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No time to lose

Musik | Raphael Hussl: No time to lose

Das Album ›No time to lose‹ von Raphael Hussl besingt die Sehnsucht und die Hoffnung, kurzum: die Liebe. MARC HOINKIS berichtet.

Raphael Hussl tritt seit ein paar Jahren in einem Duo auf und brachte nun sein erstes Soloalbum heraus. Es besteht aus einigen älteren Liedern, die der Singer-Songwriter bereits vor einiger Zeit schrieb und neuen Songs, die um die Zeit der Album-Aufnahmen entstanden. Dabei spielte er, bis auf das Schlagzeug von Amal Kachapilly, alle Instrumente selbst ein.

Raphael HusslAuf die Frage nach den einzelnen Songs antwortete er: »Sie zeigen teilweise unterschiedliche Phasen und Emotionen innerhalb meiner musikalischen Aktivität. Mit den Liedern ›Let’s have some fun tonight‹, ›It’s gonna be a good day‹ und ›I can’t believe‹ habe ich zum Beispiel ganz bewusst versucht, eine vorherige Phase, in der meine Texte eher melancholisch geprägt waren, zu reflektieren. Die Songs sind allerdings an niemand Bestimmtes gerichtet, eher eine Mischung aus mehreren verschiedenen persönlichen und teilweise auch fiktiven Erlebnissen.«

No time to lose

Das Album beginnt mit dem Song ›Let’s have some fun tonight‹ und stellt bereits zu Beginn das facettenreiche Setup vor, das auch in den folgenden Tracks auftauchen wird: Klavier, Synthie, Drums, Bass und Gitarre. Der treibende Beat wird vom restlichen Instrumentarium abwechslungsreich ausgeschmückt und stampft unaufhaltsam voran. Und auch ein weiteres Charakteristikum des Albums wird direkt im ersten Song präsentiert: Der besondere Background-Gesang, der von der harmonischen Untermalung bis zu kommentierenden Einwürfen reicht und das Klangbild abrundet.

Dieses erste ermunternde Stück erzählt von zwei Personen, die aus der Alltagswelt ausbrechen und einfach »some fun tonight« haben wollen. Eine gewisse liebevolle Spannung lässt sich allerdings nicht vertuschen …

Der nächste Titel, ›Brand new day‹, kommt mit einem Hauch südlich anmutender Harmonien daher und wird durch den mystischen Background Gesang in die Ferne getragen. Das restliche Instrumentarium füllt den Song dicht aus und wirft zwischendurch einige melodische Einwürfe hinein. Der Text erzählt von Herzschmerz und dem immer wieder aufs Neue nichts verändernden »brand new day«, der vielleicht doch noch irgendwann zum glücklichen Leben führt.

›No time to lose‹, das Titelstück des Albums, stampft mit schleppendem Beat voran. Die Gitarre gibt dem Rhythmus durch die Betonung der letzten Zählzeit einen extra Drall. Dieser nun wieder fröhliche Song besingt die Vergänglichkeit des Tages und bestärkt das Motto carpe diem.

Free

Der folgende Track, ›I can’t believe‹, ist instrumentarisch eher etwas dünner gehalten und wird von den Drums und dem melodischen Bass getragen. Der Song erzählt davon, eine Beziehung langsam anzugehen und nichts zu überstürzen und fragt nach der Hoffnung auf eine Liebe.

›It’s gonna be a good day‹ ist ein gute Laune Song mit deutlichen Ska-Einflüssen. Hier zeigen sich die Drums sehr ausschweifend und Hussls Harmonien gehen runter wie Öl. Der Song greift noch einmal das Titelthema des Albums auf, keine Zeit mit Traurigkeit zu verlieren und ermutigt, nie stehen zu bleiben.

›If you’re gonna leave me‹ ist wahrscheinlich das schnellste Stück auf diesem Album und springt in einem polkaartigen Rhythmus hin und her. Jedoch scheint die Musik den Text zu kontrastieren, denn abermals geht es um die Sehnsucht nach einer Person, die jedoch anscheinend diese Gefühle nicht erwidert. Vorsicht, der Refrain ist ein absoluter Ohrwurm!

›Free‹ beginnt mit einer einlullenden Gute-Nacht-Melodie, bevor es in einen Funk Beat mit pulsierendem Bass und pointierten Drums übergeht. Dieser absolut tanzbare Song geht gerade durch den harmonisierten Abgang an der Stelle »We could be free« total ins Blut und auch der Refrain dieses Stücks setzt sich tief im Ohr fest. Der Text dieses Stückes behandelt jemanden, der offensichtlich sitzen gelassen wurde, aber trotzdem nicht loslassen will.

One more show

Der Song ›With the lights on‹ vermittelt durch den ungewöhnlichen Rhythmus und die verzweifelten Harmonien sofort einen gedrückten Gemütszustand, der im Refrain von einer zornig verzerrten E-Gitarre aufgegriffen wird und in einen treibenden Rockrhythmus verfällt. Dieser Song beschreibt wache Nächte, die mit den sehnsüchtigen Gedanken an eine besondere Person gefüllt werden.

›Until the end of all time‹ wird von einem schleppenden Rhythmus und einer hellen Gitarre getragen. Das wohl poetisch ausgeschmückteste Stück auf diesem Album erzählt von der Sehnsucht nach einer Person, die in allen Dingen auf dieser Welt erscheint und unvergesslich in den Gedanken verankert ist.

›One more show‹ fährt noch einmal die Energie hoch und schließt das Album mit einem pulsierenden, kraftvollen Stück ab. Der Song unternimmt den letzten Versuch, die Sehnsucht für immer zu besiegen und endlich die Liebe zu erobern.

Das Album

Das Album ist durchweg handgemachter Poprock mit vereinzelten Funk-, Jazz- und Ska-Einflüssen – und ein kleines bisschen Country für den Geschmack. Die Songs behandeln hauptsächlich die Themen Sehnsucht und Hoffnung. Dabei gelingt Hussl eine angenehme Balance zwischen traurigen und fröhlichen Tracks, wobei jedes der Stücke unverkennbar seinen Stil trägt.

Neben den vielen Feinheiten ist wohl ein besonderes Charakteristikum seine zwölfsaitige Fender Akustik Gitarre, die auf jedem Stück zu hören ist und das Klangbild deutlich prägt.
Das Album kann man aktuell für 10 Euro im Plattenladen H2O in Würzburg kaufen.

| MARC HOINKIS

Reinschauen
| Webseite von Raphael Hussl

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