//

»Berühmt werden – etwas anderes wollte ich nie«

Menschen | Zum 80. Geburtstag des Oscar-Preisträgers Anthony Hopkins am 31. Dezember

»Eine 80 Jahre alte Maschine muss ständig gut geölt sein, sonst rostet sie ein.« Er öle seine Maschine »mit Musik, mit Malerei, mit meiner Arbeit«, hatte Chopin-Liebhaber Anthony Hopkins vor einigen Wochen in einem Interview mit der ›Bild am Sonntag‹ erklärt. Von PETER MOHR

Hopkins - HannibalEr mag nicht die Rolle des vergeistigten Hollywoodstars und wehrt sich auch vehement gegen dieses Klischee. »Sie bieten mir die Rollen einfach an, und ich sage zu. Mehr Beweggründe gibt es nicht. Das finden die meisten irgendwie enttäuschend«, hatte Oscar-Preisträger Anthony Hopkins 2011 erklärt. Inzwischen spiele er lieber Klavier, male oder komponiere, beteuert Hopkins, der mit seiner dritten Ehefrau Stella Arroyave im US-Bundesstaat Kalifornien lebt.

Der unvergleichliche Charakterdarsteller, dem der in Hollywood forcierte Starkult immer suspekt war, ist mit seinen nun 80 Jahren gelassen und abgeklärt geworden. Früher war dies allerdings völlig anders. »Ich wollte berühmt werden – etwas anderes wollte ich nie«, berichtet Hopkins im Rückblick auf seine trostlose Jugend.

Dabei war Hopkins’ Weg auf den Schauspielerolymp ziemlich dornenreich, führte über manche Umwege und gefährliche Klippen. »Ich war schrecklich in der Schule, konnte nie mit anderen Kindern auskommen. Ich war ein schlechter Student und hatte nichts im Hirn – also bin ich Schauspieler geworden«, so Hopkins, der am 31. Dezember 1937 in der walisischen Stadt Port Talbot als Sohn eines Bäckers geboren wurde.

Nach einem drittklassigen Internat fand er über ein Amateurtheater und ein Kunststipendium den Weg zur Schauspielerei. In Leicester und Liverpool stand er in kleinen Repertoiretheatern erstmals auf der Bühne. Der einstige britische Theaterleiter Laurence Olivier holte ihn 1965 ans National Theatre, doch Hopkins war mit dem Tempo seiner Karriere nicht zufrieden, überwarf sich mit Olivier: »Lieber fahre ich Taxi, als mich herumkommandieren zu lassen.«

Hopkins’ selbst gewählter vorübergehender Ausstieg und die daraus resultierenden handfesten Alkoholprobleme brachten seine erste Ehe mit Petronella Barker zum Scheitern. Der irischen Schauspielgröße Peter O’Toole ist es zu verdanken, dass Hopkins wieder auf die Beine kam. Er schlug ihn für die Rolle des Richard in ›Der Löwe im Winter‹ vor. Hopkins’ Dankbarkeit hielt sich in Grenzen, noch bei den Dreharbeiten bot er O’Toole Schläge an.

1972 übersiedelte Hopkins in die USA, spielte zunächst mit großem Erfolg am Broadway, ehe er jenseits des Atlantiks für Film- und Fernsehproduktionen entdeckt wurde – zumeist für die Rollen innerlich gespaltener Bösewichte und berühmter Persönlichkeiten, bei deren Darstellung er mit Haut und Haar aufzugehen schien. Angefangen mit der Hitler-Rolle in der TV-Produktion ›Der Führerbunker‹ über Yizhak Rabin, Richard Nixon, Pablo Picasso bis zuletzt 2013 Alfred Hitchcock.

»Der Oscar hat mein Leben verändert, weil meine Selbstzweifel über den Haufen geworfen worden sind«, so Hopkins, der 1991 die Trophäe entgegennehmen konnte – für seinen grandiosen Auftritt als Psychopath Hannibal Lecter in Jonathan Demmes ›Das Schweigen der Lämmer‹. Wie in den Kino-Fortsetzungen ›Hannibal‹ und ›Der rote Drache‹ entwickelt Hopkins allein durch Gesten, Blicke und Mimik eine beklemmende, beinahe physisch spürbare Aura des abgrundtief Bösen. Ein Schuss schauspielerische Genialität und die meisterliche Gabe, seine eigene introvertierte und zerrissene Persönlichkeit in die Rollen zu verweben, machen Hopkins noch immer unvergleichlich. Schwierige Charaktere auch abseits der »Gruselfiguren« sind seine Paraderollen, für die er zwei weitere Oscar-Nominierungen erhielt.

