//

Die unterschätzte Krankheit

Live | Diabetes Charity Gala

Bei der 8. Diabetes-Charity-Gala konnten Rekordspenden in Höhe von über 110.000 Euro für wichtige Gesundheits-Projekte gesammelt werden. Der diesjährige ›Thomas-Fuchsberger-Preis‹ geht an Michael Bertsch. ANNA NOAH informiert sich über eine unterschätzte Volkskrankheit.

Diabetes in der Öffentlichkeit

Die ›Diabetes-Charity-Gala‹ wurde vor acht Jahren ins Leben gerufen, um die chronische Krankheit Diabetes stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. 6,7 Millionen Menschen sind in Deutschland von Diabetes betroffen und täglich kommen rund 1.000 neue Erkrankungen hinzu. Seit Jahren fordert die Organisation deshalb eine Diabetesstrategie, die erstmals im aktuellen Koalitionsvertrag aufgegriffen wird.

Weiterhin im Fokus der von Inka Bause moderierten Gala, in der auch das 10-jährige Bestehen des Veranstalters ›Deutsche Diabetes-Hilfe‹ gefeiert wurde, standen Menschen mit Diabetes, darunter auch viele Prominente wie Harry Wijnvoord (Typ-2-Diabetes) oder Isolde Tarrach (Typ-1-Diabetes).

Prävention und Technologie

Zum ersten Mal hielt ein amtierender Bundesgesundheitsminister – Jens Spahn – die Begrüßungsansprache nach dem Grußwort des Vorstandes, vertreten von Dr. Jens Kröger und Nicole Mattig-Fabian. In seiner Rede wies er darauf hin, dass Diabetes eine der meistunterschätzten Krankheiten sei, deren Prävention eine der entscheidenden Aufgaben der Gesellschaft werden müsse. Zentrale Elemente zur Prävention seien vor allem die Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln. Wie beispielsweise in Finnland, wo aufgrund steigender Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu große Mengen Salz in den Lebensmitteln im Supermarkt verboten wurden.

Weiterhin müsse man schnellere Entscheidungen über die Erstattung von innovativen Technologien treffen, die den Menschen mit Diabetes das Leben mit der Krankheit erleichtern. Auch eine gesammelte Datenerhebung bei Diabetes und dessen Therapie dürfen nicht zu kurz kommen.

Diabetes Kids und Thomas-Fuchsberger-Preis

Ein echtes Highlight war der Auftritt des 12-jährigen Marvin Fischer, der in diesem Jahr mit seiner Jonglage-Performance den ›Diabetes-Kids-Supertalent-Wettbewerb‹ gewann.
Ins Leben gerufen wurde die ›Diabetes-Kids‹-Community von Michael Bertsch, der mit seinem Engagement den mit 5.000 Euro dotierten Thomas-Fuchsberger-Preis gewann. »Damit reiht sich Michael Bertsch perfekt in die Liste der Preisträger des Thomas-Fuchsberger-Preises der letzten Jahre ein«, kommentierte Dr. Jens Kröger, der Vorstandsvorsitzende der ›Deutschen Diabetes-Hilfe‹. Bertsch betreibe mit viel Herzblut und Leidenschaft die Community und Website Diabetes-Kids.de, in der sich Tausende Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes austauschten und Rat suchten. »Dieses Engagement ist absolut beeindruckend und der Preisträger hat die Auszeichnung mehr als verdient.«

Mit dem eingegangenen Spenden werden über die nächsten zwei Jahre die Projekte ›Diabetes-Projekt The Gambia e.V.‹ und ›E-Learning-Modul zum Gesundheitspass Diabetes‹ gefördert. Beide Projekte verfolgen das Ziel, eine bessere Versorgung der Menschen mit Diabetes zu erreichen, um schwerwiegende Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Diabetesde.org
Der Vorstand der Deutschen Diabetes-Hilfe besteht aus elf ehrenamtlichen Mitgliedern, die als Experten für Prävention, Versorgung, Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeitsarbeit Aufgabenstellungen der Organisation voranbringen und die strategische Arbeit der Geschäftsstelle in Berlin fachlich unterstützen. Der Vorstand ist mit Ärzten, Diabetesberatern und Betroffenen besetzt und spiegelt das Leitbild der Gesamtorganisation wider.

