Lestander, Tolstoy & Co

Musik | Free Jazz, Folk & Impro: Schatzkästchen und Fundgrube Schweden

»My aim as an artist was always simply to find and explore my own natural voice, my own conception of playing my instrument, and my music within the very generous but still style-founded field we call ›improvised music‹.« (Anders Jormin)

LestanderMit ›Sånger från Norr II‹ in Reflexionen über Schwedens Musikerkreise: Im frühen 19. Jahrhundert fängt die jüngere Tradition schwedischer Folkmusik an gefeatured mit den Instrumenten Fiddle und Nyckelharpa. Spelmän, schwedische Folkmusiker, begannen sich schon vor über hundert Jahren zum Musikmachen zu treffen und nannten das Spelmanslag.

Auf heutigen Festivals wiederentdeckt werden können Instrumente wie Bagpipe, Hurdy-Gurdy und Härjedalspipa. Es gibt in der Jetztzeit eine ganze Reihe schwedischer Folker eher unbekannteren Namens: die Bands Dreamers‘ Circus, Rosenbergs Sjua, Skäggmanslaget, die Musiker Jan Johansson‘, Carina Normansson, Dan »Gisen« Malmquist, Anders Norudde und viele andere.

Über subkulturelle Leute hinaus bekannt ist mittlerweile Lisa Lestander seit ihrer CD ›Sånger från Norr‹. Die Sängerin und Flügelhornistin hat nun eine CD mit ›Sånger från Norr II‹ betitelt. Weiteres Material aus dem Fundus der von ihr recherchierten Vergangenheit des nördlichen Schwedens. Lieder ihrem eigenen Naturell und ihrem Geschichtsbewusstsein folgend.

Im Team mit Jonas Knutsson am Saxophon und Mats Öberg an Harmonika und Synthesizer aufgenommen. Folktradition und moderner Kammerjazz in mehr konventionellen denn experimentellen Spuren. Die Landschaft und der Raum um die Musiker sind zwar historisch, aber klug in jetzige und jazzige Musikströmungen transformiert. Auf einer etwas anderen Schiene als Bengt-Arne Wallin, einem schwedischen Trompeter und Flügelhornist, der sich angefangen mit »Old Folklore In Swedish Modern« im Jahr 1962 auf amerikanischen Jazz der freien Art bezog und das »The Birth And Rebirth Of Swedish Folk Jazz« nannte.

In Schweden finden sich Weltklasse-Jazzer der Formationen um Lars Danielsson, Jacob Karlzon, Esbjörn Svensson und Nils Landgren. Anders Jormin kennt man von Aufnahmen mit Bobo Stenson. Einem riesigen Polarlicht der immer meist etwas sanft und diffus gestimmten schmalen Szene im Norden. Die etwas forschere Emanzipation der europäischen Jazzgemeinde forcierte Esbjörn Svenssonvon in Relation zu internationalen Staaten.

Unter amerikanischen Spitzenjazzern spielten auch Lars Gullin, Ake Persson, Rune Gustafsson. Was genauso für Nils Landgren selbstverständlich ist, der ›My Swedish Heart‹ von Viktoria Tolstoy produzierte. Eine der Frauen, die sich in einer nordischen Männerriege behaupten können. Kein Wunder: Sie ist Ur-Ur-Enkelin des russischen Schriftstellers Lew Nikolajewitsch Tolstoi. Einer der großen Namen in der Kulturgeschichte neben manchem Jazz-Nordlicht. Der Stoff, aus dem die Träume sind, das ist der Stoff, aus dem Geschichten sind, das ist der Stoff, aus dem Jazz ist, das ist auch der Stoff der Geschichte der Kultur.

| TINA KAROLINA STAUNER

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Ein langer Abschied

Nächster Artikel

No time to lose

Weitere Artikel der Kategorie »Platte«

Pub und Pogo

Musik | Skinny Lister: Down on Deptford Broadway Die Londoner Folkband Skinny Lister versucht, den Pubfolk alter Tage mit rotzigem Punk zu kombinieren. Jetzt ist ihr zweites Album erschienen. Von MARTIN SPIESS PDF erstellen

Die letzte Rockband

Musik | Ottar Gadeholt über die mythologische Seite von Guns N’Roses (Teil I) »You know where you are? You’re in the jungle, baby. You’re gonna diiiieeeeeee.« Zwar sind sie in manchen Kreisen immer noch populär, ich kenne aber keine Rockband, über die so viel gelästert wird wie über Guns N’Roses. U2 könnte man vielleicht aufzählen, oder Coldplay; es ist aber in der Regel nicht die Band U2, über die man sich aufregt, es sind eher PR-Geilheit, Selbstgerechtigkeit und Heuchelei, die Eiter und Galle hervorrufen. OTTAR GADEHOLT nähert sich dem Rockphänomen Guns N’Roses. Im ersten Teil geht es um die Frage,

Folkdays aren’t over… norwegische Impressionen

Musik | Annbjørg Lien: ›Drifting like a bird‹ Annbjørg Lien ist eine norwegische Sängerin, die als Musikerin Hardanger Fiddle und Nyckelharpa spielt, eine Fiddle die auch Tasten hat. Lien verwendet neue und alte Instrumente und weist auf den Musikinstrumentenbauer Olav G. Helland aus Bø in Telemark hin, der 1898 eine ihrer Nyckelharpas herstellte. Von TINA KAROLINA STAUNER PDF erstellen

We Aren’t Strangers No More: 2016’s Albums Of The Year.

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world Don’t hate me for this, but I thought Lemonade by Beyonce was a bit shit! I know that most »taste makers« raved about it in their end of year Best Of lists, declaring it a work of Godlike genius. Yet, somehow, the overproduced pop on offer left me a little cold. Perhaps it’s just me, but the whims of a multi-millionaire pop star just didn’t resonate. By JOHN BITTLES PDF erstellen

Dispatches From A Forgotten Age: The DJ Mix CD

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world

I was listening to Hot Chip’s excellent Late Night Tales set the other day when it struck me that I haven’t heard a decent DJ mix in ages. Apart from Jupiter Jax’s sublime Dee-Life Mix for 100% Silk earlier this year, there seems to have been a dearth of great sets recently. With clubs closed and most commercial DJ mix series having given up the fight, it almost seems as though the art of crafting a journey through other people’s records has died as an art form. By JOHN BITTLES