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Fantasy-Metal-Abenteuer der Extraklasse

Bühne | Symphonic Metal: Avantasia

Avantasias neues Album ›Moonglow‹ kam Mitte Februar raus und stieg in den deutschen Albumcharts sofort auf Platz 1 ein. Damit machen sie den seit 1989 existierenden ›Oomph!‹ und den 2004 gegründeten ›Powerwolf‹ gewaltige Konkurrenz. Das Metal-Oper-Projekt von Gründer Tobias Sammet dürfte eines der größten Unterfangen sein, das in der Metalmusikwelt verwirklicht wurde.
ANNA NOAH will wissen, ob der Liveauftritt von Avantasia so erstklassig ist, wie im Promotrailer behauptet wird.

Keine Vorbands – Auf los geht’s los!

MoonglowFür die aktuelle Tour von ›Avantasia‹ hat Tobias Sammet wieder etliche Größen der Musikbranche auf der Bühne vereint.
Nach dem ersten Lied ›Ghost in the Moonlight‹ kam bereits für die zweite Single aus ›Moonglow‹ Ronny Atkins mit auf die Bühne – danach begann der hochkarätige Star-Abend passend mit ›Starlight‹.
Weitere Gäste waren der Heavy-Metal-Sänger Jørn Lande, der Metal-Sänger und Songwriter Geoff Tate, der Sänger der Hardrock-Band Mr. Big, Eric Lee Martin, und Bob Catley, Sänger der Rock-Band Magnum.

›Moonglow‹ präsentierte sich bereits im Vorfeld als brillant schönes Album, das den Avantasia-Wurzeln treu geblieben ist, sich jedoch weiterentwickelt und gut genug verändert hat, um aktuell – und vor allem beliebt – zu bleiben. Unterstützung gibt es von Background- und Leadsänger Herbie Langhans, der mit Bariton-Vocals, aber auch energiegeladenen Back-Up-Vocals den ganzen Abend zusammen mit der temperamentvollen Adrienne Cowan durchgepowert hat.

Metal auf hohem (Energie-)Niveau

Das Konzert ging weit über die drei von Sammet versprochenen Stunden hinaus. Es wurden mit Zugaben 24 Songs gespielt, von denen einige die zehn-Minuten-Grenze deutlich überschritten.
Doch von Energieabfall auf der Bühne fehlte jede Spur. Dieses hohe Energielevel ließ den gesamten Abend nicht nach. Ein Gastsänger nach dem anderen kam auf die Bühne und die Menge tobte.
Damit stieg die Temperatur in der Halle in unschöne Höhen.
›Promised Land‹ läutete das letzte Drittel des Konzertes ein und man bekam den Eindruck, dass die Songs härter wurden. Absolute Highlights jedoch waren der Song ›Avantasia‹, die allererste Single der Band (2000) und ›Let the Storm Descend Upon You‹ (2016). Bei ›Mystery of a Blood Red Rose‹ (2016) wurden Band und Publikum eine gemeinsam feiernde Menge, die Stimmung befand sich auf dem Höhepunkt.

Als der letzte Song ›Lost in Space‹ (2007) ertönte, wurde klar: Das Konzert hätte noch ewig gehen können. Dafür gab es noch zwei Zugaben aus den Alben ›The Metal Opera I & II‹. Zum einen ›Farewell‹ zusammen mit Adrienne Cowan und zum anderen die Standardabschlussnummer ›Sign of the Cross/The Seven Angels‹ mit allen beteiligten Sängern.

Avantasia vor Moonglow

Alle bisherigen Alben zeichnen sich durch ein hohes qualitatives Niveau aus, sowohl was die Lyrics, aber – noch viel wichtiger – die individuelle Performance aller Beteiligten betraf, egal ob Bandmitglieder oder Gastsänger.

So begann es im Jahre 2000 mit einer Fantasygeschichte um den Kleriker Gabriel, die in ›Metal Opera I & II‹ vertont wurde. Seine Schwester Anna wird als Hexe verhaftet. Und plötzlich ändert sich alles. Als Gabriel dadurch mehr über die Machenschaften seiner Mönchsbrüder herausfindet, wird er selbst unter Arrest gestellt. Er trifft einen Zauberer, der verspricht, ihn bei Annas Rettung zu unterstützen. Sie fliehen und Gabriels Geist wird in eine Welt der Fantasie (Avantasia) geschickt, in der er viele Prüfungen bestehen muss, während der Zauberer zurückbleibt und ihn führt.