Große Regisseure wie Oliver Stone, Francis Ford Coppola, Richard Attenborough oder James Ivory, der gleich drei Hauptrollen mit Hopkins besetzte (›Howards End‹, ›Was vom Tage übrig blieb‹ und ›Picasso‹) sicherten sich die Dienste des gebürtigen Walisers, der am 23. Februar 1993 von Königin Elizabeth per Ritterschlag in den Adelsstand erhoben wurde. Die öffentliche Anerkennung und die Unterstützung seiner zweiten Ehefrau Jennifer Lynton haben dem großen Schauspieler über schwere persönliche Krisen hinweggeholfen.

Zuletzt geglänzt hat Hopkins als teufelsaustreibender Pater Lucas in ›Das Ritual‹ (2011) und in Woody Allens Tragikomödie ›Ich sehe den Mann deiner Träume‹ aus dem Jahr 2010. Die Bandbreite der Figuren, die Hopkins verkörpert hat, ist riesengroß, und seine enorme Wandlungsfähigkeit ist wahrhaftig einzigartig.

| PETER MOHR

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Nicht mit dir und nicht ohne dich

Nächster Artikel

Im neuen Jahr bleibt alles anders

Weitere Artikel der Kategorie »Film«

Ewig jung

Film | Auf DVD: Leos Janácek – Vec Makropulos Es gibt Leute, die bemängeln, dass der Regisseur Christoph Marthaler immer dasselbe mache. Das mag seine Berechtigung haben. Aber was er da immer wieder macht, ist so faszinierend, so anregend, dass sich seine Fans daran nicht sattsehen können. Marthaler ist ohne Zweifel ein Regisseur mit einer unverwechselbaren Handschrift, imitiert zwar, aber so intelligent und künstlerisch sensibel, dass auch die schwächeren Arbeiten für das Sprech- oder das Musiktheater, was bei Marthaler nicht immer unterscheidbar ist, zum Interessantesten gehören, was die Bühne der Gegenwart zu bieten hat. Von THOMAS ROTHSCHILD

Süßes oder Saures?

Film | Im Kino: Das Haus der geheimnisvollen Uhren Ein Waisenjunge muss zu seinem nie vorher gesehenen Onkel in eine andere Stadt ziehen. Der Verwandte wirkt auf ihn äußerst gruselig. Bald stellt der Junge fest, dass das Haus anders ist, als normale Häuser. »Hier gibt es noch echte Magie«, formuliert der Onkel treffend und weist den Kleinen nach und nach in die Kunst der Hexerei ein. ANNA NOAH fragt sich: Was wird noch alles ans Tageslicht kommen?

Brecht und der Film

FilmFritz Lang/Bertolt Brecht: Auch Henker sterben Der Titel dieses Films ist auch vielen bekannt, die ihn nie gesehen haben: Hangmen Also Die – auf Deutsch: Auch Henker sterben. Das kommt: Autor der Story ist kein Geringerer als Bertolt Brecht. Offiziell steht der Name des amerikanischen Mitarbeiters John Wexley für das Drehbuch im Vorspann. Auch Brechts Koautor, zugleich der Regisseur, trägt einen berühmten Namen: Fritz Lang. Aber es lässt sich nicht leugnen: dieser 1943 in den USA gedrehte Film bleibt zurück hinter dem übrigen Werk Brechts und auch hinter sowohl den deutschen Vorkriegsfilmen wie den amerikanischen Filmen Fritz Langs. Von THOMAS

Grandioser Fiesling vom Dienst

Menschen | Zum 80. Geburtstag von Oscar-Preisträger Jack Nicholson am 22. April 2017 »Mit meiner Sonnenbrille«, sagte der Hollywood-Star vor zehn Jahren, »bin ich Jack Nicholson. Ohne sie bin ich fett und siebzig.« Die Rolle des psychopathischen ehemaligen Korea-Kämpfers Randle Patrick McMurphy in ›Einer flog über das Kuckucksnest‹ (1975) hatte ihn weltberühmt gemacht, obwohl er schon vorher in bekannten Streifen wie ›Easy Rider‹ (1969) und Roman Polanskis ›Chinatown‹ (1974) glänzte. Von PETER MOHR

Die andere Kammerzofe

Film | DVD: Tagebuch einer Kammerzofe 1964 kam Luis Buñuels Tagebuch einer Kammerzofe in die Kinos, das nicht zuletzt wegen Jeanne Moreau in der Titelrolle zu einem großen Erfolg wurde. Der Film basiert, sehr frei, auf dem gleichnamigen Roman von Octave Mirbeau, der 1900 erschienen ist. 18 Jahre vor Bunuel gab es bereits eine Verfilmung des Stoffes, und ihr Regisseur war kein Geringerer als Jean Renoir. Von THOMAS ROTHSCHILD