Ausraster

Kinderbuch | Stefanie Höfler: Helsin Apelsin und der Spinner

Helsin ist ein nettes Mädchen – aber manchmal rastet sie komplett aus. Und das kann zu ungeahnten Problemen führen. Von ANDREA WANNER

Helsin ApelsinDie zweite Klasse, die Frau Corosin stolz ihre zwölf Zwerge nennt, kennt Helsins impulsive Wutausbrüche schon und kann damit umgehen. Helsin lernt es auch immer besser, sich im Griff zu haben. Aber dann kommt ein Neuer in die Klasse. Louis hat natürlich keine Ahnung, was los ist und tritt eine Lawine los. Helsin – Apelsin reimt er spontan, als er den Namen seiner Mitschülerin hört. Und Helsin explodiert.

Vielleicht würde sie sich wieder einkriegen, aber die Situation entwickelt eine Eigendynamik. Sie findet Louis ätzend, ihre besten Freunde Tom und Elsa finden ihn eigentlich ganz nett.

Stefanie Höfler hat ein unglaubliches Talent, Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen auf eine Art zu beschreiben, die ohne Klischees und falsches Mitleid auskommt. Sie hat das in ihren bisherigen drei Büchern – ›Mein Sommer mit Mucks‹, ›Tanz der Tiefseequalle‹ und ›Der große schwarze Vogel‹ – eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Und alle drei Titel wurden für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Nie kommt der Humor zu kurz, treffsicher fühlt sie sich in Situationen ein und macht die Krisen ihrer Heldinnen und Helden nachvollziehbar. So ist auch Helsin eine kleine Person mit Ecken und Kanten, mit sympathischen Seiten und weniger netten.

Höfler stellt ihr eine verständnisvolle Familie an die Seite, Eltern, die großzügig sind – aber auch durchaus klar in ihren Ansagen. Dass Helsin den Leguan von Louis klaut, ist schlimm. Aber nichts ist so aussichtslos, dass kein Weg herausführt. Man muss ihn nur finden wollen. Und mit ein bisschen Unterstützung findet auch Helsin ihren Ausweg.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Stefanie Höfler: Helsin Apelsin und der Spinner
Weinheim: Beltz & Gelberg 2020
208 Seiten. 12,95 Euro
Kinderbuch ab 8 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe
| ›Mein Sommer mit Mucks‹ in TITEL kulturmagazin
| ›Tanz der Tiefseequalle‹ in TITEL kulturmagazin
| ›Der große schwarze Vogel‹ in TITEL kulturmagazin

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Moral

Nächster Artikel

Kassandra verstummt nicht

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Totales Chaos

Kinderbuch | Helga Bansch: Monstergeburtstag

Kindergeburtstage sind eine Sache für sich. Wirklich verrückt wird es, wenn kleine Monster Geburtstag feiern, findet ANDREA WANNER.

Ein fürsorglicher Tigervater und ein kleines Vögelchen

Kinderbuch | Nele Brönner: Das Tigerei Erziehung hat immer so seine Tücken. Da kommt der Tiger plötzlich zu einem kleinen Kind, noch dazu einem piepsigen Vögelchen, und dem bringt er natürlich als erstes das Fauchen und Brüllen bei. Böse sieht es aus. Aber ein kleines Vögelchen ist nun mal kein Tiger. Wie mag das bloß ausgehen? Von GEORG PATZER

Starke Gefühle

Kinderbuch | Heinz Janisch: Und dann?

Da sitzen zwei angelnd nebeneinander. Entspannt und friedlich sieht das aus – aber es geht auch anders. Denn wenn die eine mehr Angelglück hat als der andere, kann die Stimmung ganz schnell kippen, weiß ANDREA WANNER.

Auf der Suche nach einem Zuhause

Kinderbuch | Frida Nilsson: Sem und Mo im Land der Lindwürmer

Von Tante Tyra wurden die beiden Waisenbrüder Sem und Mo schwer enttäuscht. Statt ein echtes Zuhauses zu finden, mussten sie von morgens bis abends schuften. Kein Wunder, dass der Vorschlag einer Ratte interessant für sie klingt: Königin Indra möchte Mutter werden und der Ratz hat die Lösung: Er bringt ihr die beiden Jungs in ihr Königreich. Was sie dort erwartet, ist eine Überraschung der besonderen Art. ANDREA WANNER war bestens unterhalten.

Riesenspaß, wenn die Pflicht ruft

Kinderbuch | Pija Lindenbaum: Wir müssen zur Arbeit

Es klingt wie ein Abschiedsgruß von Eltern an ihre Kinder: die Pflicht ruft, wir sind dann mal weg. Allerdings sind es hier die Kinder, die losmüssen. Ein wunderbares Spiel, in dem sich die kindliche Fantasie so richtig austoben darf, freut sich ANDREA WANNER.