/

Das Elbe vom Ei

Bühne | Hart gekochtes Improvisationstheater am Ernst Deutsch Theater Hamburg

»Was du hier siehst, hat es so noch nie gegeben … und wird so auch nie wieder passieren!«
Es verspricht, ein urkomischer, einmaliger, hochkreativer Abend zu werden. Denn niemand weiß, welch verrückte Ideen in den gespannten Zuschauerköpfen herumgeistern. Nicht nur MONA KAMPE war extremely amused.

Drei mal vier macht einen Palmen fällenden Kleptomanen mit Kettensäge im Strandgepäck, zu dem sich Euphorie und Depression gesellen. Die Aussicht auf den Tagesausflug ist heiter bis wolkig im fliegenden Wechsel.

Wie wäre es mit Donald Trumps Kopf als kleinem Mittagssnack zur Stärkung der Nerven auf der familiären Trauerfeier, bei dem neben einem schweißtreibenden Streit um das lukrative Erbe von 200 Euro sich die eigene Mutter in den 20 Jahre älteren, homosexuellen Partner verliebt? »Vive la révolution!«

Hörst du bei deinem Date um 3 Uhr morgens in der Sauna mit einem verträumten Zyniker lieber die Titelmelodie zum Hörspiel ›Bibi & Tina‹ auf Techno oder kubanisch? Wie singt man eigentlich Techno? Ich habe gerade einen Hänger. Die Gebrauchsanweisung sagt: »Nehmen Sie die geile Gewürzgurke und …« Der Krimi im Kopf ist perfekt. Darf es noch ein Reim sein? »Mehr, her, sehr!«

Szenenwechsel: Von der Sauna geht es vorwärts und rückwärts in den heißen Vulkan. Reitest du lieber mit dem knallharten Cowboy oder verbringst romantische Stunden à la ›Rosamunde Pilcher im Stroh? Zum Teufel, warum packt der Softboy denn jetzt den Gürtel aus? Und warum liegt hier eigentlich Stroh? »Hey Praline, darf ich dich befüllen?« Beep! Beep!

Vorwärts. Rückwärts. Reggae. Latin. Heavy Metal.
»Hast du mit meiner Frau gevögelt?«
»Ich kill die Schlampe!«
Elvis lebt, doch Delio spielt Gitarre. 5,4,3,2,1 … geht’s noch? Hier wird hart gekocht!

Hamburgs hart gekochtes Improtheater

Denn du erlebst ›Das Elbe vom Ei‹ – hautnah, geköpft und gesalzen! Ein Abend mit dem siebenköpfigen ›Hamburger Improliga‹-Vizemeister, der nur knapp den Titel ›Beste Impromannschaft der Saison 2015/2016‹ an ›Die Zuckerschweine‹ verlor, ist nichts für zartgekochte Weicheier, denn von dem gespannten Publikum wird vor allem eins erwartet: sprudelnde Ideen, die die bunten, hochmotivierten ›Eier‹ schnell und auf den Garpunkt genau umsetzen können.

Die Impro-Vizemeister Hamburgs: Das Elbe vom Ei Foto: Richard Ohme
Die Impro-Vizemeister Hamburgs: Das Elbe vom Ei
Foto: Richard Ohme

Die junge, kreative Truppe rund um »Ober-Ei« Claudiu Mark Draghici vereint klassisches Improvisationstheater mit verrückten, unkonventionellen Einflüssen und kreiert damit noch nie dagewesene Zuschauererlebnisse. Es gibt nur eine Regel: Gemeinsam Einmaliges schaffen!

Verrückt verdreht aus dem Ei gepellt

Auch an diesem Abend geben Julia Wulf, kurz Jules, Konrad Berthold und Fred Hilke mit ausverkauftem Haus auf der Plattform-Bühne im Ernst Deutsch Theater Hamburg Vollgas. Die musikalische Live-Untermalung kommt von Delio Malär. Drei Kategorien treten gegeneinander an: Bewegung, Gefühle und Genres/Musik.

Bei den Temperaturen und dem Tempo, die das Publikum vorgeben, kann man schon mal ins Schwitzen kommen oder den einen kleinen, aber sympathischen Texthänger haben. Das Trio glänzt mit starker Rollenverteilung, die auch gerne im mittelalterlichen Retro-Setting der ›Bachelorette‹ gewechselt werden darf. Da ist es kein Wunder, dass ein Ritter aus dem Publikum die holde Maid kurz entführt, damit der Cow- und der Softboy ihr Date planen können.

