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Mein Freund, der Baum

Kulturbuch | Julia Gruber, Erwin Thoma: Bäume für die Seele

Eine Architektin und ein Förster schreiben zusammen ein Buch über die zauberhafte Wirkung von Bäumen. Was zuerst nach weltentfremdetem Hokuspokus schmeckt, entpuppt sich als vorsichtige Annäherung an das größte Lebewesen auf diesem Planeten. Julia Gruber und Erwin Thoma regen an, darüber nachzudenken, welche Verbindung zwischen Natur und Mensch bestehen könnte. In ›Bäume für die Seele. Welches Holz stärkt mich?‹ wird aus totem Holz lebendige Seelennahrung. VIOLA STOCKER ließ sich verköstigen.

HolzKann es sein, dass Menschen sich intuitiv zu bestimmten Bäumen hingezogen fühlen? Dass Holz lebendige Charaktereigenschaften hat, die man sich zunutze machen kann? Julia Gruber und Erwin Thoma behaupten das nicht nur, sie zeigen in ihrer kurzen Einführung auch auf, dass Menschen seit jeher bestimmten Bäumen magische Kräfte zugewiesen haben. Dieses Wissen mag in unserer Zeit vielleicht verloren sein, doch die sagenumwobenen Donareichen oder Yggdrasil, der Weltenbaum, wecken womöglich Erinnerungen.

Arboretum in Kartenform

Beim Schmökern im Buch und Betrachten der vierzig großen Bild- und Informationskarten fühlt man sich wie auf einem Spaziergang durch ein Arboretum. Erstaunlich, welche Vielfalt an Bäumen außerhalb der Bekanntesten unsere Region doch beherbergt. Thoma und Gruber haben es verstanden, die Würde der Bäume in ihren Bildern und Texten angemessen einzufangen. Fleißige und Kreative freuen sich zudem über die zahlreichen Tipps, Rezepte und Hausmittelchen auf Basis der jeweiligen Baumarten.

Jede Karte, bzw. jedes Kapitel im Buch behandelt einen bestimmten Baum. Die Kapitel im Buch konzentrieren sich dabei auf die Bedeutung des Baumes im Brauchtum und der praktischen Verwendung, während die Karten zum einen die seelische Botschaft des Baumes vermitteln, zum anderen Informationen über Vorkommen, Art und Verbreitung liefern. Gruber, auf dem Klappentext auch als Schamanin bezeichnet, zeichnet verantwortlich für die seelischen Botschaften.

Veränderte Wahrnehmung

Es ist nicht essenziell notwendig, Grubers seelische Botschaften zu verinnerlichen, will man dank des Kartensets einen Zugang zu unserer Baumwelt erlangen. Wie offen sich der Einzelne den transzendenten Aspekten gegenüber zeigt, ist sekundär angesichts der Tatsache, dass wohl niemand die vierzig Baumarten hätte spontan benennen können. Eiche, Buche, Fichte, Tanne, Ulme, Eibe, Erle, ab welcher Baumart wird es schwierig, sie zu erkennen?

Es ist dies das Hauptverdienst von Gruber und Thoma: Die Leser einzuladen, die Bäume um sich herum mit anderen Augen zu betrachten. Holz ist nicht mehr nur Holz, es lebt, hat Eigenschaften, die nutzbar sind, wurde seit Anbeginn der Menschheit als Schutz- und Kraft spendendes Element verehrt und ist es mehr denn je wert, mit Achtung und Vorsicht behandelt zu werden. Zu wissen, welch mystische Bedeutung eine Baumart in alten Gesellschaften hatte, macht es leichter, einem Baum mit Respekt gegenüberzutreten. Zuneigung kann daraus folgen und womöglich das Empfinden, tatsächlich eine innere Verbindung zu der einen oder anderen Holzart zu haben.

| VIOLA STOCKER

Titelangaben
Julia Gruber, Erwin Thoma: Bäume für die Seele. Welches Holz stärkt mich?
Wien: Ueberreuter 2015
112 Seiten, 24,99 Euro

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