEUER

Barney Kessel Four & Five

Musik | Barney Kessel & Hampton Hawes: Quartet Quintet Es gibt Theoretiker, die sagen, es sei der Swing, was den Jazz ausmache. Sie kommen bei dieser CD voll auf ihre Rechnung. Barney Kessel war der wohl bedeutendste Jazzgitarrist der fünfziger Jahre. Obgleich er vom damals aktuellen Bebop geprägt war, ist seine Musik immer noch dem Swing verhaftet, ohne banal zu werden, wie das gelegentlich selbst einem Giganten wie dem nur zwei Jahre jüngeren Pianisten Oscar Peterson passierte. Von THOMAS ROTHSCHILD