Konrad und Jules in Aktion Foto:  Richard Ohme
Konrad und Jules in Aktion Foto: Richard Ohme

Unter tobendem Applaus fünften Grades kürt das begeisterte Publikum die »Genres/Musik« zum Sieger des Abends und darf sich über ein Zugabemedley mit den schönsten Szenen der vergangenen zwei Stunden freuen – natürlich verrückt verdreht aus dem Ei gepellt.

Am 30. März 2017 bescherte ›Das Elbe vom Ei‹ zudem gemeinsam mit den ›Zuckerschweinen‹ Rastenden und Schlemmerfreunden im ›Dithmarscher Festzelt‹ auf dem ›Hamburger DOM‹ die erste ›DOM Impro-Nacht‹. Ein garantiert einmalig salzig-süßes Spektakel!

Wem hier noch nicht das Salz aus den Augen gelaufen ist, der kann sich regelmäßig im ›Ernst Deutsch Theater‹ oder in der ›Burg – Theater am Biedermannplatz‹ in der Hansestadt eine weitere Kostprobe der »Eier« sichern.

| MONA KAMPE

Reinschauen
| Das Elbe vom Ei – Homepage
| Ernst Deutsch Theater Hamburg
| Die Burg – Theater am Biedermannplatz Hamburg

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Offen sein für Erschöpfung

Nächster Artikel

Die Herren der Welt

Weitere Artikel der Kategorie »Bühne«

Eine Reise quer durch Raum und Zeit

Bühne | Musiktheater: Mozarts ›Requiem‹ Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) letzte Komposition ›Requiem‹ ist nicht nur ein sehr emotionales Werk und gleichzeitig ein Abbild der Reise zwischen Leben und Tod. Es ist ein »Stück über Menschen, die gestorben sind und wieder aufgewacht sind, die also scheintot waren«, so Guido Markowitz, Ballettdirektor und verantwortlich für die Choreographie der Pforzheimer Fassung. Von JENNIFER WAREZECHA

Von der Moral und deren Akzeptanz durch die Masse

Live | Bühne: La Cage aux folles Diese Bühne wird abgegrenzt von einem roten Vorhang, die Schauspieler und Sänger erscheinen auf ihr, eingehüllt in Scheinwerferlicht. Ein Herr in schwarzem Jackett, der durch seine weißen, schütteren Haare Edel- und Sanftmut ausstrahlt, betritt die Bühne und begrüßt sein Publikum im gut gefüllten Großen Haus des Stadttheaters Pforzheim. Er spricht es direkt an und lädt es sein, mit ihm den Abend im Angesicht des Nachtclubs an der Riviera ›La Cage aux Folles‹ (deutsch für: ›Ein Käfig voller Narren‹) zu verbringen. Von JENNIFER WARZECHA

Man(n) ist sprachlos

Bühne | Bodyrule im Hamburger Sprechwerk Übergriffigkeit, Schweigen, Schuld. Die MeToo-Debatte hat viel aufgewirbelt – doch nicht genug. Das weiß man(n), wenn man das neue Stück von Denise Stellmann sieht. Ein persönlicher Eindruck von MONA KAMPE

Die 80er in einem Sandkorn

Bühne | Mit Vollgas in die 80er

Die 1980er-Jahre sind wieder da, besonders auch in Karlsruhe. Aktuell ist eine Ausstellung über das Jahrzehnt der Glitzerklamotten, Schulterpolster, Neuen Deutschen Welle und anderer Accessoires dort im Schloss zu sehen. Im Sandkorntheater, einem 1956 gegründeten Privattheater, nahe des Mühlburger Tors und des Stadtteils Mühlburgs, begeistert zurzeit das Musical ›Mit Vollgas in die 80er. Das 80er-Musical mit Live-Band!‹ das Publikum. Von JENNIFER WARZECHA

Was ist der »ideale Mann«?

Bühne | Oscar Wilde / Elfriede Jelinek: Der Ideale Mann

Interaktion mit dem Publikum steht bei dieser Vorstellung ganz klar im Vordergrund. Das erfährt man zu Beginn der Vorstellung von »Der ideale Mann« am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Leonard Dick glänzt als Mason & Phipps und führt das Publikum im fast bis auf den letzten Platz besetzten Kleinen Haus zum Thema hin. Von JENNIFER WARZECHA