Auch alle nachfolgenden Alben verknüpfen literarische und philanthropische Themen, wobei die Titel abgeschlossene Kapitel einer Geschichte darstellen. So erzählen die nächsten drei Alben, auch bekannt als »The Wicked Trilogy« die Geschichte eines Mannes, der seinem Traum folgt, ein denkwürdiger Musiker zu werden. Und das mit allen Höhen und Tiefen des Ruhms.

›The Mystery of Time‹ erzählt die eher philosophische Geschichte von Aaron Blackwell, der mit der personifizierten Wissenschaft und Vernunft über die Mysterien der Zeit streitet.
›Ghostlights‹ knüpft nahtlos daran an und stellt sich erneut den großen Fragen der Menschheit. Der junge Forscher Aaron Blackwell steht hier einer Gruppe von Wissenschaftlern gegenüber, die das individuelle Zeitempfinden der Menschen manipulieren.

Die Inspiration für ›Moonglow‹ nun stammt von Sammets Faszination für den Mond. In der Geschichte geht es um eine Kreatur, die mit Mut und der menschlichen Idee von Schönheit zu kämpfen hat. Schlussendlich zieht sie den Schatten des Mondscheins vor, um sich vor der oberflächlich-hässlichen Welt zu verstecken.

Reichhaltig an Melodien

Die Highlights von ›Moonglow‹ sind die über zehnminütigen Epen, bei denen sich als i-Tüpfelchen auch noch verschiedene Sänger abwechseln. Das wären ›The Raven Child‹, ›Alchemy‹ sowie ›The Piper At The Gates Of Dawn‹ und ›Requiem For A Dream‹. Letztere beiden wurden als einzige aus dem Album zum Konzert nicht gespielt. Bei diesen Tracks stimmt einfach alles. Melodic-Metal-Fans können in den ruhigeren Takten aufgehen sowie sich in den härteren von den fast hymnischen Melodien begeistern lassen.
Manche setzen sich äußerst hartnäckig in den Gehörgängen fest.

Außerdem bietet das Album mit dem Opener ›Ghost In The Moon‹ sowie ›Lavender‹ zwei Stücke mit Meat-Loaf-Flair. In beiden gibt es alles, was das Musikerherz begehren könnte: unaufdringliche Pianoklänge und für ›Avantasia‹ charakteristische Gitarrensoli, dazu perfekt abgestimmte Chöre. Über allem steht Sammets Stimme hierbei allerdings klar im Vordergrund.
Der titelgebende Track ›Moonglow‹, der als erstes Musikvideo nach ›The Raven Child‹ ausgekoppelt wurde, hat eine besonders einprägsame Melodie – auf der CD als Duett gesungen mit Candice Night. Der Song lädt die Fans zum Träumen ein.

Ein eher unerwarteter Zusatz ist das ›Flashdance‹-Cover ›Maniac‹ von Michael Sembello, das die CD abschließt, aber nicht zur erzählten Story gehört. Doch das ist verzeihbar, denn Eric Lee Martin und Sammet im Duett verleihen dem Titel ihren ureigenen Touch.

Unnachahmlich

Tobias Sammet›Moonglow‹ ist das siebte Album von ›Avantasia‹. Zwei Jahre hat Tobias Sammet an diesem Meisterwerk gearbeitet. Es enthält musikalisch eine Mischung aus Power Metal, symphonischen Elementen, einen Hauch Theater und ein bisschen Rock.

Sammet hat unter anderem das Geschick, extrem eingängige Refrains zu schreiben. Somit hat er es mit seinem Team wieder geschafft, einen neuen Standard für jegliche Metal-CDs zu setzen. Viele hervorstechenden Melodien, die von absoluten Rockgrößen gesungen werden, sind sein Erfolgsrezept. Somit erwirkt er, dass auch das neue Projekt eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf seine Fans und die, die es noch werden wollen, ausübt.

Das Album liefert Songs, die auf der aktuellen Tour für frenetischen Jubel sorgen.
Sammet und seine Band haben ein Album erschaffen, das wahrscheinlich zu den Besten von ›Avantasia‹ gehört.

| ANNA NOAH
Bühnenfoto: ANNA NOAH / Andere Abb: Nuclear Blast

Konzertangaben
Avantasia (Tobias Sammet)
Moonglow Album (Nuclear Blast)

Künstler:
Tobias Sammet, Band & Friends

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