Für die musikalische Unterhaltung der Gäste sorgten Alexander Knappe mit den »Berlin Strings« und das Berliner Chor-Ensemble.

| ANNA NOAH
| Foto: ANNA NOAH

Gala-Angaben
8. Diabetes-Charity-Gala
Tipi am Kanzleramt
10557 Berlin
Regie: Fabienne Stordiau

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Fremd in der Heimat

Nächster Artikel

Eine gealterte Justice League

Weitere Artikel der Kategorie »Bühne«

»Wir haben doch noch uns«

Bühne | Hans Fallada: Kleiner Mann – was nun Was gibt es Schöneres als ein junges Glück? In Zeiten der Not erwärmt es einem das Herz, doch das Geld darf nicht ausbleiben, denn sonst hat der Muckel nichts zu essen. Von MONA KAMPE

Von Freiheit und Vulgäranarchismus

Friedrich Schiller: Die Räuber; Staatstheater Darmstadt Schon Marcel Reich-Ranicki wusste, dass Friedrich Schiller bereits in seiner Jugend einen schöneren Sprachstil besaß, als Johann Wolfgang von Goethe in seinem ganzen Leben. Das zeigt natürlich vor allem Schillers Sturm-und-Drang-Debut ›Die Räuber‹ – ein Theaterstück über Liebe und Hass, über Familie und Individualität, über Usurpation und Freiheit. Dennoch wird Schiller heute weniger auf deutschen Bühnen aufgeführt, als sein Freund Goethe. Der Regisseur und Schauspieler Christoph Bornheim tritt dem entgegen und hat ›Die Räuber‹ in den Kammerspielen des Staatstheaters Darmstadt in einer grellen und bunten Version inszeniert, die sich primär – aber nicht nur

Boy? Man? Two Boys!

Bühne | THIS BOY – Ein Tanzstück von Morgan Nardi (FFT Düsseldorf) Untersuchte der Choreograph und Performance Artist Morgan Nardi 2012 in seinem Solo 3rd Mythen einer eindeutigen Geschlechtszugehörigkeit, so sind es in seiner aktuellen Performance This Boy diesmal ausschließlich gegenwärtige Bilder von Männlichkeit, die ihn nicht allein, sondern gemeinsam mit Lucas Franken (23, Student der Theaterwissenschaft) im FFT Juta umtreiben: Schwarze Chucks, weißes Shirt, graue Jeans, (Drei-Tage-)Bart, schwarze Locken. Auch wenn die Beiden knapp 30 Jahre trennt – die Boys sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Von VERENA MEIS

Das verfaulte Spiegelbild des Sozialen

Bühne | Zombie1_eine Schreckensbilanz Zombies gelten als das Lumpenproletariat des Horror-Genres – nicht so elegant, erotisch und aristokratisch wie Vampire – und in ihren Bedürfnissen wesentlich primitiver orientiert. Denn der Zombie strebt schlicht nach Menschenfleisch, primär Hirnmasse. Vielleicht auch, weil diesem Untoten die Eigenschaft des menschlichen Denkens abhandenkam. Das treibt ihn in die Peripherie der Gesellschaft, und sein fehlendes Bewusstsein macht ihn dazu noch völlig kritikunfähig. Von PHILIP J. DINGELDEY

Alle Wege führen in den Kaukasus

Bühne | Kasimir und Kaukasus im Schlosspark Theater Berlin Wenn der Mann einen Goldfisch statt des gewünschten Yorkshire-Terriers als Geschenk mitbringt, darf die Dame des Hauses schon mal verstimmt sein. Zumal die Ehe schon nicht mehr besonders gut läuft. Aber als sie dann einen alten Verflossenen anruft, um ihren Gatten zu ärgern, entwickeln sich die Dinge ganz anders, als sie denkt … ANNA NOAH amüsiert sich über menschliche Schwächen, Verwicklungen und überraschende Umstände.